KULTUR
"Der Tag im Moor" - Polit-Comic spielt zwischen Brunsbüttel und Krümmel
Itzehoe / Berlin. Oliver Grajewski ist überzeugt, dass man den Unterschied bemerkt. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, aber beim Nachlesen und Vertiefen. Der 44-jährige Wahl-Berliner, der aus Itzehoe stammt, verfasst Graphic Novels als Künstler und legt nun mit seiner Doku-Fiktion "Der Tag im Moor" sein drittes Buch vor. Er hat eine nachhaltigere Form des visuellen Lesens zum Ziel. Während bei der "Graphic Novel" als moderner Form des Comics meist Illustratoren, Texter und Layouter gemeinsam ans Werk gehen und eher einen schnellen Lesefluss anstreben, stammt bei ihm alles aus einer Hand. Ganzseitige Kompositionen wechseln sich mit unterschiedlichen Formaten ab, ruhige Landschaftsbilder stoßen auf wie beiläufig skizzierte Figuren. Grajewski hat als "All-Over-Struktur" stets auch die Bildaufteilung der ganzen Seite im Blick und arbeitete an der Polit-Spuk-Geschichte rund drei Jahre lang.
"Der Tag im Moor" spielt in den Mooren im Kernkraftwerksdreieck zwischen Krümmel, Brokdorf und Brunsbüttel. Der autobiografische, aber fiktiv verfremdete Erzähler, der eigentlich nur seine Eltern in der alten Heimat besuchen will, kommt einem Geheimnis auf die Spur, das mit den Folgen der Atomkraftwerke, mutierten Vogelmenschen und dem ländlichen Provinzleben zu tun hat. Der moderne Protagonist reist mit Laptop und führt die Leser über Skype auch in die weite Welt und zu diversen Reflexionen.
Grajewski erfasst die Psychologie seiner Figuren mit verschiedenen Techniken, arbeitet mit Tusche, Bleistift, Fotografie und Computergrafik. Der freie Zeichner, der nach dem Studium an der Berliner Universität der Künste für den Berliner Tagesspiegel, die taz und diverse Magazine arbeitet, jongliert sowohl bei den Bildern als auch bei den Texten mit den Genres. Er inszeniert den radioaktiven Fallout als literarische Spuk-Fiktion, hat dabei aber die politische Warnung vor den Folgen des postkapitalistischen Systems fest im Blick. "Ich möchte zeigen, was das Lobbysystem mit unserer Gesellschaft macht", sagt er selbst.
Grajewski stellt sein neues Buch morgen im Itzehoer Wenzel-Hablik-Museum im Rahmen einer Ausstellung vor, die sein früherer Kunsterzieher Karl-Heinz-Kock seit einigen Jahren regelmäßig für die Absolventen der hochrangigen Kunst-Leistungskurse der Itzehoer Auguste-Viktoria-Schule (AVS) ausrichtet.
Die Ausstellung "AVS Kunst-Kreis" wird am 3.2. um 11.30 im Itzehoer Wenzel-Hablik-Museum eröffnet und läuft bis 17.2.2013 (Di-Fr 14-17, Sa 14-18, So 11-18 Uhr).
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