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Anne H.

Arzthelferin das zweite Mal vernommen

29. Juni 2010 | 07:10 Uhr | Von Eckard Gehm

Anne H. (Mitte) verlässt mit Vater und Mutter die Polizeistation Ahrensburg. Foto: Jens Burmester

Sie ist vernommen worden - genau wie ihre Eltern. Was ist Anne H. zugestoßen? Die Vernehmung geht am dritten Tag nach ihrem Wiederauftauchen weiter.

Ahrensburg. Anne H. (25) schmiegt sich an ihren Vater, ihr Gesicht ist verweint. Er hat beide Arme fest um sie geschlungen. Die Mutter der jungen Frau geht neben den beiden, ihr ist die Angst, die sie ausgestanden hat, deutlich anzusehen.

Eine Woche war Anne H. aus Bargteheide (Kreis Stormarn) spurlos verschwunden, ihre Familie hatte eine der größten Öffentlichkeitsfahndungen der Bundesrepublik ausgelöst. Jetzt ist die Arzthelferin wieder zu Hause - doch der Fall bleibt weiter rätselhaft.

Gegen ihren Willen festgehalten

Die junge Frau mit der auffälligen Tätowierung über der Brust war am Sonntag vor der Haustür ihres Vaters wieder aufgetaucht. Ein Vertrauter der Familie sagte, Anne sei gegen ihren Willen irgendwo festgehalten worden. Mutter Eva H. (44) deutete an, es sei ein Verbrechen geschehen. Mehr wolle und dürfe sie nicht sagen. So verlange es die Polizei von ihr.

Anne H. ist nach ihrer Rückkehr ärztlich untersucht worden - um Spuren eines Sexualverbrechens oder einer Gewalttat zu sichern. Kripo-Beamte vernahmen sie dann gestern auf der Polizeistation Ahrensburg mehrere Stunden lang. Polizeisprecherin Sonja Kurz: "Die Vernehmung wird heute fortgesetzt. Erst danach werden wir Angaben zu dem Fall machen."

In schlechter psychischer Verfassung

Detmar Schilke (48), Leiter der Pfadfinder-Gruppe Ahrensburg, war ein Helfer bei der Suche. Er hat Anne H. getroffen und sagt: "Sie ist in schlechter psychischer Verfassung." Gegen Mittag sei sie vor ihrem Elternhaus abgesetzt worden. Von wem, sagt er nicht. Zu ihm soll Anne auch gesagt haben: "Auf dem Weg ist etwas passiert." Anne H. hatte sich vor einer Woche von ihrem Freund getrennt. Auf dem Rückweg von Schwerin nach Bargteheide verlor sich ihre Spur, Montag erschien sie nicht bei der Arbeit. Ihr Vater meldete sie sofort als vermisst. Polizeisprecherin Kurz: "Wir haben dann mit unserer Arbeit begonnen."

Doch den Eltern war das offenbar zu wenig, sie organisierten eine eigene Suche. Der Chef der Mutter, die bei einer Telefonmarketing GmbH arbeitet, richtete eine Internetseite ein, die 600.000 Mal angeklickt wurde. Weil darauf die Nummer der Polizei Ahrensburg angegeben war, brach dort die Telefonanlage zusammen. Sonja Kurz: "Die Familie hätte ihre Aktionen mit der Polizei abstimmen müssen." Noch hält sich auch das Gerücht, dass Annes Verschwinden ein inszenierter PR-Gag sein könnte.


 

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