KULTUR
Festival für Einpersonenstücke
Thespis-Festival: Allein auf der Bühne
Kiel. Geschichtenerzähler und Körperkünstler, Wortrhythmiker und fantasievolle Bildschöpfer aus ganz Europa treffen sich zum 7. Mal in Kiel bei Thespis, dem deutschlandweit einzigen internationalen Festival für Einpersonenstücke. Die Protagonisten kommen aus Chile, Israel und den USA, aus Russland, Frankreich, Polen oder der Schweiz. Insgesamt 14 Produktionen aus 13 Ländern präsentieren von heute bis zum 14. November in sieben Spielstätten der Landeshauptstadt sowie im Rahmen der "Novembertage" im Jüdischen Museum Rendsburg die kreative Bandbreite des Monodramas und zeigen, dass Theater auch Sprachgrenzen überwinden kann.
"Schauspielerei ist die Kunst, das Publikum am Husten zu hindern". Der wunderbare Satz von Sir Ralph Richardson ist den Organisatoren um Festivaldirektorin Jolanta Sutowicz Motto und Leitfaden zugleich für ein facettenreiches Programm, das heute im Kieler Schauspielhaus eröffnet wird. Der Kabarettist Hans-Christian Hoth führt durch den offiziellen Teil, bevor die Bühne für David Calvitto und "The Event" freigegeben wird - ein humorvolles Stück in englischer Sprache, das verblüffende Parallelen zwischen dem theatralen Ereignis an sich und dem Alltagsleben aufdeckt.
Paradox zwischen Mensch und Maske
Das Individuum steht bei der Israelischen Produktion "Mr. C" im Fokus, zu sehen in Kiel und Rendsburg. Der Protagonist ist der erste geklonte Mensch, der es geschafft hat, das Erwachsenenalter zu erreichen. Während seines Vortrags über sein bisheriges Leben im Labor sorgt er für manch böse Überraschung. Ernste Töne schlägt die französisch-chilenische Produktion "Lulú" an. Das Stück erzählt von einer vereinsamten Frau auf der Suche nach Liebe und sich selbst. Literarische und biblische Texte verquickt der renommierte russische Schauspieler Igor Pekhovich mit jüdischen Liedern und Gebeten zu der tragikomischen Parabel "Faden" - eine Reise von der Vergangenheit in die Gegenwart. Bereits zum vierten Mal in Kiel zu Gast ist Birute Mar. Die weltweit gefeierte Schauspielerin und Regisseurin aus Litauen und zweimalige Gewinnerin des Thespis-Preises, entwickelt in "UNE" auf der Basis von dokumentarischem Material die Geschichte einer schillernden Theater-und Filmdiva und entlarvt ein Paradox zwischen Mensch und Maske.
Neben dem Erzählerischen kommt auch in diesem Jahr das Experimentelle nicht zu kurz. Zum Beispiel im Beitrag des Kubaners Guillermo Luis Horta Betancourt. Mit seiner Performance "Die Kunst trägt einen seidenen Kimono" lotet er die Grenzen zwischen Theater und Kunst in den verschiedenen Kulturen aus. Beschlossen wird das Festival von Matthew Zajac mit seinem Erfolgsstück "Der Schneider von Inverness" ("The Tailor Of Inverness"). Eine Jury kürt am Ende der Theaterwoche einen Wettbewerbssieger. Sicher keine leichte Aufgabe.
Bis 14. November. Eröffnungsveranstaltung im Kieler Schauspielhaus: Dienstag, 19 Uhr. Programm und Termine unter www.thespisfestival.de
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