NORDDEUTSCHE RUNDSCHAU
Brunsbüttel
Lotsen sorgen sich um den Nord-Ostsee-Kanal
Weniger, dafür aber größere Schiffe haben dem Nord-Ostsee-Kanal im vorigen Jahr zum Rekordergebnis verholfen. Ein Nadelöhr bilden die Brunsbütteler Schleusen. Foto: Pöschus
Brunsbüttel. Die vergangenen zwölf Monate waren für den Nord-Ostsee-Kanal hervorragend: 100 Millionen Tonnen Fracht wurden 2012 auf der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt transportiert. Trotz der Situation an den Brunsbütteler Schleusen, wie Michael Hartmann, Ältermann der Lotsenbrüderschaft NOK I, in der Mitgliederversammlung des Nautischen Vereins betonte. Eigentlich, davon ist Hartmann überzeugt, hätte das Frachtaufkommen noch größer ausfallen können.
Doch dazu bedürfte es eines voll funktionierenden Kanals. Und eben dies sei weiterhin nicht gegeben, betonte der Kapitän. "Der Kanal leidet, und wir leiden mit", brachte er die schwierige Situation für die Schifffahrt auf den Punkt, mit der die Lotsen täglich konfrontiert werden. Denn, so Hartmann weiter: "Die Ladung haben wir nicht eben mal so durchgeschippert." Vielmehr gehörten auch im vorigen Jahr Staus zum Tagesgeschäft. Im Nord-Ostsee-Kanal bis Fischerhütte. Und auch auf der Elbe vor den Schleusen lägen ständig zahlreiche Schiffe auf Reede und warteten auf die Passage. Sobald nur eine der beiden großen Schleusen zur Verfügung stehe, müssten Schiffe fünf, sechs Stunden auf ihre Passage warten.
Schleusentechnik aus Kaisers Zeiten
Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Jens Bartels, 2. Vorsitzender im Nautischen Verein und Niederlassungsleiter der Agentur Sartori & Berger in Brunsbüttel, bestätigte dies: Bei einem durchschnittlich großen Schiff kostet die Stunde auf Reede 250 Euro plus die gleiche Summe an Brennstoffverbrauch. Denn die Maschinen müssen wegen der Manövrierfähigkeit laufen. Bei Spezialschiffen gehen die Kosten schnell mal Richtung 20.000 Euro. Aber auch der Zeitfaktor sei wichtig, weil etwa Feederschiffe von und nach Hamburg in einen Fahrplan eingebunden sind. Könne der nicht eingehalten werden, leide die Zuverlässigkeit des Kanals. Und die sei neben der kurzen Route das Merkmal des NOK.
In der derzeitigen Situation mit einer Schleusentechnik aus Kaisers Zeiten könne die Wasserstraße damit nicht mehr punkten, sagt Bartels. "Eigent lich", fuhr er fort, "ist es schon 10 nach 12. Wir sind auf einem sehr schlechten Weg."
Dritte Großschleuse lässt auf sich warten
Dazu trägt für ihn wie für Michael Hartmann der unklare Stand beim Bau der dringend benötigten dritten Großschleuse bei. Über den Spatenstich im April 2012 sagte Hartmann frustriert: "Da wurde heiße Luft um die Ecke geschaufelt." Denn die Ausschreibung, ursprünglich für Ende vorigen Jahres terminiert, sei noch nicht auf den Weg gebracht. Der Lotsenältermann bekannte: "Wir rechnen inzwischen mit einer Bauzeit von fünf bis sechs Jahren. Das vereinfacht die Situation nicht."
Und die ist extrem angespannt: Die große Südkammer ist für die kommenden beiden Wochen tagsüber gar nicht und nachts nur zu zwei Dritteln nutzbar, in der Woche danach ist sie voll gesperrt. Das teilte das Wasser- und Schifffahrtsamt mit.
Schiff auf Grund gelaufen
Längst würden kleinere Schiffe häufiger als früher durch die beiden kleinen Schleusen gelotst, berichtete Hartmann beim Nautischen Verein. Doch diese Schleusen haben zunehmend mit Sedimenten aus der Elbe zu kämpfen. Kürzlich hätte ein Schiff nicht mehr auslaufen können, weil es auf Grund gelaufen sei.
Jens Bartels erinnerte den Bund an dessen Verantwortung. Denn 100 Millionen Tonnen Fracht bedeuteten hohe Werte, die Reeder dem Kanal anvertrauten. Dafür gebe es derzeit nicht genügend Gegenleistung.
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