WIRTSCHAFT
Nanotechnologie: Winzige Teilchen, große wirtschaftliche Bedeutung
Kiel. Anja Steffen-Heins ist Expertin für Transporter - ihre sind mit dem bloßen Auge aber nicht zu sehen. Die Professorin an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) beschäftigt sich mit Transportern für Lebensmittelzusätze. Sie forscht im Bereich der Nanotechnologie. Der Begriff "Nanos" kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt so viel wie "Zwerg". Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter. "Betrachtet man die Größe einer Mandarine im Verhältnis zur Erdkugel", sagt Steffen-Heins, "bekommt man eine ungefähre Vorstellung davon, wie groß ein Nanopartikel im Vergleich zu einer Mandarine ist". Steffen-Heins versteht es, die komplizierte Materie auch Laien verständlich zu machen. Ein Nano-Transporter, mit dem sich die Wissenschaftlerin beschäftigt, nennt sich Mizelle.
"Transporter"
für Vitamine
Diese kann außen "wasserliebend" und innen "wasser abweisend" sein - und eignet sich daher gut, um in ihrem Innern beispielsweise fettlösliche Vitamine zu transportieren. Nahrungsmittel könnten so mit Mizellen und damit auch mit zusätzlichen Stoffen angereichert werden.
Zu den Fragen, mit denen sich die Forscherin der Agrar- und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät beschäftigt, gehören unter anderem diese: Welche Stoffe - wie Vitamine - lassen sich auf diese Weise transportieren? Welche Menge lässt sich transportieren? Und unter welchen Voraussetzungen und wie schnell werden die Stoffe im menschlichen Körper freigesetzt?
Die Nanotechnologie gewinnt für Wissenschaftler immer mehr an Bedeutung. Das wird schon an der CAU deutlich, die diese Technologie fachübergreifend zu einem ihrer Forschungschwerpunkte gemacht hat. Erst im Sommer sorgte Professor Rainer Adelung von der Technischen Fakultät für Aufsehen. Er hat gemeinsam mit Kollegen aus Hamburg das bisher leichteste Material der Welt entwickelt. Und auch in diesem Fall spielten Nano-Strukturen eine Rolle.
Was für die Wissenschaft gilt, gilt für die Wirtschaft noch einmal mehr. Unternehmen aller Branchen erhoffen sich neue Verfahren und neue Produkte. Erst kürzlich hatte die Wirtschaftsfördergesellschaft des Landes (WTSH) zu einer Info-Veranstaltung geladen, in der Experten, darunter viele Professoren, einen Einblick in die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten gegeben haben. Ziel sei es unter anderem, Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu fördern, hieß es in einer Mitteilung.
Partikel gegen
stinkende Socken
In Sonnencremes beispielsweise gibt es Nano-Teilchen bereits, um unsere Haut vor UV-Strahlung zu schützen. In Kühlschränken, Unterwäsche und Socken sollen sie Bakterien abtöten.
Dabei ist Nanotechnologie ein weiter Begriff. Es hat immer Nano-Teilchen in der Natur gegeben. "Aber in der Zwischenzeit können wir sie nachbauen und vielseitig nutzen", sagt Steffen-Heins. Zudem sind Experten inzwischen in der Lage, neue Kleinstpartikel zu produzieren.
Doch so vielversprechend all das klingt, so gibt es auch Risiken für Mensch und Umwelt. "Die Größe eines Materials kann Auswirkungen auf seine physikalischen, chemischen oder biologischen Eigenschaften haben", sagt Steffen-Heins. So können Nano-Teilchen andersfarbig oder magnetisch sein. Und je nach Zusammensetzung stellt sich die Frage den nach Folgen und Gefahren. Im Gegensatz zu vielen Gebrauchsgegenständen sind Lebensmittel, für die gezielt Nano-Teilchen produziert und verwendet werden, nach Aussage von Steffen-Heins auf dem europäischen Markt auch noch nicht zugelassen. "Die großen Lebensmittel-Konzerne wie Nestle, Kraft und Unilever haben alle Patente für Produkte in der Schublade", sagt Steffen-Heins. Doch bevor diese auf den Markt kommen, müssen erst noch die gesetzlichen Nachweise erbracht werden, dass sie gesundheitlich unbedenklich sind. Steffen-Heins geht davon aus, dass bis dahin noch fünf bis zehn Jahre vergehen.
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