KULTUR
Von russischer Seele…
Die drei Komponisten unseres 5. Sinfoniekonzertes haben eines gemeinsam: den slawisch-melancholischen Grundton ihrer Werke. Auch wenn sie drei höchst unterschiedliche Epochen repräsentieren: Tschaikowsky das zaristische Russland, Prokofjews Orchestersuite entstand kurz nach der Oktoberrevolution und Dmitri Schostakowitsch komponierte sein 2. Violinkonzert im Jahr 1967, als die "Tauwetter-Periode" längst vorbei und von "Glasnost" und "Perestroika" noch lange keine Rede war.
Sergej Prokofjews satirische Märchenoper "Die Liebe zu drei Orangen" ist ein an eigenwilligen Rhythmen, scharfen Dissonanzen, großer vitaler Kraft und skurrilem Witz reiches Meisterwerk. Die sechssätzige Konzertsuite stellt die närrische Hofgesellschaft vor, zeigt den Kampf zwischen gutem Zauberer und böser Hexe, den melancholischen Prinzen und seine Prinzessin und - nicht zuletzt - den berühmten Marsch.
Im 2. Violinkonzert dominiert über weite Strecken ein heiterer und gelöster, allerdings oft melancholie-verschatteter Ton - Momente von Seelenfrieden in Schostakowitschs an Aufregungen, Verwerfungen und Todesangst reichem Leben. Sie wechseln ab mit heftigem Aufbegehren gegen die schwierigen Arbeitsbedingungen unter der Sowjetdiktatur. Und mit Phasen tiefster Verzweiflung über den eigenen, chronisch schlechten Gesundheitszustand: "Sehr langsam und nur mit Mühe, indem ich Note für Note aus mir herauspresse, schreibe ich ein Violinkonzert". Es ist dem befreundeten Geiger David Oistrach gewidmet als Geschenk zu dessen 59. Geburtstag.
Ich habe für den Solopart den in der Ukraine geborenen, in Chicago lebenden und weltweit gefragten Vadim Gluzman eingeladen. Er studierte bei den bedeutendsten Geigenlehrern: Zakhar Bron und Dorothy DeLay (an der berühmten Juilliard School in New York). Seine Stradivari stellt er mit künstlerischer Leidenschaft immer wieder gern auch in den Dienst weniger beachteter Meisterwerke wie Leonard Bernsteins "Sérénade", den beiden Violinkonzerten von Sofia Gubaildulina, "Offertorium" und "In tempus praesens", oder den Konzerten von Erich Wolfgang Korngold und dem Letten Balys Dvarionas. Das Schostakowitsch-Konzert spielt er Ende Januar auch in Brünn, ist danach mit dem "Offertorium" in Helsinki zu Gast und von Schleswig-Holstein aus wird er zu einer USA-Tournee aufbrechen.
Die Komposition der 4. Sinfonie von Peter I. Tschaikowsky (1877/78) fällt in eine Zeit der größten seelischen Erschütterungen: Nachdem durch die Mäzenin Nadeshda von Meck eine Brieffreundschaft und finanzielle Sicherstellung sein Leben erleichtert hatten, warf er sich in das Abenteuer einer Ehe mit einer hysterisch-überspannten jungen Studentin, die ihn nach kurzer Zeit nach einem Selbstmordversuch zur Flucht ins Ausland trieb.
Im Kopfsatz wird nach der einleitenden Fanfare der Hauptgedanke - "der Kern der ganzen Sache" - vorgestellt: das unerbittliche Schicksal, das eifersüchtig das Streben nach Glück immer wieder torpediert. Im steten Wechsel unterschiedlichster Stimmungen zwischen Traum und rauer Wirklichkeit enthält das Werk eine ganze Welt: das Streben des Individuums nach dem Glück im Kampf mit Schicksalsschlägen, Erinnerungen an die freundliche Jugendzeit, Trost und Halt in der Gemeinschaft: "Freue dich an der Freude anderer - und das Leben ist doch zu ertragen", so lautet Tschaikowskys Fazit.
Termine: Morgen, A.P. Møller Skolen Schleswig, 19.30 Uhr; 8. Februar, Deutsches Haus Flensburg, 19.30 Uhr (Konzerteinführung 18.45 Uhr); 9. Februar, NordseeCongressCentrum Husum, 20 Uhr; 10. Februar, Theater Rendsburg, 19.30 Uhr (Konzerteinführung 19 Uhr)
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