KULTUR
Zwei Welten, durch einheitliches Grau verbunden
Kiel. Große Stimmen, eine anrührende Geschichte und viele märchenhafte Bilder: Im Kieler Opernhaus feierte ein begeistertes Premierenpublikum Antonin Dvoÿáks Oper "Rusalka", aufgeführt in tschechischer Originalsprache. Nuanciert und mit klanglicher Finesse legte das philharmonische Orchester unter der musikalischen Leitung von Johannes Willig einen farbenprächtigen Klangteppich, der die Stimmen der Solisten zum Leuchten brachte. Frenetischen Applaus und einzelne Bravos gab es am Ende vor allem für eine glänzende Ekaterina Isachenko in der Titelrolle sowie für Rusalkas Traumprinzen, den nach Kiel zurück gekehrten Tenor Sung Kyu Park.
Eine Nixe, die aus Liebe zu einem Menschen ihre Wasserwelt verlässt und im Tausch für die Menschwerdung ihre Stimme opfert: "Rusalka" erzählt eine Geschichte vom Liebesverlangen zweier Wesen, von der Spannung zwischen den Welten und vom Scheitern einer unmöglichen Liebe. Märchen oder Parabel? Regisseur Roman Hovenbitzer betont die märchenhaften Elemente und lässt alles weitere offen. Tilo Steffens hat im ersten Bild eine nebelverhangene Wasserwelt auf die Bühne gezaubert. Hier sieht man die traurige Rusalka, fußlahm hinkend inmitten der ausgelassenen Schar ihrer Schwestern. In folkloristisch angehauchten Kleidern stecken Elfen und Nixen, der Wassermann, den Petros Magoulas mit wohltönendem Bass ausstattet, kommt in slawischer Bäuerlichkeit daher (Kostüme: Henrike Bromber). Schillernder Paradiesvogel im graublauen Tümpel ist die Hexe Jeÿibaba. In Pelzmantel und Glitzerkleid gibt Marina Fideli sie als herrische Diva, raues Hohngelächter kontrastiert ihren lupenreinen Sopran. In ihrem schrillen Outfit ist sie die optische Mittlerin zwischen den Welten. Vor grellbunter Kulisse, in der Bauwerke europäischer und amerikanischer Metropolen zur Allerweltsstadt verschmelzen, ist eine schräge Party im Gange.
Zwischen Betrunkenen und Amüsierwilligen, zwischen goldenen Palmen und Go-Go-Girls im Nixendress, irrlichtert die barfüßige Rusalka in ihrem weißen Kleid als mottenhafter Fremdkörper umher. Die Liebe des Prinzen hat sie verloren an ihre resolute Gegenspielerin (Eva Leitner), die ihren vollen Mezzosopran in Spitzentönen mit der Aggressivität einer Glasschneidemaschine anreichert. Mit dem Scheitern des Traumes von der Liebe gerät das Märchen zunehmend in Schieflage und am Ende ist vollends Schluss mit der Romantik. In der Tristesse eines Wohnheimes für gestrandete Seelen erfüllt sich das Schicksal von Prinz und Nixe. Die Gegensätze beider Welten sind auf ein Einheitsgrau nivelliert. Die Musik berührt, das Bild lässt Fragen offen.
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