PANORAMA
Landgericht Kiel
"Hells Angels" legen 5000 Euro Schmerzensgeld für ihre Opfer zusammen
Kiel. Der Strafverteidiger erhielt die Summe von seinen drei Mandanten. Gegen Quittung händigte er die 5000 Euro dann dem Rechtsanwalt der Opfer aus - als Schmerzensgeld. Torben G. (21) und Jan-Hendrik M. (21), beide aus Preetz (Kreis Plön), waren im März vor einem Fitness-Studio in Kiel mit Pfefferspray angegriffen und niedergestochen worden.
Drei Mitglieder der "Hells Angels" müssen sich dafür vor dem Kieler Landgericht verantworten. Sie haben das Geld zusammengelegt - und lassen verkünden, dass über eine Erhöhung der Entschädigung gesprochen werden könne. Die Großzügigkeit mag Kalkül sein, denn konnten Rocker sich bei Auseinandersetzungen üblicherweise darauf verlassen, dass die Gegenseite schweigt, machen die Opfer diesmal eine Aussage.
"Bandidos"-Logo auf dem Handy
Im Zeugenstand: Mechaniker-Lehrling Jan-Hendrik M.. "Ich hatte eine Stunde mit meinem Schwager Torben trainiert", sagt er über den Tatabend. "Auf dem Weg zum Wagen rief plötzlich jemand: 'Ey, bleibt mal stehen!' Es waren drei Leute und einer wollte das Handy meines Schwagers sehen." Das Display zeigte das Logo des mittlerweile verbotenen Motorradclubs "Bandidos MC Neumünster" - den Rivalen der "Hells Angels".
Jan-Hendrik M.: "Ich bekam sofort Pfefferspray ins Gesicht, dazu einen Schlag und ging zu Boden. Mein Schwager fiel auf mich drauf." Geräusche seien dann zu hören gewesen, als wenn jemand einen Schlüssel über Jackenstoff ziehe. Das war das Eindringen des Messers. "Wir waren angestochen worden." Der Richter will wissen: "Wen konnten sie erkennen?" Jan-Hendrik M. sagt: "Das Pfefferspray hat Herr K. gesprüht. Wer zugestochen hat, weiß ich aber nicht, weil ich nichts mehr sehen konnte."
Pfefferspray-Angriff völlig unerwartet?
Zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte "Hells Angel" Dennis K. (37) den Angriff gestanden. "Die Stiche geschahen, um nicht erneut ernsthaft verletzt zu werden", so seine Erklärung. Der Angeklagte war bereits selbst zwei Mal niedergestochen worden - von Angreifern, die später zu den ersten "Bandidos" in Schleswig-Holstein gehörten. Durch seine Aussage machte es Dennis K., der als Veranstalter der Messe "Tattoo-Convention" bundesweit bekannt wurde, seinen Mitangeklagten leicht, sich als vom Geschehen regelrecht Überrumpelte zu geben.
Hanspeter R. (46), Ernährungsexperte in der Body-Builder-Szene, hatte im Fitness-Studio das "Bandidos"-Logo bemerkt, zum Telefon gegriffen. Er habe klären wollen, ob die jungen Männer eine Gefahr seien. Der Pfefferspray-Angriff sei für ihn unerwartet erfolgt und nur in einer Augenblicksentscheidung habe auch er zugeschlagen. "Hells Angel" Oliver J. (41), der gemeinsam mit Dennis K. zu dem Fitness-Studio geeilt war, wo man eintraf, als die vermeintlichen "Bandidos" gerade das Gebäude verließen, lässt erklären: Ja, er habe den jungen Mann aufgefordert, sein Handy vorzuzeigen. Aber auch für ihn sei der Pfefferspray-Angriff unerwartet erfolgt und er habe auch nur einmal zugetreten. Der Messerangriff sei für ihn nicht sichtbar gewesen. Beide Geständnisse sind Teil eines Handels: Der Zusicherung einer Strafe von nicht mehr als neun Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung.
"Ich pflege keinen Kontakt zu diesem Club"
Warum aber hatte Torben G. überhaupt das Logo der "Bandidos" auf seinem Handy? "Sein Vater hatte mal einen Kumpel bei denen", erklärt Jan-Hendrik M. dem Richter. Merkwürdig: Kurz nach dem Überfall tauchten neun "Bandidos" am Tatort auf. Und die Rocker schrieben auf ihrer Internet-Seite: "Dass jetzt schon die Kinder unserer Mitglieder angegriffen werden ... verurteilen wir zutiefst."
Jan-Hendrik M. stellte gestern klar: "Ich pflege keinen Kontakt zu diesem Club und will Ruhe haben. Deshalb sage ich auch aus." Den Antrag von Dennis K. auf Aufhebung der U-Haft lehnte das Gericht ab. Sein Geständnis, in dem er sich nicht explizit als denjenigen benennt, der zugestochen hat, lasse Spielraum für Interpretationen. Es bestehe Flucht- und auch Verdunkelungsgefahr. "Die Lebensführung des Angeklagten zeigt, dass er auf Zeugen des Verfahrens einwirken könnte", so der Richter. Der Prozess wird am 25. Oktober fortgesetzt.
Leserkommentare
So ganz, FAIR VALUE, stimmt es nicht. Müssen wohl doch ein paar Mädels mehr dran glauben. Aber vom Allgemeinen her haben Sie ja recht, wird wohl so sein. Allerdings widerspreche ich Ihrer Aussage, das die Jungs nicht auf`ne Harley passen, wäre nur nett, wenn sie diese auch fahren würden. Ich denke einfach, das es eine Krankheit der Zeit ist, das Menschen nicht mehr ehrlich durchs Leben gehen können..., aber was soll`s, ist einfach so. Ich werde Euch jetzt verlassen, es war mir eine Freude kommentieren zu dürfen, hab Eure Kritik genossen, einen Gruss und Dank auch an das Online-Team, weiter so.
Und nicht vergessen,... immer sachlich bleiben!!!
Gruss Holgi - Der demokratische Realist, bleibt wie Ihr seid!!!
Mir kommen fast die Tränen vor lauter Rührung, habe niemals geahnt, dass diese Typen so ein weiches Herz haben.
Merken die denn gar nicht, dass das ein Schuldeingeständnis ist? Hoffentlich nimmt der Richter das zum Anlass, diese Typen für lange, lange Zeit (10 Jahre +) aus dem Verkehr zu ziehen.
es steht im ersten Absatz, dass die Opfer reden wollen und DAS der Auslöser für die Zahlung ist! Von daher ist das "doch nicht soo süß", sondern kalkuliertes Schwanz-Einziehen. Allerdings finde ich 5000,- mehr als lächerlich, wenn es die Köpfe dieser Vollgasidioten retten soll - DAS würde ich mir besser bezahlen lassen, zumal die Knallis ja schon geständig waren/sind! Schön wäre mal zu erfahren, aus welchem Fond sich die Bösewichter bedient haben.. Waffen, Frauen, Drogen??? Wo fällt denn immoment am meisten ab??
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Das schaffen 2 gutausgebildete "Freundinnen" in einer halben Nacht heran.
Es ist eine Schande,dass Harleys für von solchen Gruppen und für kriminelle Geschäfte missbraucht werden.
So ein Typ wie auf dem Foto sollte in einer S-Klasse neben mir stehen,nicht auf einer Harley.
Dann wüsste ich sofort,was los ist.
Rocker gibt es weder bei den Angels,Devils oder Bandidos.
In den Urlaub fahren sie alle mit Mercedes,BMW,Porsche oder Nissan.