PANORAMA
Walther-Lehmkuhl-Schule
Wo Schausteller ihr Handwerk lernen
Kreativ-Unterricht: Angelina Plagmann (links), Isabell Ahrend und Christopher Friedrich gestalten mit Spritzpistole bunte Motive. So können sie ihre Fahrgeschäfte später selbst kreieren. Foto: walther
Neumünster. "Als Schausteller brauche ich doch keinen Schulabschluss und schon gar keine Berufsschule, die können mir doch sowieso nichts mehr beibringen" - ein häufiges Argument von jungen Schaustellern. Doch der Besuch einer Berufsschule ist nun mal bis zum 18. Lebensjahr Pflicht. Es gibt aber eine Alternative: Die Walther-Lehmkuhl-Schule in Neumünster bietet jedes Jahr im Februar, zwischen den Weihnachts- und Frühjahrsmärkten, eine dreiwöchige Schulung für alle angehenden Buden- und Karussellbesitzer an. Diese gilt als Ersatz für die reguläre Berufsschule. In dieser Woche standen Kfz-Technik, der Besuch beim Offenen Kanal Kiel und das Malen mit Sprühpistolen für die 13 Teilnehmer auf dem Stundenplan.
Die Jugendlichen aus ganz Norddeutschland und Ostfriesland sind bei befreundeten Schaustellerfamilien in Neumünster untergekommen, um an den Kursen teilzunehmen. Am Ende des Lehrgangs halten die Schüler zwar keinen Gesellenbrief, aber zumindest ein Zertifikat in den Händen. "Der Beruf Schausteller wird allerdings nie als Ausbildungsberuf anerkannt werden", betont Heike Treu, Vermittlerin zwischen Schule und Schausteller. Trotzdem sollen die Schüler in Theorie und Praxis so gut wie möglich auf den Beruf vorbereitet werden.
Gerade eingelebt - schon wieder weg
Für die Kursteilnehmer ist der Blockunterricht an der Walther-Lehmkuhl-Schule oft die einzige Möglichkeit, die Berufsschulpflicht zu erfüllen. Das ganze Jahr über unterstützen sie ihre Eltern auf den Märkten, der reguläre Unterricht ist hier kaum möglich. Trotzdem haben die meisten von ihnen einen Schulabschluss. Während der neunjährigen Schulpflicht haben die Schaustellerkinder eine Stammschule in ihrer Heimatstadt. Daneben besuchen viele von ihnen über sechs Klassen im Jahr. Von ihrer Stammschule bekommen sie zusätzlichen Lernstoff.
Schülerin Isabell Ahrend war sogar innerhalb eines Jahres auf zehn verschiedenen Schulen. Der ständige Wechsel war aber schwierig für sie: "Gerade hatte ich mich eingelebt, schon musste ich meine neuen Mitschüler wieder verlassen", sagt die 17-Jährige. Trotzdem ist die Arbeit auf den Jahrmärkten ihr Traumjob: "Die Besucher steigen aus dem Karussell aus, und man sieht ihnen die Freude im Gesicht an. Das ist für mich immer der schönste Moment".
Christopher Friedrich hingegen besuchte nur zwei Schulen. Nach der achten Klasse musste er allerdings abbrechen, denn seine Eltern brauchten ihn bei den Spielbuden. Auch er möchte sein Leben lang von Markt zu Markt ziehen und die Leute unterhalten. Hierfür braucht er nun aber doch den Hauptschulabschluss, denn ohne diesen könnte er kein Gewerbe anmelden und die Bude seiner Eltern nicht weiterführen.
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