KULTUR
Lübecker Theater steigt aus dem Tarifvertrag raus
Lübeck. Zum 1. Januar 2012 hat Christian Schwandt, Direktor des Lübecker Theaters, die ordentliche Mitgliedschaft im Kommunalen Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein gekündigt - und damit auch die Tarifbindung. Der Grund: In den nächsten Tagen stehen Tarifverhandlungen an. "Wir rechnen mit einer Lohnsteigerung von 3,3 Prozent ab 1. März 2012 und 2,5 Prozent ab Januar 2013", so Schwandt. Und schon jetzt machen die Personal kosten für die 333 Mitarbeiter den größten Teil der laufenden Kosten aus. "Bisher haben wir die Lohnerhöhungen der letzten Jahre finanziell abfangen können", erklärt Schwandt. Nun rechnet er mit zusätzlichen Personalkosten von 430 000 Euro für das laufende Jahr und 840 000 Euro für 2013.
Dabei wird seit 2007 wird am Theater Lübeck gespart. Und das mit Erfolg. Die Auslastung liegt bei 90 Prozent. Rund 180 000 Besucher besuchen jede Saison die Lübecker Bühne an der Beckergrube. Doch das reicht nicht. Ein Haustarif soll helfen. Schwandt schlägt eine einprozentige Lohnerhöhungen für die Jahre 2012 bis 2016 vor. Zusätzlich weniger Arbeit und Kündigungsschutz bis Ende 2016. Und auch die Theaterbesucher, mit Ausnahme von Kindern und Jugendlichen, sollen zehn Prozent mehr für ihre Karten zahlen. "Meine Aufgabe ist es, das Haus nicht in Schwierigkeiten zu bringen und langfristig das Eigenkapital des Theaters zu erhalten", so Schwandt. "Wir wollen nicht so enden wie Schwerin." Das Theater ist von der Insolvenz bedroht.
Und sowohl Stadt als auch Land wollten ihre Unterstützung momentan nicht erhöhen, so der Direktor. Mit 16 Millionen Euro wird das Theater jede Saison bezuschusst. 9,78 Millionen Euro steuert das Land jede Saison zur Finanzierung des Theaters bei. Die Stadt Lübeck gibt noch einmal 6,6 Millionen dazu.
Ver.di-Nord kritisiert den Austritt des Theaters Lübeck aus dem Kommunalen Arbeitgeberverband Schleswig-Holstein auf das Schärfste. "Es ist unglaublich, wie einfach es sich die Verantwortlichen des Theaters machen, um Finanzlöcher zu stopfen", so die Landeschefin von ver.di-Nord, Karin Hesse gestern in Lübeck. Sie forderte die Stadt Lübeck sowie das Land auf, sich zu ihrer kulturellen Verantwortung zu bekennen und nicht die Augen vor dem Tarifausstieg zu verschließen.
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