SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Kreis Plön

Zen-Kloster: Meditation mitten in Schleswig-Holstein

11. August 2009 | Von Wolfgang Blumenthal

Zazen - meditative Versenkung. Fotos: Staudt

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Den Weg des Alltäglichen meistern - was einfach klingt, ist schwierig und bedarf der Übung. Genau darum geht es im Zen-Zentrum in Schönböken.

Schönböken. Zwei kleine Hölzer werden zusammengeschlagen. Der scharfe Ton sorgt für Aufmerksamkeit. "Shoku zen no ge" - den japanischen Vers der Dankbarkeit und Achtung vor dem Essen rezitieren die Mönche und Nonnen im Sprechgesang. Erneut erklingen die Hölzer, kurz darauf ein ermunterndes "Guten Appetit" vom Zen-Meister. Jetzt langen die 45 Frauen und Männer zu. Es gibt ein einfaches, geschmackvoll zubereitetes Nudelgericht, dazu Tee und Wasser.

Es ist Mittag im Zen-Zentrum in Schönböken im Kreis Plön - eine idyllische, mehr als 200 Jahre alte Gutsanlage östlich von Neumünster. Die Frauen und Männer im Alter von 20 bis 80 Jahren nehmen hier an einem Sommer-Seminar teil. "Sesshin" nennt sich diese Übungsperiode, in der das Zentrum zum Kloster wird. Die Teilnehmer sind aus ganz Deutschland, den Niederlanden und der Schweiz angereist, um intensiv Zen zu üben - die aus Japan stammende Praxis der meditativen Versenkung.

Der Zen-Schüler arbeitet in der Modebranche

Gesprochen wird wenig beim Mittagsmahl. Nur das Notwendigste. Im schlichten, hoch aufragenden Speisesaal des alten Herrenhauses von Gut Schönböken prangt an der Wand ein kleiner Altar mit einer Buddha- Statue, eine Kerze leuchtet davor. Zum Nachtisch gibt es erfrischenden Obstsalat. Bereits nach einer halben Stunde ertönt wieder der scharfe Klang der Holzklötzchen: Jetzt rezitiert die Gruppe "Shoku go no ge" - den Vers nach dem Essen. Dann eine Ansage des Verantwortlichen für die Mittagszeremonie: "Das Zazen fällt heute Nachmittag aus."

Was bedeutet das? "Wir haben jetzt frei", erklärt Katja Ryuko Ullrich. Die 40-jährige Lübeckerin praktiziert seit Ende 1992 Zen und gehört als Nonne dem Kloster an. "In unserem Zen-Zentrum bin ich aber nur eine halbe Woche", berichtet sie. Katja Ullrich ist Sozialpädagogin und arbeitet in der Drogenberatung in Hamburg. "Die meisten von uns haben einen helfenden Beruf", bemerkt Uwe Seyfert (69) aus Wittem in den Niederlanden, Zen-Schüler seit 29 Jahren. Er selbst arbeite jedoch in der Modebranche.

"Da trinken wir auch mal ein Glas Wein"

Auch der darauffolgende Tag ist "frei". Das Leben im Kloster läuft dann weniger streng ab. "Da trinken wir auch mal ein Glas Wein", sagt Katja Ullrich. Diese "Freizeit" markiert das Ende der fünftägigen Vorbereitungszeit des Sesshin im Zen-Kloster. Die ist unter anderem angefüllt durch Arbeiten im Zen-Zentrum. "Nahezu alles ist in eigenständiger Arbeit wieder aufgebaut und instand gesetzt worden", berichtet Ludger Tenryu Tenbreul (53). Seit 20 Jahren steht der Zen-Meister dem Zentrum vor, leitet die Sesshins.

Bereits in der Vorbereitungsphase ist der Tagesablauf geregelt: 5.30 Uhr ertönt der Gong zum Aufstehen. "Ohne zu sprechen, putzt man sich die Zähne, wäscht sich", erklärt Katja Ullrich, die bereits zum "Shuso" (älterer, fortgeschrittener Schüler) ernannt wurde.

Noch vor dem Frühstück, bei dem es Reissuppe gibt, begeben sich die Seminar-Teilnehmer in das "Dojo" (Ort des Übens). Es handelt sich um eine umgebaute Halle, einst ein Wirtschaftsgebäude des Gutes. Es folgt "Zazen" - intensives, meditatives Sitzen, eine wichtige Praxis für den Zen-Übenden. Allein in der Vorbereitungsphase wird drei Mal am Tag anderthalb Stunden lang meditiert. In der dreitägigen Hauptphase des Sesshin kommen zwei Meditationssitzungen hinzu, zudem wird dann auch das Mittagsmahl im Zazen eingenommen.

"Man kommt immer zu sich nach Hause zurück"

Das Dojo wird mit einer Verbeugung betreten, wortlos nehmen die Übenden im Lotussitz Platz, die meisten mit dem Gesicht zur Wand. Drei Mal wird der Gong geschlagen. Es herrscht völlige Stille. Mit halbgeschlossenen Augen sitzend, wird die Aufmerksamkeit auf die Körperhaltung gelenkt - und auf die Atmung, die sich selbst bei einem Neuling schnell beruhigt und tiefe, gleichmäßige Züge annimmt. "Man erreicht nicht irgendwelche Zustände", bestätigt Katja Ullrich. "Es geht immer um Aufmerksamkeit, Haltung und Atmung. Man kommt eigentlich immer zu sich nach Hause zurück."

Wenn denn der Körper mitmacht. Der Lotussitz gelingt nicht jedem, einige Neulinge werden sich mit dem Schneidersitz begnügen müssen. Und die Erfahrung machen, dass es anstrengend sein kann, die ersten 45 Minuten durchzuhalten. Dass Beine und Füße einschlafen. Der Übende kann zwar versuchen, dieses Gefühl zu überwinden. "Aber Sie müssen hier nicht sterben!", betont Katja Ullrich. Eine Verbeugung im Sitzen, um die Beine andersherum einzuschlagen - auch das sei erlaubt.

Zen sei ein Weg, das Leben zu meistern

Ein Gongschlag ertönt, es folgt "Kinhin", Meditation im Gehen: Mit jedem Atemzug wird das Bein um eine halbe Fußlänge vorwärts bewegt. Mit einem weiteren Gongschlag folgen die zweiten 45 Minuten Zazen.

Aufmerksamkeit erfordern auch die Erklärungen von Zen-Meister Ludger Tenryu Tenbreul: Zazen mache dem Übenden bewusst, "dass man um nichts drumherum kommt, nicht dem Alltäglichen ausweichen kann". Zen sei keine Religion, sondern stelle einen Weg dar, das Leben zu meistern. Die im Zen berühmten Fragen und Antworten zwischen Meister und Schüler - die "Koan" - definiert Tenbreul deshalb auch anders: "Jede alltägliche Situation stellt sich als Koan dar. Koan - das ist stets eine Gelegenheit zur Öffnung des Geistes."

www.zen-zentrum-schoenboeken.de


 

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