KULTUR
Don Quijotes Ausflug in die Gegenwart
Hamburg. "Dies ist nicht Amerika" - zwei beleibte Gouchos mit Glitzersombreros und Leichenbittermiene (die Musiker Cartsen "Erobique" Meyer und Ben Schadow) singen den übersetzten Refrain des David Bowie-Songs und schieben ein bierernstes "Sha-la-la-la-la!" hinterher. Eine Video-Projektion zeigt die Straßen von New York, dazwischen zwei skurrile Gestalten: einen großen Hageren mit Rüstung auf einem Pferd und einen kleinen Dicken mit Trainingsjacke auf einem Esel. Don Quijote (Jens Harzer) und Sancho Pansa (Bruno Cathomas) sehen sich wie im Kino selbst bei diesem Abenteuer zu.
In Stefan Puchers Projekt "Quijote. Trip zwischen den Welten" wissen beide, dass sie literarische Figuren sind. Beide beschließen wieder als fahrende Ritter in die nüchterne Welt von heute zu ziehen: Don Quijote, der Anti-Realist, der die Welt voller Zauber und Dämonen sieht, der weiterhin sein aus der Mode gekommenes Ideal, nämlich die Schwachen zu schützen, verfolgt und insofern gegen Windmühlen kämpft, und sein Gegenpart Sancho Pansa, sein durch und durch bodenständiger Knappe, der die Welt sieht, wie sie ist, und der statt Idealen seinem Bauchgefühl folgt. Puchers Projekt nach dem Roman von Cervantes verfolgt die beiden ungleichen Gestalten bei ihren neuerlichen Versuchen und Reflexionen, fünf Gegenwartsautoren haben dazu Texte beigesteuert, um verschiedene Perspektiven zu ermöglichen. Herausgekommen ist ein intelligenter, teilweise urkomischer und von der Musik ironisch begleiteter Abend, der vom Publikum frenetisch gefeiert wurde. Das großartige Ensemble überzeugt. Neben Jens Harzer und Bruno Cathomas übertrafen sich Gabriela Maria Schmeide, Daniel Lommatzsch, Birte Schnöink und Patrycia Ziolkowska selbst, indem sie hochkomplizierte Texte zum Flirren und die Zuschauer zum Staunen bringen.
Nächste Termine: Heute, 20 Uhr. Do, 16. Februar, 20 Uhr.
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