KULTUR

 

Buchtipp

Das Schicksal der Katzen im Krieg

09. Juni 2009 | Von Jochen Missfeldt

Ensikats Katzenbilder heben das Buch in den hohen Rang.

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Jochen Missfeldt über ein Buch aus der Katzenwelt, das von seinen Lesern einiges an Literaturkenntnis verlangt.

Großhansdorf. Wer seinen Kindern ein Katzenbuch schenken möchte, der sollte die Finger von diesem hier lassen: zu grausam, zu klug, zu fremd sind die Geschichten, die Axel Eggebrecht sich ausgedacht hat. Wer sich aber als Erwachsener selber ein spannendes und lehrreiches Buch über die Katze schenken oder dem Freund oder der Freundin auf den Tisch legen möchte, der ist hier genau richtig.

Dennoch: Vorsicht. Auch für den Erwachsenen ist dieser Text, der 1927 zum ersten Mal veröffentlicht und von Kurt Tucholsky gepriesen wurde, ein starkes Stück. Man wappne sich also gut! Zunächst mit einem soliden Fremdwort-Wissen; denn wer weiß schon ohne schnelle Beihilfe, was ein "Circulus vitiosus", ein "Rabulist der Logik" oder ein "Tantalus" ist. Wer kann schon ein Katzengedicht des großen Baudelaire verstehen, wenn ihm keine angemessene Übersetzung zur Seite steht? Es wird also einige Sprach- und Literaturkenntnis verlangt, wenn Eggebrecht wie nebenbei Montaigne und Chateaubriand, T. S. Eliot und Edgar Alan Poe in seine Katzenwelt zitiert. Den Verdacht, er zeige sich hier als Aufschneider und Oberlehrer, kann man nicht von der Hand weisen.

Mutig und richtig

Macht nichts, denn das Buch hat es auf seine besondere Weise in sich. Der Leser erfährt etwas über die Kulturgeschichte der Hauskatze, die übrigens nicht von den Wildkatzen abstammt, sondern von einem Katzenvolk fern in Ägypten. Aufregend und anregend, was man über die Faulheit der Katzen zu wissen kriegt: Diese sei von einer beneidenswerten Vollkommenheit. Ergreifend ein Zitat aus Hans Erich Nossacks Bericht über Hamburgs Bombennächte. Dass Nossack darin auch der vielen Katzen gedenkt, die neben den vielen Menschen sterben mussten, hat etwas außerordentlich Mutiges und Richtiges. Und dass Eggebrecht ihn ins Buch holt, ist ebenso so mutig und richtig.

Überhaupt der Krieg! Eine Katzengeschichte aus dem Ersten Weltkrieg ist der erzählerische Höhepunkt dieses Buches. Bezeichnend für diesen Höhepunkt: Egge brecht braucht in dieser Geschichte nur zwei Fremdwörter: Injektion und Labyrinth - die versteht jedes Kind. Ein ergreifend-großartiges, an die Nieren gehendes Stück Literatur. Wer noch immer nicht begriffen hat, warum Kriege mit Angst, Schrecken und Tod aufwarten, der kann hier fündig werden und sich weiterbilden.

Kunstvoll

Außergewöhnlich sind die Bilder von Klaus Ensikat. Einzigartig fängt er mit seinem Zeichenstift das Katzenwesen ein, das Vollendete seiner Sauberkeit und Unabhängigkeit, die Schönheit seiner Form und seines Zeremoniells. Eigentlich hebt Ensikats Zeichenkunst dieses Buch erst in den hohen Rang. Eine glückliche Hand hatte also die Officina Ludi, als sie die ihre ausstreckte und Ensikat zugriff. Auch mit dem Dichter und Katzenfreund Günter Kunert, der Axel Eggebrecht noch persönlich begegnete, ist das Buch entschieden bereichert worden. Er schrieb das Nachwort.

Ein Buch, das unter die Haut geht. Kunstvoll und mit hervorstechender Sorgfalt ist es hergestellt worden. Wie viele tüchtige Fachleute daran mitgewirkt haben, erfährt man im Impressum auf der letzten Seite. Und was kostet der Spaß? Man lese und staune: 24,80 Euro.

Axel Eggebrecht: Katzen. Mit farbigen Zeichnungen von Klaus Ensikat und einem Nachwort von Günter Kunert. Officina Ludi, 64 Seiten, 24,80 Euro. Auch als Vorzugs- und Luxusausgabe erhältlich.

Telefon: 04192/ 62521 oder officinaludi.de


 

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