KULTUR
"Littera Borealis": Arno Surminski geehrt
Kiel. Arno Surminski zählt zweifellos zu den großen Schriftstellern des Landes. Mit Romanen wie "Kudenow oder an fremden Wassern weinen" (1978) gab er all jenen eine Stimme, die während des Zweiten Weltkrieges ihre Heimat im Osten verloren und in Schleswig-Holstein ein neues Zuhause suchten und fanden. Nicht larmoyant sondern stets versöhnlich und mit einem Lächeln im Knopfloch bearbeitet der Journalist und Autor, der 1934 in Ostpreußen geboren wurde und als Flüchtlingskind in Trittau aufwuchs, in seinem literarischen Werk bis heute ein sensibles Stück deutsch-deutscher Geschichte, das auch seine Geschichte ist.
In Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus und dem Rendsburger Nordkolleg hat die Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein dem 78-Jährigen das elfte Heft der Reihe "Littera Borealis" gewidmet. Als "eine Art erweiterte Visitenkarte" bezeichnete Bernd Brandes-Druba, Geschäftsführer der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, die von ihm ins Leben gerufene Reihe, in der Romanauszüge im Zusammenspiel mit Beiträgen von Literaturwissenschaftlern, Lektoren und Freunden ein facettenreiches Porträt des Geehrten zeichnen.
"Ich freue mich, dass ich dieses schöne Heft bekommen habe", bedankte sich Surminski bei den Autoren, darunter Andrzej Osiak, Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg, und der Journalist Hans Joachim Kürtz. Besonders froh sei er, dass die Verbindung zwischen Ost und West und die Versöhnung mit dem Osten, beides zentrale Themen seines Werkes, in den verschiedenen Beiträgen zum Ausdruck komme. Und dann begann er zu lesen, zunächst aus "Kudenow". Schnell wird das Bild des Zwölfjährigen Flüchtlingsjungen Kurt Marenke lebendig, der, in den Kriegswirren nach Thüringen gespült, im Zug unterwegs zu seiner Mutter ist. Der Krieg hat sie nach Schleswig-Holstein verschlagen, was sich für den Jungen anhört wie Schlesien. Mitreisende klären seinen Irrtum auf: "Alle reisen nach Schleswig-Holstein", sagt einer, "weil es dicht an der dänischen Butter liegt." Ein typischer Surminski-Satz, den er als Junge selbst mehr als einmal gehört haben dürfte.
Die Heftreihe Littera Borealis ist kostenlos und nicht im Handel erhältlich. Infos unter www.literaturhaus-sh.de
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