SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Alkoholismus

Zahl der jungen Komasäufer im Norden stark gestiegen

26. Februar 2009 | Von rie/kim

Die DAK-Statistik zeigt einen drastischen Anstieg bei Krankenhauseinweisungen nach Alkoholmissbrauch.

Kiel. Immer mehr junge Leute in Schleswig Holstein landen wegen gefährlichen Alkoholkonsums im Krankenhaus. Um 40 Prozent stieg laut einer Statistik der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) zwischen 2004 und 2008 die Zahl der Jugendlichen unter 18 Jahren, die nach gefährlichen Trinkgelagen in die Klinik mussten.

"Gerade das 'Vorglühen' unter Jugendlichen macht uns Sorgen", sagt Regina Schulz, DAK-Landeschefin für Schleswig-Holstein. "Bevor sie zur Party gehen, besorgen sich viele Jugendliche bereits einen Vollrausch - und das innerhalb kurzer Zeit." Wurden 2004 noch 42 Teenager ins Krankenhaus eingewiesen, so waren es 2008 schon 59. Bei den 18- bis 29-Jährigen sei die Zahl der Vollrausch-Patienten sogar um 66 Prozent gestiegen. Binnen vier Jahren erhöhte sich die Zahl der Einweisungen von 97 auf 161. Nur Mecklenburg-Vorpommern hatte im gleichen Zeitraum einen höheren Anstieg registriert. Ein Grund für die regionalen Unterschiede könne der veränderte Trinkstil im Norden sein, erklärte Schulz. Laut Konsum-Studien werde im Süden mehr Bier getrunken, dagegen greifen Nordlichter eher zu starken Spirituosen. Die Folge sind nicht selten Alkoholvergiftungen gerade bei jüngeren Menschen.

"In erster Linie sind Eltern für ihre Kinder in der Verantwortung"

Dazu erklärte gestern die Kieler Gesundheitsministerin Gitta Trauernicht (SPD) auf Anfrage: "In erster Linie sind Eltern für ihre Kinder in der Verantwortung. Wo sie an Grenzen stoßen, gibt es zahlreiche Hilfsangebote der freien Sucht- und Jugendhilfe. Auch das Land wird den Kampf gegen Alkohol mit dem Aktionsbündnis gegen Alkoholmissbrauch fortsetzen und verstärken." Dazu zählten eine Vielzahl an Aktivitäten - von Aufklärung an Schulen über verstärkte Jugendschutzkontrollen bis zum erteilten Verbot für Flatrate-Partys.

"Die Zahlen sind sehr alarmierend", sagte Peter Staben, Geschäftsführer des Landesverbands der Suchthilfeorganisation Blaues Kreuz in der Evangelischen Kirche. "Die Gesellschaft darf vor dieser Entwicklung nicht die Augen verschließen." Präventions-Projekte seien notwendig.

Seit November 2008 läuft in Schleswig-Holstein "HaLt - Hart am Limit", das bis Ende 2009 flächendeckend umgesetzt werden soll: Eine Präventionsmaßnahme mit dem Ziel, riskanten Alkoholkonsum bei Kindern und Jugendlichen einzudämmen. Es setzt direkt bei betroffenen Jugendlichen mit Alkoholvergiftung im Krankenhaus an. Svenja Richter, Projektkoordinatorin bei der Landesstelle für Suchtfragen (LSSH): "Die Krankenhäuser geben die Rückmeldung, dass der Bedarf da ist."


 

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