Ryanair droht mit Rückzug

Was wird aus Flughafen Blankensee?

03. September 2010 | 07:39 Uhr | Von lub

Vor dem Aus? Ryanair überlegt, sich aus Lübeck zurückzuziehen.

Die neue Flugverkehrssteuer ist beschlossene Sache. Um acht Euro soll diese den Ticket-Preis in die Höhe treiben. Hauptanbieter Ryanair droht mit Rückzug aus Lübeck.

Lübeck. Es will nicht rund laufen für den Lübecker Flughafen Blankensee. Erst im Frühling hatten die Bürger ihren defizitären Airport per Abstimmung vor einer von der Rathaus-Mehrheit angestrebten Abwicklung gerettet. Jetzt beschloss das Bundeskabinett eine neue Flugverkehrssteuer. Um acht Euro soll die den Ticket-Preis in die Höhe treiben. Hauptanbieter Ryanair droht mit Rückzug.

Kommt die Steuer, geht Ryanair - so drohte Michael O’Leary, messerscharf kalkulierender Chef des irischen Billigfliegers, schon vor Monaten. Und nach dem Kabinettsbeschluss hieß es jetzt von Ryanair-Sprecherin Henrieke Schmidt: "Die Steuer wird Konsequenzen haben." Sicher sei, dass es mit ihr am deutschen Markt nicht zu weiteren Investitionen kommen werde.

Ryanair will die Steuer an die Fluggäste weitergeben

Die neue Steuer (offizieller Name: "ökologische Flugverkehrsabgabe") wird laut Beschluss von 2011 an erhoben und belastet Flüge je nach Streckenlänge um 8,25 Euro (innereuropäische Flüge) oder 45 Euro zusätzlich. Eine Milliarde Euro pro Jahr soll das dem Bund bringen. Bezahlen müssen die zusätzlichen Kosten die Passagiere; nicht nur die Lufthansa kündigte dies umgehend an, auch Ryanair will die Steuer an die Fluggäste weitergeben.

Mehr als 8,25 Euro muss für keine der von Lübeck aus angeflogenen Flugziele bezahlt werden, dennoch fürchten Airport- und Linienbetreiber um ihre Passagierzahlen, denn vor allem die niedrigen und Schnäppchenpreise der Low-Cost-Unternehmen steigen mit Flugverkehrssteuer vergleichsweise stark an. Sollte sich Ryanair aus dem Deutschland-Geschäft zurückziehen, ist das Aus für Blankensee in Sicht - die Iren fliegen neun von insgesamt elf Zielen an, die in Lübeck auf dem Flugplan stehen.

Bei aller Sorge weiß sich die Lübecker Airport-Geschäftsführung in guter und großer Gesellschaft. In Aufruhr ist die gesamte Branche, die Nutzerschar der Billigflieger war im vergangenen Jahr 53 Millionen Passagiere groß und Lübeck ist einer von 19 Regionalflughäfen, die bundesweit um diese Klientel werben. Am Lübecker Airport hofft man derweil auf die Unrechtmäßigkeit der neuen Steuer. Laut der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Verkehrsflughäfen ist diese rechtswidrig. Für Rheinland-Pfalz hält ein Gutachten bereits fest, dass sie gegen Verfassung und EU-Recht verstößt. Hoffen dürfen Betroffene auf das Beispiel der Niederlande, die eine solche Steuer bald nach Einführung wieder abgeschafft hatten. Deutschland-nahe Flughäfen in den Niederlanden sind nun für Ryanair attraktiv.


 

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