HAMBURG

 

Tödlicher Badeunfall in Hamburg

Fehlende Badeaufsicht sorgt für Diskussionen

30. Mai 2012 | 15:40 Uhr | Von dpa


Taucher hatten am späten Montagabend in Hamburg am Allermöher See die Leiche des ertrunkenen Mädchens geborgen. Foto: dpa

Taucher hatten am späten Montagabend in Hamburg am Allermöher See die Leiche des ertrunkenen Mädchens geborgen. Foto: dpa

Ein 14-jähriges Mädchen starb, ihre Freundin wurde schwer verletzt: Das Unglück am Allermöher See hat eine Diskussion um fehlende Aufsicht an Badegewässern ausgelöst.

Hamburg. Ein Unglück wie dieses dürfe sich nicht wiederholen, forderten Politiker am Mittwoch. Im Allermöher See waren am Pfingstmontag eine 14-Jährige ums Leben gekommen, ihre 15 Jahre alte Freundin konnte wiederbelebt werden, befindet sich aber in kritischem Zustand. Die Polizei geht von einem Unfall aus - die 14-Jährige, deren Eltern aus Ghana stammen, konnte nicht schwimmen. Der See im Südosten Hamburgs ist unbewacht.

Bereits vor Wochen sollen das zuständige Bezirksamt und die Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) ein Gespräch geführt haben - laut Bezirksamt "auch über die von beiden Seiten als wünschenswert erachtete Einrichtung eines DLRG-Stützpunktes". Das Bezirksamt verfüge jedoch nicht über die notwendigen finanziellen Mittel, erklärte das Amt. Man habe im Anschluss allerdings alternative Finanzierungsmöglichkeiten geprüft. Über die derzeitigen Pläne sei mit der DLRG noch nicht gesprochen worden, da über deren Finanzierung voraussichtlich erst im September Klarheit herrsche.

Leichnam des Mädchens sollte am Mittwoch obduziert werden

Die 15-Jährige war am Montagabend leblos im Wasser treibend entdeckt und wiederbelebt worden, ihre 14 Jahre alte Freundin konnte nur noch tot geborgen werden: Taucher fanden sie erst Stunden später auf dem Grund des Allermöher Sees. Weder Hinweise auf äußere Verletzungen oder Einwirkungen noch auf Alkoholkonsum gab es. Der Leichnam des Mädchens sollte am Mittwoch obduziert werden. Der Zustand ihrer Freundin ist nach Angaben einer Polizeisprecherin unverändert. Ärzte hatten die 15-Jährige wegen ihrer schweren Verletzungen in ein künstliches Koma versetzt. Wie genau es zu dem Unglück in dem stark besuchten See kam, blieb zunächst unklar.

Offen blieb auch, ob Streifenpolizisten bereits zu Beginn des Einsatzes von Augenzeugen über das vermisste zweiten Mädchen informiert worden sein soll. Eine Polizeisprecherin sagte zu entsprechenden Medienberichten am Mittwoch: "Das wird geprüft." Die Rettungskräfte waren am Pfingstmontag gegen 18 Uhr alarmiert worden, als ein 42-jähriger Mann die 15-Jährige entdeckt hatte. Die 14-Jährige bargen Taucher erst kurz vor Mitternacht.

Anteil an Rettungsschwimmern erhöhen

Die sportpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion in Bürgerschaft, Martina Kaesbach, richtete eine schriftlichen Kleine Anfrage nach dem Stand der Badesicherheit an den Senat. "Wir müssen alles dafür tun, damit sich der tragische Badeunfall vom Allermöher See nicht wiederholt", teilte sie mit. "Deshalb möchten wir vom Senat geklärt wissen, ob der DLRG dem Bezirksamt Bergedorf die Einrichtung einer Badeaufsicht angeboten hat und ob dies tatsächlich abgelehnt wurde." Vor dem Hintergrund mehrerer Todesfälle in den letzten Jahren erscheine diese Entscheidung unverständlich.

Die GAL-Fraktion forderte unterdessen, Kinder müssten mehr und besser schwimmen lernen. Außerdem brauche die DLRG bessere Bedingungen für die Ausbildung von Rettungsschwimmern. Die GAL hatte dazu bereits im August 2011 einen Antrag in die Bürgerschaft eingereicht, der am kommenden Freitag im Schul- und Sozialausschusses endgültig behandelt werden soll, wie Sprecher Jan Dube betonte.

Die sportpolitische Sprecherin der GAL Bürgerschaftsfraktion, Christiane Blömeke, erklärte: "Wir müssen das Risiko von Badeunfällen wie am Pfingstmontag in Allermöhe verringern. Dazu müssen Kinder möglichst früh das Schwimmen lernen. Ebenso wichtig ist es aber, den Anteil an Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmern zu erhöhen." Der Senat sollte auch prüfen, ob auch private Schwimmbäder wie in Hotels oder Fitnessclubs für die Schwimmausbildung herangezogen werden können.


 
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