CAMPUS
Uni als Vorreiter
Medienbildung ist ganz vorne dabei
Die „Anchor-Männer“ der Medienbildung: Helge Lamm (links) und Stephan Münte-Goussar machen Studenten fit im Umgang mit Medien. Foto: Gatermann
Flensburg. Vor rund eineinhalb Jahren ging ein Ruck durch die Hochschullandschaft: "Keine Bildung ohne Medien" forderte damals ein Kongress von Medienpädagogen in Berlin. Während ein entsprechendes Manifest verabschiedet wurde, hatte man die Medienbildung an der Uni Flensburg schon längst als verpflichtendes Element für sämtliche Lehramtsstudenten ins Programm genommen.
Vor fünf Jahren fing es mit dem Projekt "Innovationen in Lehre und Forschung" an. Seitdem kümmern sich Helge Lamm und Stephan Münte-Goussar darum, die künftigen Lehrer in Sachen Medien fit zu machen. Zwar fließen ab dem kommenden Jahr keine Projektgelder mehr. Doch die beiden Dozenten sind zuversichtlich, dass ihr Institut weiterhin bestehen bleibt. So ist derzeit die Stelle für eine Professor ausgeschrieben. "Was die Medienbildung betrifft, sind wir ganz vorne mit dabei", sagen dann auch Lamm und Münte-Goussar. Im bundesweiten Vergleich sei Flensburg eine der wenigen Hochschulen, die dieses Fach verpflichtend in der Lehrerausbildung integriert habe. Und auch in technischer Hinsicht spielt man auf Top-Niveau: modernste Audiorekorder, Kameras, Notebooks, Videoschnittplätze und Aktive-Bords - alles vorhanden. Lamm: "Wir sind wahnsinnig gut aufgestellt." Technisches Herzstück ist Raum Camelot, ein Computerlabor, bei dem Kommunikations- und Interaktionsaspekte im Vordergrund stehen. "Es ging uns nicht darum, wie viele Computer wir parallel reinbekommen", so Lamm. Vielmehr ermögliche der Raum ein hierachiefreies Interagieren, fördere das Rund die Diskussion. Einen Dozententisch fehlt, dafür können von jedem Platz aus Informationen an die Projektionsflächen geworfen werden.
Und wozu das Ganze? "Die Bildungsinstitutionen und Denkstrukturen der Schüler verändern sich", erklärt Münte-Goussar. Das Internet, soziale Netzwerke, Twitter, Blogs, Spielekonsolen durchdringen die Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, halten auch Einzug in die Klassenräume. Aber beherrscht die künftige Lehrergeneration die neuen Techniken nicht schon? "Natürlich können fast alle souverän mit Facebook umgehen", sagt Münte-Goussar, "aber es geht auch darum, eine kritische Distanz einzunehmen, zu fragen: Was macht das mit uns, wie verändert es die Sozialisationsprozesse?" Die Studenten sollen lernen, diese Entwicklungen zu reflektieren - und auch für den Unterricht nutzbar zu machen. Drehen beispielsweise Schüler mit ihren Smartphones heimlich Filme, kann es sinnvoll sein, sie im Umgang mit dem Gerät an die Hand zu nehmen, sich zum Beispiel mit der Filmproduktion oder mit Fotografie auseinanderzusetzen, entsprechend Projekte anzustoßen. Es geht eben auch um die guten alten Medien, wie das Fernsehen. Münte Goussar: "Für viele Jugendliche sind das ja die neuen Medien."
Lamm und Münte-Goussar gehen davon aus, dass in Zukunft auch der Unterricht digitaler wird. Anzeichen dafür sind die Active-Bords, interaktive Tafeln, auf denen Lehrer ihre Arbeitsblätter vorbereiten, auf ältere Dokumente zurückgreifen können und Internet-Zugang haben. "Wir wollen mit den Studenten erarbeiten, wie man diese Technik einsetzen kann", so Lamm. Das stößt auch bei Lehrern auf Interesse: In Workshops schulen Lamm und Münte-Goussar den Umgang mit der neuen Technik. Die Kooperation mit Schulen ist den beiden sehr wichtig. Mit dem Media-Mobil - vier rollenden Ton- und Fernsehstudios - können die Studenten an Schulen Unterrichtsprojekte durchführen. "Die Lehrer sind begeistert, kriegen neue Ideen und Anregungen für den Unterricht", so Lamm. Aktuellstes Unternehmen: Ende Februar startet das Projekt Schüler-Film-Stadt, bei dem mit Hilfe der Uni Schüler und Lehrer der Käte-Lassen-Schule, dem Fördegymnasium und der Fritjof-Nansen-Schule eine Woche Filme unter dem Motto "Postcards from Flensburg" Filme drehen. Flensburg ist eine von fünf Städten unter 30 Bewerbern, die sich für das vom Bildungsministerium finanzierte Projekt qualifiziert haben. Ausgewählt wurden Städte, die über Erfahrungen in der Medienarbeit und über gewachsene Strukturen der Zusammenarbeit verfügen. Lamm: "Auch da sind wir also vorne dabei." www.uni-flensburg.de/medienbildung
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