SCHLESWIG-HOLSTEIN
Professor Hans-Uwe Erichsen
"Die Rettung der Uni Lübeck beschädigt die Wissenschaft"
Kiel. Die Rettung des Medizinstudiengangs an der Uni Lübeck wurde als Erfolgsgeschichte gepriesen. Gut möglich, dass der Schuss nach hinten losgeht. Nach Ansicht von Professor Hans-Uwe Erichsen, dem Leiter der gleichnamigen Kommission, die 2003 für die Landesregierung die Hochschulen im Norden unter die Lupe nahm, wurde weder die Zukunft der Mediziner ausbildung im Norden auf solide Füße gestellt, noch kann das Institut Geomar für Meeresforschung zufrieden sein.
"Ich glaube nicht, dass der Rettungsschirm des Bundes dem Land auf Dauer hilft", sagte Erichsen unserer Zeitung. Auch der vom Bund gewährte Zuschuss für die Medizinerausbildung in Lübeck behebe die strukturellen Probleme nicht. "Die Medizin lebt weiter auf Kosten der anderen Fachrichtungen", so der Experte. Für die Ausbildung von Ingenieuren, Lehrern, Juristen fehle das Geld. Fast alle Studiengänge seien unterfinanziert.
"Negativ fasziniert"
Die Erichsen-Kommission hatte schon früh auf diese Schieflage hingewiesen und empfohlen, in Lübeck und Kiel pro Jahr nur 320 neue Medizinstudenten aufzunehmen. "Bloß geschehen ist nichts", beklagt Erichsen. Letztlich habe das Land sich selbst in die missliche Lage manövriert. Nötig sei jetzt ein schlüssiges politisches Konzept, "und zwar ein anderes, als es sich Wissenschaftsminister Jost de Jager ausgedacht hat", rät Erichsen. Von de Jagers Vorschlägen sei er "negativ fasziniert". Zumal die Folgen der Rettungsaktion "nicht richtig durchdacht" seien. So werde das Geomar durch die Verschiebung der Trägerschaft von der Leibniz- auf die Helmholtz-Gemeinschaft "wissenschaftlich beschädigt".
Inzwischen haben auch Oppositionspolitiker nachgerechnet, was der Deal mit Bundesforschungsministerin Annette Schavan dem Land tatsächlich bringt. "Langfristig gesichert sind nur 12,5 Millionen Euro pro Jahr durch den höheren Bundeszuschuss für Geomar", sagte Monika Heinold (Grüne). Alle anderen Zusagen aus Berlin, wie die Übernahme der Baukosten für das Geomar-Institut und für ein neues Forschungsschiff, würden den Landeshaushalt nicht langfristig, sondern nur einmalig entlasten.
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