HAMBURG

 

Bezirksamtschef tritt zurück

Schreiber: "Ich übernehme die politische Verantwortung"

10. Februar 2012 | 15:51 Uhr | Von dpa

Markus Schreiber ist als Bezirksamtschef von Hamburg Mitte zurückgetreten. Nachfolgend Auszüge seiner Rücktrittsrede im Wortlaut.

Hamburg. Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren, nach einem guten ausführlichen Gespräch mit dem Bürgermeister habe ich ihn heute darum gebeten, dass mich der Senat mit Ablauf des 10. Februar 2012 als Bezirksamtsleiter abberuft. Der entsetzliche Tod eines elfjährigen Mädchens unter den Augen meines Jugendamts, meines Bezirksamtes belastet mich so stark, dass ich nicht weiter Bezirksamtsleiter sein will.

Eine Weile dachte ich, dass es klug und richtig wäre, die Ermittlungen der Innenrevision und der Staatsanwaltschaft abzuwarten, die Ergebnisse auszuwerten und erst dann eventuell Konsequenzen zu ziehen, zu denen ich auch immer bereit war. (...)

Es gilt Schaden vom Bezirksamt, vom Senat, vom Bürgermeister und von der Hamburger SPD abzuwenden. Ich übernehme die politische Verantwortung für die Versäumnisse meines Amtes im Zusammenhang mit dem Tod von Chantal. Dass ich mich zunächst auf Aussagen meiner Mitarbeiter verlassen habe, dass es Chantal noch kurz vor ihrem Tod körperlich gutging, war ein Fehler, weil der Eindruck entstanden ist, es sei alles gut, und es war natürlich nicht alles gut.

Natürlich bedauere ich, dass meine über zehnjährige Zeit als Bezirksamtsleiter unter diesen tragischen Umständen endet. Mich hat diese Aufgabe erfüllt und ich habe versucht, das Beste für den Bezirk Hamburg Mitte zu geben. Gemeinsam mit meinen Mitarbeitern, denen ich herzlich danke, habe ich viel für den Bezirk erreicht. (...)

Morgens aufstehen zu müssen mit dem Gefühl, hoffentlich ist heute kein Kind in meiner Verantwortung gestorben, möchte ich nicht mehr.

Gut wäre es, wenn über die Tatsache, dass es keinen Bezirksamtsleiter Schreiber mehr gibt, nicht die zu ziehenden Konsequenzen vergessen werden. Die Zusammenarbeit mit freien Trägern und der Umgang mit sogenannten milieunahen Unterbringungen müssen grundlegend geändert werden. Das wird schwer, aber es ist zwingend, und ich wünsche allen Verantwortlichen dabei den notwendigen Erfolg. Es darf in der Tat nicht zur Tagesordnung übergegangen werden. Vielen Dank.


 

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