LANDESPOLITIK

 

Sicherungsverwahrung

Streit um Neubau für Schwerstkriminelle

10. Februar 2012 | 07:00 Uhr | Von Peter Höver

Schleswig-Holstein will in Lübeck nun eine eigene Einrichtung für etwa 20 bis 30 Schwerstkriminelle bauen.

Die norddeutschen Bundesländer sind sich uneins über den Umgang mit gefährlichen Straftätern. Schleswig-Holstein will 20 bis 30 von ihnen in Lübeck unterbringen.

Kiel / Potsdam. Die norddeutschen Pläne für eine gemeinsame Unterbringung gefährlicher Straftäter mit angeordneter Sicherungsverwahrung sind vorerst gescheitert. Schleswig-Holstein treibt deshalb jetzt den Bau eines gesonderten Gebäudes auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt in Lübeck voran. Dies bestätigte Justizminister Emil Schmalfuß (parteilos) am Donnerstag in Kiel. Die Kosten des Neubaus, in dem 20 bis 30 Sicherungsverwahrte untergebracht werden sollen, werden mit 7,9 Millionen Euro beziffert. Für den laufenden Betrieb fallen bei einer Vollauslastung 1,8 Millionen Euro an.

Hamburg hatte bereits vor einem Jahr eine besondere Station in der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel eingerichtet. Auch Niedersachsen geht nun eigene Wege. Mecklenburg-Vorpommern plant in der JVA Bützow einen Neubau. Das Land hatte Schleswig-Holstein zunächst das Angebot zur Zusammenarbeit unterbreitet. Anfang Februar kam jedoch der Rück zieher - wie es heißt, "aus politischen Gründen". Lediglich in der Therapie der Gefangenen soll es Kooperationen geben. Sicherungsverwahrung kann für Gewalt- oder Sexualstraftäter angeordnet werden, wenn sie langfristig als gefährlich gelten.

"Den allgemeinen Lebensverhältnissen angepasst"

Die Länder stehen unter dem Druck, bis zum Mai 2013 ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts umzusetzen. Die Richter hatten moniert, dass sich die Sicherungsverwahrung zu wenig von der Strafhaft unterscheidet. Die Betroffenen müssen demnach etwa durch qualifizierte Fachkräfte so intensiv betreut werden, dass sie eine "realistische Entlassungsperspektive" haben. Ihr Leben in Verwahrung muss zudem so weit wie möglich "den allgemeinen Lebensverhältnissen angepasst" werden. Ferner müssen ihnen familiäre und soziale Außenkontakte ermöglicht werden.

Für Diskussionsstoff sorgen auch ehemalige Sicherungsverwahrte, die nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte entlassen werden mussten, weil die Maßnahme bei ihnen nachträglich verlängert worden war. Einige von ihnen leben seit kurzem trotz Anwohnerprotesten in einem früheren Altenheim in Hamburg-Jenfeld. In Schleswig-Holstein wohnen zwei dieser "Altfälle" in Neustadt in einer Klinik.

"Ich erwarte, dass alle Möglichkeiten geprüft werden"

Schmalfuß bedauerte das Scheitern einer norddeutschen Kooperation, betonte aber, dass es gut gewesen sei, von vornherein auch "an einer eigenen Lösung gearbeitet" zu haben. Die JVA in Lübeck verfüge bereits über die notwendigen Sicherheitsanlagen.

CDU-Fraktionschef Johannes Callsen nannte den Vorschlag des Ministers "nicht überzeugend". "Ich erwarte, dass alle Möglichkeiten geprüft werden, bevor so viel Geld für Schwerstkriminelle ausgegeben wird."


 

Leserkommentare

 
B. BÖDECKER 09.02.2012 17:19
Therapie

Schön. Gutachter wollen auch nur ihren Job behalten und im Schubladen-Denken (was wir studiert haben, kann anders nicht sein) lassen m E erhebliche Zweifel auch an Gutachtern. Oder wie oft wurden Straftäter aufgrund eines positiven Gutachtens entlassen und kurz danach war wieder ein Kind tot? Den Gutachtern sollte man nicht trauen.Das bringt den Eltern ihr Kind nicht zurück. Aber für die Zukunft sollte man diese Gutachter(wie J ämter ) in Frage stellen.Und auch vor Gericht solche "Einschätzungen" dieser Institutionen hinterfragen.Da wäre auch die Justiz zum Umdenken(nicht Schubladen-Denken) aufgefordert.

GÜNTER FORTENBACHER 09.02.2012 22:10
Frau Bödecker, nicht Gutachter entscheiden darüber, ob ein Häftling entlassen wird,

sondern Juristen (Richter). An ein Gutsachten sind Richter niemals gebunden. Einerseits.
.
Andererseits gibt es in deutschen haftanstalten keine nachhaltige Therapie. Wer das
behauptet : redet Unsinn !
Der Strafvollzug heute ist wie der vor etwa 170 Jahren : Wegschliessen und fertig.
.
Auch fehlt der Justiz komplett der Gedanke an die Opfer. Das Geld, was durch Arbeit
der Häftlinge eingenommen wird wandert überwiegend in die Kasse der Justiz. Ein
Bruchteil wird für die Entlassung zurück gelegt, damit die Häftlinge nicht am ersten
Tag nach einer Entlassung der Sozialbehörde vor der Türe steht.
.
Mal drüber nachgedacht .............

ANDRE KLATT 10.02.2012 07:07
7,9 Millionen? Für einen eventuellen Neubau? Für solchen Abschaum?

Unser Staat gibt so viel Geld für allen möglichen Sch.... aus. Und jetzt müssen wir uns auch Gedanken machen über solche Leute! Für das Geld könnte man viele Familie mit Kindern glücklich machen.
Kinderschänder sollten nicht nur weggesperrt werden, die haben es einfach nicht verdient zu leben. Wie krank können Menschen nur sein.
Wenn ich mir als Familienvater vorstelle, das so ein Kranker mir meine Kinder/Kind nimmt, ich wußte nicht was ich machen würde.

GROSSES W PUNKT 10.02.2012 14:08
7,9 Mios allein in SH ??? I R R S I N N

Eu-Verordnung hin oder her. Merkt eigentlich einer da oben von den damunherrn politikern noch was ?
In diesem unserem Schleswig-Holstein lebt jedes 5.bis10. Kind unter der Armutsgrenze bzw. von Hartz4 und Ihr Politiker gestattet so einen Wahnsinn ???
Und dann noch jährliche Unterhaltskosten von mehreren Millionen dazuschmeissen ??? Und umfangreiche Therapien ?



Schickt den Verbrecher-Abschaum, egal welcher Nationalität, auf eine abgeschiedene menschenleere Felseninsel irgendwo am Polarkreis, überlasst die Typen sich selbst und gut. Am besten vorher noch ne Lobotomie machen.



Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden

Warum muss ich mich anmelden/registrieren?

shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.

Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!

 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Ein Herz für Kröten: Neuer Zaun

Gestern haben die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9b und 10e des Rendsburger ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ