PANORAMA
"Rote Flora"
Autonome blasen zum Angriff
Hamburg. Brennende Barrikaden und Scharmützel mit der Polizei hat es an der "Roten Flora" in den vergangenen Jahren immer wieder gegeben. Und doch: Seit Immobilienkaufmann Klausmartin Kretschmer das von Links-Autonomen besetzte Gebäude im Schanzenviertel 2001 gekauft hat, herrschen vergleichsweise stabile Verhältnisse. Das dürfte sich demnächst ändern: In einem Jahr läuft jene Zehn-Jahres-Frist aus, in der die Stadt einen Weiterverkauf per Veto verhindern kann. Kretschmer denkt bereits darüber nach, was er mit der "Roten Flora" anfangen könnte. Ihm lägen drei Angebote von Interessenten vor, alle höher als 15 Millionen Euro, lässt der Kultur- und Immobilien-Investor wissen.
Einen Verkauf scheut die Hamburger Politik aber wie der Teufel das Weihwasser. Übernimmt ein kommerzieller Eigner das "autonome Kulturzentrum", würde der die Räumung des seit 20 Jahren besetzten Gebäudes verlangen. Im Rathaus fürchtet man bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen. Eine Kampfansage der Besetzer liegt seit gestern auf dem Tisch. "Wir werden jeden Versuch Kretschmers, das Projekt Rote Flora angreifen oder gar beenden zu wollen, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln politisch und praktisch verhindern", heißt es seitens der Rotfloristen. Unverhohlen drohen sie auch mit Angriffen auf andere Immobilien Kretschmers, sollte er die "Flora" zur Räumung freigeben. Kretschmer bekräftigte in der "Welt", ihm gehe es um ein "neues Nutzungskonzept". Statt linker Besetzer wünscht er sich eine Kita, ein Kinderhotel und ähnliches.
Die Besetzer will er auch nicht länger dulden, wenn er das Haus behalten sollte: "Das derzeitige Nutzungskonzept hat keinen positiven Beitrag zur Entwicklung der Gesellschaft geleistet." Kretschmer hatte dem damaligen rot-grünen Senat mit dem Kauf im März 2001 aus einer Dauerklemme geholfen. Die Stadt hatte zuvor die illegale Besetzung der "Flora" weitgehend tatenlos mit angesehen. Kretschmer zahlte damals läppische 370.000 Mark, musste sich aber verpflichten, die Besetzer weiterhin mietfrei zu beherbergen.
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