PANORAMA
Jost de Jager
Verlässlich, zurückhaltend, aber kein Rückhalt
Kiel. Als Spitzenkandidat verpasste de Jager das Mandat im Parlament. Am liebsten hätte er den Bettel schon damals hingeworfen. Parteifreunde im Landesvorstand aber beknieten den Vorsitzenden ebenso verzweifelt wie zutreffend: "Ohne Dich geht es nicht." De Jager, hieß es in der Union, sei "der Einzige", der der Partei in den kommenden Jahren die "dringend nötige moderne Prägung" verpassen könne. Beim Parteitag Ende November trat er erneut für den Vorsitz an und ging mit nicht einmal 80 Prozent der Stimmen durchs Ziel. Rückhalt sieht anders aus. Den erhielt de Jager auch nicht, als er sich zuvor um die Direktkandidatur im Wahlkreis Flensburg/Schleswig bewarb. Mit Ach und Krach setzte er sich gegen die weithin unbekannte Kommunalpolitikerin Sabine Sütterlin-Waack durch.
Staatssekretär dreier Wirtschaftsminister war der gebürtige Rendsburger, danach selbst Chef des Mega-Ressorts. "Minister für Verlässlichkeit" titelte das Handelsblatt einst über de Jager. Im Landtag nötigte er einst Freund wie Feind Respekt ab, als er in einer Fragestunde ein fast zweistündiges Kreuzverhör oppositioneller Fragen nicht nur parierte, sondern rhetorisch wie inhaltlich brillant beantwortete.
Sein Auftreten nicht nur hier ließ ihn für höhere Weihen geeignet erscheinen, obwohl es nach einem Aufstieg nach ganz oben lange nicht aussah. Sein politisches Gespür mag ihn auch davon abgehalten haben, nach vorne zu drängeln, als der damalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen seinen Rückzug ankündigte.
Dabei hielten viele de Jager von vornherein für chancenreicher als den Kronprinzen von Boetticher, der später über eine frühere Beziehung mit einer 16-Jährigen stürzte. Als Nachfolger sprang de Jager ein. Fast 17 Jahre lang stand der CDU-Politiker auf der landespolitischen Bühne. 1996 war er noch als Volontär des Evangelischen Pressedienstes in den Landtag eingezogen. Europa-, Bildungs- und Hochschulpolitik waren seine ersten Schwerpunkte.
De Jager ist verheiratet und hat eine Tochter. Und er ist ein Bücherwurm. Um die fünf Bücher verschlingt er in einem Urlaub. Selbst bei nächtlichen Heimfahrten von Auswärtsterminen nahm er zu Regierungszeiten gern noch einen Roman zur Hand - wenn die Akten abgearbeitet waren ...
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