SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Verschollenes Gemälde wiedergefunden

Tesla in Öl: Die Welt blickt nach Husum

28. Februar 2009 | Von Rüdiger Otto Brocken

Vilma Fürstin Lwoff-Parlaghy Foto: shz

Bild 1 von 2
85 Jahre galt das einzige Porträt-Gemälde des Elektrotechnik-Genies Nikola Tesla als verschollen. Jetzt wurde es im Museum-Fundus wiederentdeckt.

Husum. Das Nordsee-Museum in Husum ist normalerweise kein Ort für Sensationen. Doch das könnte sich - dank eines außergewöhnlichen Fundes im museumseigenen Magazin - bald ändern. Mitarbeiter entdeckten dort jetzt ein Porträtgemälde wieder, das 85 Jahre lang als verschollen galt. Es stammt von der Malerin Vilma Fürstin Lwoff-Parlaghy und stellt Nikola Tesla (1856-1943), den Erfinder der heutigen Wechselstromgeneratoren, -motoren und -transformatoren, der Funkfernsteuerung und der Leuchtstoffröhre, dar. Das Bild ist das einzige vom Modell selbst autorisierte Porträt des ebenso exzentrischen wie menschenscheuen Teslas weltweit.

Als das Ölgemälde am 1. März 1916 in New York der Öffentlichkeit präsentiert wurde, war das der "New York Times" einen Hinweis auf der Titelseite wert. Kein Wunder: Sowohl Lwoff-Parlaghy als auch Tesla waren schon damals so etwas wie Medienstars. Und noch heute hängen Por trätfotos des Technik-Genies in den Eingangshallen aller großen amerikanischen Energiekonzerne. Lwoff-Parlaghys Gemälde sollte Mitte der zwanziger Jahre allerdings für lange Zeit von der Bildfläche verschwinden.

Über Nissen-Stiftung nach Husum

Was weitgehend unbeachtet blieb: Der gebürtige Husumer Ludwig Nissen (1855-1924) ersteigerte es 1924 neben vielen anderen Kunstschätzen aus dem Nachlass der "Malerfürstin". Nissen war 1872 in die USA ausgewandert und hatte dort eine Bilderbuchkarriere hingelegt, sich vom Tellerwäscher zum Millionär hochgearbeitet. Er gründete eine Stiftung, aus der 1937 das Nissenhaus - das heutige Nordsee-Museum - hervorging.

Das Porträt wurde Teil der museumseigenen Sammlung und landete im Magazin. 54 Jahre später, 1991, ordnete der Kunsthistoriker Dr. Cornelius Steckner das als "Herrenporträt" inventarisierte Bild dann Nikola Tesla zu. Doch auch das blieb vorerst ohne Folgen. Erst aufwendige Recherchen des Belgrader Tesla-Museums lenkten die Aufmerksamkeit erneut auf Husum und das Nordsee-Museum. Dessen Leiter, Dr. Sven-Hinrich Siemers - bezeichnenderweise ein Archäologe -, grub das "Porträt" schließlich wieder aus. Inzwischen hat Diplom-Restauratorin Susanne Ger lach das Gemälde restauriert, so dass es am Montag, 2. März, ab 11 Uhr - nach nunmehr 93 Jahren - erstmals wieder öffentlich vorgestellt werden kann.

Selbst erzeugtes Licht

Einzigartig ist Lwoff-Parlaghys Porträt aber nicht nur, weil es nur dieses eine gibt, sondern auch wegen der Art, wie es den "Meister der Blitze" in Szene setzt. Das Licht, in das es Tesla taucht, hat dieser im Atelier der Künstlerin selbst installiert. Den Besuchern der Pressekonferenz von 1916 erschien das Genie in einem seltsamen Blauschimmer. Ein Effekt, den Tesla mittels blauer Filter erreichte. Und so ging das Ölgemälde auch als "blue portrait" (blaues Porträt) in die Technikgeschichte ein.

Lange Jahre haben Tesla-Enthusiasten nach einer Vorstudie des Bildes gesucht. Ohne Erfolg. Siemers schließt nicht aus, dass diese Zeichnung - so es sie denn überhaupt gab - im Original aufgegangen, sprich übermalt worden ist. "Aber das herauszufinden, wäre mit großem finanziellem und technischem Aufwand verbunden." Und so bleibt das verloren geglaubte Bild ein ganz besonderer Schatz, der nach fast 85 Jahren jetzt erstmals wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt wird.

Am Montag, 11 Uhr, wird das Gemälde im Nordsee-Museum feierlich enthüllt.


 

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