SCHLESWIG-HOLSTEIN
Uni Lübeck
Steigt der Bund in Mediziner-Ausbildung ein?
Berlin / Lübeck. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) will den Medizinstudiengang an der Universität Lübeck vor dem drohendem Aus retten - und prüft deshalb derzeit, ob der Bund die Lübecker Arztausbildung mit eigenen Haushaltsmitteln fördern kann. Dazu wäre wohl eine formale Herauslösung der Medizinfakultät aus der Hochschule nötig, weil Schavan wegen der Bildungshoheit der Länder nicht einfach Geld aus ihrem Etat an die Uni überweisen kann.
Nach Informationen von shz.de ist darum gerade ein kompliziertes Modell zwischen Schavan und der schleswig-holsteinischen Landesregierung im Gespräch: Die Lübecker Medizinfakultät wird zu einer Forschungseinrichtung mit Ausbildungszweig umgewandelt. Anschließend würde sie dem Forschungszentrum Borstel (Kreis Segeberg) zugeordnet, mit dem die Uni ohnehin schon eng zusammenarbeitet und einen der beiden schleswig-holsteinischen "Exzellenzcluster" im Elitewettbewerb der Universitäten ins Land holte, ein Projekt zur Entzündungsforschung.
Zu 90 Prozent vom Bund finanziert
In einem weiteren Schritt würde das bisher unter dem Dach der Leibnizgemeinschaft stehende Borsteler Institut dann unter das Dach des größten deutschen Wissenschaftsverbundes verschoben, der Helmholtzgemeinschaft. Der Vorteil: Während Bund und Länder den 1,3 Milliarden Euro umfassenden Haushalt der Leibniz-Zentren je zur Hälfte bezahlen, finanziert der Bund den Drei-Milliarden-Etat der Helmholtz-Zentren mit 90 Prozent fast allein - und könnte auf diesem Umweg auch die Arztausbildung in Lübeck fördern.
Am Montag hatte sich Schavan in Berlin mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) getroffen, um Möglichkeiten auszuloten, die Schließung der Lübecker Medizinfakultät zu verhindern. Intern hat die Ministerin bereits erklärt, dass sie "nicht mitansehen will, wie der Studiengang abgewickelt wird". Carstensen plant die Arztausbildung in Lübeck einzustellen, um jährlich 24 Millionen Euro im Haushalt zu sparen. Die Bundesregierung hat jedoch wegen drohenden Ärztemangels ein Interesse daran, den Studiengang zu erhalten. "Es muss mehr Medizin-Studienplätze geben", forderte erst kürzlich Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP). Geld hätte Schavan jedenfalls: Ihr Ressort ist das einzige, das in den nächsten Jahren mehr als bisher ausgeben darf. Bis 2013 will die schwarz-gelbe Koalition zwölf Milliarden Euro zusätzlich in Forschung und Bildung investieren.
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