KULTUR

 

Neuer Roman von Erich Maletzke

Das reiche Leben der Sklavenhändler

18. November 2009 | Von Michael Stitz

Dänischer Finanzminister, Unternehmer und Menschenhändler: Das Leben Heinrich Carl Schimmelmanns wird jetzt in einer Biografie nachgezeichnet. Foto: Wachholtz-Verlag

Erich Maletzkes lesenswerter Schimmelmann-Roman erzählt packend vom Leben und Wirken der umstrittenen nordischen Kaufleute und Politiker.

Kiel. Bei dem Namen Heinrich Carl Schimmelmann denkt mancher vielleicht noch an die Turbulenzen, die die Aufstellung einer Büste des 1782 verstorbenen Kaufmanns im Jahr 2006 in Hamburg auslöste. Der Kopf sollte an eine Persönlichkeit der Stadt erinnern, die es mit unternehmerischem Geschick, politischer Gewandtheit und zähem Fleiß zu solchem Reichtum und Ansehen gebracht hatte, dass Schimmelmann als reichster Mann des Nordens galt. Nur der dänische König, dem der Umstrittene als Finanzminister treu ergeben war, hatte mehr in der Kasse.

Stoff für spannende Geschichten

Die Empörung, die die Büste (2008 wurde sie abgebaut) auslöste, war keine späte Neiddebatte, sie entzündetet sich an einer Quelle des Schimmelmannschen Vermögens: dem Sklavenhandel. Doch viel mehr als die Tatsachen von unvorstellbarem Reichtum und skrupellosem Menschenhandel ist von H.C. Schimmelmann und seinem Sohn und Nachfolger Ernst kaum bekannt, beziehungsweise im Bewusstsein. Dabei bieten die Lebensläufe der beiden norddeutschen Großunternehmer Stoff für spannende Geschichten, spiegeln ihre Biografien die turbulenten Zeiten des deutsch-dänischen Gesamtstaates, den Beginn der Aufklärung und die emotionalen wie intellektuellen Spannungen zweier Generationen im 18. Jahrhundert wider: Im Zeitalter von Kant, Goethe und Schiller. Erich Maletzke hat diesen Stoff in seinem Buch "Schimmelmann - Schatzmeister des Königs" zu einem Roman verwoben, den er selbst lieber als "eine mit etwas Fantasie angereicherte Lebensbeschreibung" und weniger als "normalen Roman" (was immer das sein mag) gelesen haben möchte.

Ein junger, erfolgreicher Manager

Schon in den ersten Zeilen spürt der Leser allerdings die Lust am Fabulieren, wird mit atmosphärischen Szenen in die Gedanken- und Gefühlswelt eines Mannes hinein gezogen, den man schnell als außergewöhnlich einstuft. Als kühl rechnenden Kaufmann, dem es ganz gleich ist, ob er mit Zucker, Kaffee, Waffen oder Sklaven sein Geld verdient, dem der Krieg nützlicher als der Frieden ist, aber auch als liebenden Ehemann und meist einsam bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit arbeitenden Unternehmer lernt der Leser den Erfolgsmenschen Schimmelmann kennen. Ein junger Manager, um den sich Könige bemühen, da er ihre Staats- und Privatkasse zu füllen versteht wie kein Zweiter. Ein Bürgerlicher, der in Zeiten der Monarchie nach Titeln und Anerkennung strebt, den aber zunächst nur ein fürstlicher Lebensstil auf höchstem Niveau tröstet. Und so gönnt er sich und seiner achtköpfigen Familie prunkvolle Schlösser in Ahrensburg, Wandsberg und Lindborg sowie ein prächtiges Palais in Hamburg. Zudem gehören ihm Herrenhäuser, Fabriken und Schiffe.

Der Abstieg der Familie

Als nach seinem Tod sein Sohn Ernst die Geschäfte übernimmt, haben sich die Zeiten und damit die Grundlagen einiger Unternehmensbereiche geändert. Zudem fehlt Ernst das väterliche Geschick, legt seine Begeisterung für die Ideen der Aufklärung und das Schaffen von Dichtern wie Friedrich Schiller, dem er eine großzügige Pension gewährt, erste Skrupel an manchen Geschäften - vor allem am Sklavenhandel. Doch abschaffen wird der poetisch veranlagte Kaufmann und Politiker diesen nicht. Ernst folgt dem Vater im Amt des dänischen Finanzministers, agiert aber bedeutend glückloser und verliert am Hof an Einfluss und Macht. Mit ihm beginnt der allmähliche Abstieg der Familie, schwindet zusehends ihr Vermögen.

Der "dokumentarische Roman", wie Maletzke seine 240-seitige Lebensdarstellung schließlich kategorisiert, bleibt zwar stets auf Distanz zu seinen Personen, schafft aber dennoch eine gewisse Nähe. Geschickt webt er aus Fakten Ereignisse, analysiert politische Konstellationen und Machtkämpfe, weiß die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit als Atmosphäre und Grundierung für kaufmännische, politische oder moralische Entscheidungen nachvollziehbar zu beschreiben - ohne Partei zu ergreifen, zu ver- oder beurteilen.

So beginnt der Leser sich für die Männer und ihre Geschichte zu interessieren, versteht der Autor es doch nicht nur temporeich, farbig und mitreißend zu erzählen - sein Doku-Roman wirkt authentisch.

Facettenreiches Bild

Maletzke stützt sich bei seinen Schilderungen des atemberaubenden Aufstiegs von C.H.Schimmelmann und dem allmählichen Niedergang des Hauses auf die aktuellen Forschungsergebnisse zur Familie des späteren Baron von Schimmelmann und beruft sich dabei auf den Kieler Historiker Christian Degn. So ist ein facettenreiches Schimmelmann-Bild entstanden, das sich eng an historisch Belegbarem orientiert und hintergründig die Geschichte einer Ausnahme-Familie erzählt, die eng mit der Historie Schleswig-Holsteins verbunden ist. Ein Buch, das man mit Lesespaß und Erkenntnisgewinn liest! Wachholtz-Verlag, 240 Seiten, 19,90 Euro.

Erich Maletzke stellt sein Buch vor: Do., 19.11. Landesbibliothek, Kiel, 19.30 Uhr; Di., 24.11. Caspar-von-Saldern-Haus, Neumünster, 19.30 Uhr; Do., 26.11. Landesarchiv, Schleswig, 19.30 Uhr; Do., 3.12. hamburgmuseum, Hamburg, 19.00 Uhr; Di., 08.12. Eutiner Landesbibliothek, 19.30 Uhr.


 

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