SCHLESWIG-HOLSTEIN
Lübecker Musiktheater
Wozu noch nach Bayreuth?
Lübeck. Gute Wagneropern gibt es auch im Norden. Lübeck zum Beispiel hat sich mit seinem "Wagner trifft Mann"-Projekt national und international nach vorne gespielt. Und in dieser Spielzeit gipfelt das Unternehmen in seinem Höhepunkt: Nach der heutigen Premiere der "Götterdämmerung" ist in diesem September und dann im Februar und Mai 2011 der komplette "Ring des Nibelungen" zu sehen - ein Erlebnis der ganz besonders intensiven Art.
Richard Wagner, 1813 in Leipzig geboren, 1883 in Venedig gestorben, war künstlerisch ebenso herausragend wie philosophisch unberechenbar. Menschlich dürfte er eine Herausforderung gewesen sein. Die Intention des Meisters war revolutionär: Er wollte sinnstiftende Festspiele für’s Volk, das in seinem "Ring" das Aufbegehren eines freien Menschen (Siegfried) gegen Macht und Kapital, symbolisiert durch Ring und Gold, erleben sollte. Aber schon mit der ersten Tetralogie erlebte Wagner die Enttäuschung: Das Volk war gar nicht erst gekommen, statt dessen hatte das Establishment die Bühnen-Revolution bejubelt.
Ein guter "Ring" wirkt magnetisch
Gleichwohl wirkt ein guter "Ring" magnetisch. In Lübeck, wo seit 2007 jeweils eine neu inszenierte "Ring"-Oper Premiere hat, wurden Auslastungen bis an die 100-Prozent-Marke sowie national und international hohes Lob eingefahren.
Ganz im Sinne des Komponisten ist den Lübeckern ein Gesamtkunstwerk gelungen. GMD und Operndirektor Roman Brogli-Sacher hat eine hochkarätige Wagner-Crew geschmiedet, in der Stefan Heidemann als Wotan, Rebecca Teem als Brünnhilde und Antonio Yang als Alberich nunmehr jeweils nahezu die ganze Tetralogie dominieren. Regisseur Anthony Pilavachie entstaubte die Spektakel um Geld, Macht, Verrat und verbotene Liebe gründlich. Sein Team ist bewährt und eingespielt. Wo das Verständnis für Wagners Kunst ins Straucheln kommt, hilft insbesondere das Bühnenbild (Momme Röhrbein). Bei aller Ernsthaftigkeit wird die Lust auf Unterhaltung bedient. Konzentriert umwirbt das Lübecker Musiktheater mit seiner Unternehmung "Der Ring für alle" unerfahrene Theatergänger beziehungsweise solche mit schmalem Budget. 40 Euro kosten der komplette "Ring" im 3. Rang plus Beiprogramm.
In diesem Monat startet die Tetralogie zum ersten Mal: "Das Rheingold" am 10. September, 19.30 Uhr; "Die Walküre", 12. September, 17 Uhr; "Siegfried", 17. September, 17 Uhr; "Götterdämmerung", 19. September, 17 Uhr. Theaterkasse 0451-399600.
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