
CAMPUS-SEITE
Neuer Stiftungs-Professor
Frischer Wind für die Fachhochschule
Hat Spaß am Wind: Als Professor beschäftigt sich Clemens Jauch damit, wie Windenergie ins Stromnetzt kommt – in seiner Freizeit segelt er. Foto: Dewanger
Flensburg. Es ist derzeit gar nicht so einfach, Experten für Windenergie zur Besetzung einer Professur zu finden. Doch dem Institut für Windenergietechnik an der Fachhochschule ist es gelungen. Mit Clemens Jauch ist nun die zweite Stiftungsprofessur besetzt, nachdem Ende 2010 Torsten Faber an den Start gegangen war. "Mit der Berufung von Clemens Jauch erhält die FH einen weiteren ausgewiesen Experten in der Windenergieforschung", freut sich FH -Präsident Herbert Zickfeld.
Der 39-jährige Jauch ist die ideale Ergänzung zu Faber, der auf Aspekte wie Statik und Dynamik von Türmen und Rotorblättern von Windkraftanlagen spezialisiert ist. Jauch deckt künftig den Bereich der Elektrotechnik ab. Doch geht es Jauch nicht allein darum, die Studenten in Sachen Aerodynamik, Netzintegration oder Elektrotechnik fit zu machen. Er will die jungen Menschen generell für das Thema erneuerbare Energien sensibilisieren. Jauch: "Es ist Konsens, dass wir in der Zukunft unseren Energiebedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken müssen. Aber wie kriegen wir das hin?" Es entstünden Problemstellungen, die in Zukunft gelöst werden müssen.
Mit einer Schwierigkeit befasst sich Jauch seit Beginn seiner Promotion im Jahr 2003: der Netzintergration. Ein Thema, das gerade in Schleswig-Holstein aktuell ist. "Wir sind hier ein Flaschenhals", sagt Jauch mit Blick auf die große Menge an Windenergie, die in der Region produziert wird. "Die muss abtransportiert werden, ohne dass es zu Problemen im Stromnetz kommt." Da der Netzausbau nicht beliebig weit vorangetrieben werden könne - nicht zuletzt auch wegen Widerständen in der Bevölkerungen gegen den Bau von Überlandleitungen -, um die Energie etwa in den Süden der Republik zu bringen, setzt Jauch auf Windenergieanlagen, die über eine intelligente Regelungstechnik verfügen und so das Stromnetz stabil halten.
Ein Beispiel: In einer stürmischen Sommernacht wird viel Strom produziert, es gibt aber wenig Verbraucher. Die Windkraftanlagen in Schleswig Holstein produzieren also mehr Energie als die Verbraucher in Schleswig Holstein abnehmen. Die Folge: Das Netz ist zu 100 Prozent mit Windstrom ausgelastet, und der Netzbetreiber drosselt aus Sicherheitsgründen die Leistung der Windparks, Potenziale bleiben ungenutzt. "Die Leistung, die von den Anlagen ins Netz eingespeist wird, muss intelligent geregelt werden. Nur so kann überall gleichmäßige Spannung herrschen", weiß Jauch. Aus seiner Sicht müssen sich Windkraftanlagen einige der Eigenschaften von konventionellen Kraftwerks aneignen.
Dieser Ansatz, erklärt Jauch, hilft auch bei Störungen im Netz, wenn es beispielsweise zu Kurzschlüssen oder Blitzeinschlägen in Hochspannungsleitungen kommt. Der dadurch ausgelöste Netzspannungseinbruch kann dazu führen, dass der Rotor beginnt zu schwingen, sich mal langsamer, mal schneller dreht, was zum einen zu großen mechanischen Belastungen, und zum anderen zu negativen Effekten im Stromnetz führt. "Das Schwingen lässt sich durch eine intelligente Regelungstechnik dämpfen", erklärt der Windkraftexperte.
Clemens Jauch hat sich schon während seiner Schulzeit in den 80er Jahren für erneuerbare Energien interessiert. "Damals fing das Thema gerade an, ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken." Er zog aus seiner Heimat Radolfzell am Bodensee nach Kiel, um an der Fachhochschule elektrische Energietechnik zu studieren, arbeitete anschließend zwei Jahre als Ingenieur bei Nordex Energie in Norderstedt. Nach der Praxis zog es ihn wieder in die Wissenschaft und er machte an der University of Bath in Großbritannien seine Master of Science für Energieübertragungsnetze, ehe Jauch dann bei Risø, einem der weltweit führenden Forschungsinstitute für Windkraft im dänischen Roskilde seine Promotion begann, die er an der Aalborg Universität abschloss. Anschließend arbeitet er als Forschungs- und Entwicklungsingenieur beim Windkraftanlagen-Hersteller Suzlon Energy in Rostock. "Perspektivisch habe ich mich aber in der Forschung gesehen", sagt Jauch über die Gründe, sich auf die Professur in Flensburg zu bewerben.
Neben dem beruflichen und fachlichen Anreizen lockte den gebürtigen Baden-Württemberger auch sein Hobby in den hohen Norden - und das hat auch mit Wind zu tun: "Hier oben kann man viel besser segeln als am Bodensee", sagt Jauch.
Leserkommentare
Lust auf mehr? Ihre sh:z Tageszeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.






Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!