KULTUR
Russische Klänge beim Sinfoniekonzert
Flensburg. Sibirische Kälte draußen, russische Seele drinnen. Besser hätte das Programm beim 5. Konzert der Saison mit dem Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchester nicht zum Wetter passen können. Dank der ungeheueren Spielfreude, mit der das Ensemble um Generalmusikdirektor Mihkel Kütson in Flensburgs Deutschem Haus auftrumpfte, wurde einem so richtig warm ums Herz!
Den Anfang machte Sergej Prokofjews Konzertsuite mit Melodien aus seiner komischen Märchenoper "Die Liebe zu den drei Orangen" von 1921. Der Hang zu satirischer Übertreibung und greller Karikatur, der den Komponisten in dieser Zeit prägte, kam in den sechs kurzen Stücken großartig zur Geltung. Anschließend stand mit Dmitri Schostakowitschs Violinkonzert Nr. 2 ein für das Genre geradezu monumentales Werk auf dem Programm. Solist Vadim Gluzman empfahl sich hier mit seiner Stradivari als wahrer Teufelsgeiger, für den die vielen technischen Gemeinheiten des Stücks schlicht nicht existieren.
Wollte man eine Chart-Liste von "Schicksals-Sinfonien" zusammenstellen, käme nach Beethovens Fünfter die Vierte von Tschaikowski gleich auf Platz zwei. Der Komponist selbst hat erklärt, die Fanfare am Beginn symbolisiere "das Fatum, jene Schicksalsgewalt, die unser Streben nach Glück verhindert". Und wie bei Beethoven wandelt sich alles auch bei Tschaikowski vom schicksalhaften Drama im Kopfsatz zum grandiosen Freudenfest im Finale. Faszinierend, mit welcher Leichtigkeit, Transparenz und Virtuosität das Orchester die Musik in Szene setzte. Geradezu aufreibend der Beginn, sehnsuchtsvoll und langsam der zweite Satz mit seinen zahlreichen Solopassagen. Mitreißend das Finale mit schnell auftrumpfenden Tuttipassagen. Man möchte sitzen bleiben und alles nochmal hören...
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