KULTUR
"Ring der Nibelungen" in Lübeck
"Götterdämmerung" als Höhepunkt
In Spiellaune: Ausrine Stundyte (Gutrune), Gary Jankowski (Hagen) und Gerard Quinn (Gunther) im Hintergrund. Foto: Fantitsch
Lübeck. Walhall brennt, das Publikum jubelt. Mit der Premiere der "Götterdämmerung" hat sich in Lübeck Richard Wagners "Ring des Nibelungen" geschlossen - ein rundes Werk im wahrsten Wortsinn. Das auf vier Jahre angelegte Spektakel des Theaters feiert einen fulminanten Höhepunkt.
Ein exzellentes "Rheingold", eine spektakuläre "Walküre", ein opulenter "Siegfried" - wie, so musste man sich fragen, kann Regisseur Antoni Pilavachi das noch steigern? Er macht es, indem er Wagner-Rezeptionen selbst in Szene setzt. Die Nornen singen gleich zu Beginn überlebensgroße Köpfe vom Meister und seiner Frau an. Von Anfang an ist klar: Nibelungentreue, insbesondere die mit Kadavergehorsam gleichgesetzte, ist in dieser Inszenierung nicht zu erwarten. Pilavachi hat Wagnerwerk samt Wirkungsgeschichte durchpflügt. Und wie sich in der Verehrung Verballhornung und Missbrauch wiederfinden, wird die Lübecker "Götterdämmerung" im Spiel und in der Ausstattung (Momme Röhrbein) kräftig gegen den Strich gebürstet. Da sind gleich im Vorspiel Brünnhilde (Rebecca Teem) und Siegfried (Richard Decker) zu Helden eines Ikea-möblierten Alltags geschrumpft. Brünnhilde, "an Liebe reich, doch ledig der Kraft", hat Karriere gegen Haushalt und Kinder getauscht, als Siegfried in die Welt zu den Gibichungen geht.
Außergewöhnliche Spielfreude
Die Inszenierung beginnt vergnüglich, passt sich im zweiten und dritten Aufzug der Dramatik an. Es wird verraten, gehasst und geliebt, vergewaltigt, misshandelt und gemordet. Wie bei rivalisierenden Löwen fallen auch Brünnhildes Kinder dem Spiel um Macht und Frau zum Opfer. Die Spielfreude, die das singende Bühnenpersonal an den Tag legt, ist so außergewöhnlich.
Auch musikalisch ist Lübecks "Götterdämmerung" ein großes Ereignis. Brünnhilde, Siegfried, Gunther, (Gerard Quinn), Alberich (Antonio Yang), Hagen (Gary Jankowski) Gutrune (Ausrine Stundyte), Waltraute (Veronika Waldner) - alle zeigen beste Form. Roman Brogli-Sacher und seine Philharmoniker werden am Schluss lautstark gefeiert.
Weitere Aufführungen: 19. September und 10. Oktober jeweils 17 Uhr im Theater Lübeck, Beckergrube 16. Karten unter 0451/399600.
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