PANORAMA
"The Ghost"
Friesen-Hollywood: Happy End auf Sylt
Gut gelaunter Regie-Meister: Roman Polanski schlendert mit Ewan McGregor (l.) und dem Aufnahmeleiter durch List. Fotos: Syltpicture
List. "Ghost" hat Star-Regisseur Roman Polanski seinen neuen Thriller betitelt. Zu unnahbaren Geistern schienen der Oscar-Preisträger und seine internationalen Filmstars während der einwöchigen Dreharbeiten auf Sylt auch zu werden. 500 Meter - näher kommen frustrierte Fans und Fotografen selbst mit Tricks nicht an den abgeriegelten Set heran. Doch dann, völlig überraschend, gibt es doch noch ein Happy-End - und weit mehr als einen Hauch von Hollywood.
Plötzlich steht er einfach da - nur wenige Meter entfernt auf der anderen Straßenseite. Sichtlich gut gelaunt, mit dem mindestens einen Kopf größeren Aufnahmeleiter scherzend schlendert Polanski in grasgrüner Jacke und schwarzer Wollmütze über die Haltestelle am Lister Hafen. Sie ist zu einem amerikanischen Bus Stop umgebaut. Auch die Namen der Läden in den hellblauen Holzhäusern sind amerikanisiert, auf dem Ellenbogen sind eigens für die Dreharbeiten die für die USA typischen Überland-Telefonleitungen aufgestellt worden. Denn "Ghost" spielt ja eigentlich auf der Insel Martha’s Vineyard vor der amerikanischen Ostküste. Doch in den Staaten darf der 75-jährige Polanski noch immer nicht drehen. Vor 30 Jahren wurde er dort wegen sexuellen Missbrauchs an einer 13-Jährigen verurteilt. Auch, weil er zu diesem Thema keine Fragen beantworten will, laufen die ersten Hollywood-Dreharbeiten auf "der" Insel ohne Öffentlichkeit ab.
Ewan McGregor - locker drauf
Polanski ist, so erzählen Set-Mitwirkende, von der Ähnlichkeit Sylts mit dem Originalschauplatz und - im Gegensatz zu den Urlaubern - vom Wetter begeistert. Denn genauso nebulös und geheimnisumwoben wie die Vergangenheit des britischen Premierministers Adam Lang (Ex-Bond Pierce Brosnan), der im Ruhestand auf Martha’s Vineyard seine brisanten Memoiren von einem Ghostwriter (Ewan McGregor) verfassen lässt, zeigt sich zum Ende der Dreharbeiten der Inselnorden. Polanski fehlt, um die Wetter-Tristesse perfekt zu machen, nur noch Wasser. Das liefert die Freiwillige Feuerwehr reichlich - und macht auch die wenigen Zuschauer an diesem von der Filmcrew an sich als drehfrei getarnten Tag mit nass.
Zumindest die weiblichen Zaungäste werden durch die erstmalige Nähe zu Ewan McGregor ("Star Wars", "Moulin Rouge") für den unfreiwilligen Guss entschädigt. Auch der zurückhaltende 37-Jährige ist - nachdem er auf Anweisung Polanskis mehrfach ziemlich flott im BMW-Geländewagen von der Haltestelle zum Fähranleger düst - spürbar locker drauf. Sogar einige Blicke und ein Lächeln für die Zuschauer sind drin. Das natürlich erst, nachdem Perfektionist Polanski zufrieden ist.
Bevor der Regisseur den "Next Shot" ankündigt, ist es Zeit für einen Mittagssnack. Aber nicht eines der vielen Fischbrötchen, die im Gosch-Tempel am Hafen frisch geschmiert werden, lässt sich Polanski schmecken. Ein Hamburger muss her - und wird auf dem Regiestuhl verspeist.
Danach wird der Set auf die Nordsee verlegt. Die Filmtrucks, Amischlitten, Polanski, McGregor und das Team fahren auf die Röm-Fähre, die an diesem Wochenende exklusiv für Polanski gebucht ist. Mit einem abendlichen Dreh endet morgen die Hollywood-Regie auf Sylt. Ein Geheimnis bleibt, wann "Ghost" in die Kinos kommt.
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