SCHLESWIG-HOLSTEIN
Husumer Namens-Zensur
"Vornamen sollen kreativ und regional sein"
Enthält rund 60.000 Namen: Das "Internationale Handbuch der Vornamen". Foto: Verlag für Standesamtswesen
Das Husumer Standesamt hat eine Namens-Debatte ungeahnten Ausmaßes entfacht. Bürgermeister Rainer Maaß rechtfertigt das Vorgehen seiner Mitarbeiter damit, dass alle Eltern gleich behandelt werden sollen. "Bis wir uns im August darauf geeinigt haben, immer nach dem Handbuch zu entscheiden, konnte es vorkommen, dass es bei den im Husumer Standesamt beschäftigten Beamtinnen durchaus zu unterschiedlichen Entscheidungen über die Anerkennung eines Vornamens kommen konnte", heißt es in einer Erklärung. Seit der strikten Anwendung des Handbuchs hätten 98 Prozent der Eltern keine Einwände erhoben, wenn sei aufgefordert wurden, einen zweiten Namen zu suchen. "In den anderen Fällen haben die zuständigen Gerichte die Entscheidung unseres Standesamtes bestätigt", so Maaß. Er habe dennoch Verständnis für die Eltern. Er rät zukünftigen Eltern, "sich rechtzeitig beim Standesamt über die Anerkennung zu informieren."
Absurde Vornamen
Welche außergewöhnlichen Vornamen sollten unbedingt ins "Internationale Handbuch der Vornamen" aufgenommen werden?
Schwer nachvollziehen kann diese Haltung Dr. Gerhard Müller. Er ist Wissenschaftler der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden und arbeitet gerade an der dritten Ausgabe des "Internationalen Handbuchs der Vornamen". "Mit ihrer Haltung, nur nach dem Buch zu entscheiden, handeln die Beamten viel zu streng", sagt Müller. Er sieht es als "Leitfaden, aber nicht als abschließendes Regelwerk." Schließlich finden sich darin rund 60.000 Namen aus zahlreichen Sprachen.
Farben kommen als Namen in den Trend
"Namen entwickeln sich. Eltern sind kreativ und wollen immer neue Vornamen durchsetzen. Das sollen sie auch", so Müller. Dabei sind regionale Einflüsse sehr wichtig. Bis zu 300 neue Vornamen soll die dritte Ausgabe der Vornamen-Fibel enthalten.
Gute Chancen, mit aufgenommen zu werden, hat beispielsweise Blue. "Farben-Namen werden sehr beliebt", sagt Müller und blickt etwa auf den Jugendstar Jimi Blue Ochsenknecht. "Blue hat Vornamen-Qualität entwickelt."
shz.de sucht die ungewöhnlichsten Vornamen
Streng tabu bei der Namensgebung sind Städtenamen. So wäre eigentlich auch San Diego als Name für den Sohn von Verona und Franjo Pooth nicht erlaubt. "Aber die Eltern haben sich eines Tricks bedient", weiß Müller. "San" steht im Vornamenbuch als türkischer Männername, "Diego" also spanische Form von Jacob. "Beide Namen einzeln gehen also."
Welche kuriose Vornamen sind Ihnen bekannt? Teilen Sie sie uns in Ihren Kommentaren mit.
Leserkommentare
Oke, Bengt und Baukje - was hier im Norden normal ist, löst im Süden nur noch Kopfschütteln aus...
Alois, Urs und Edmund würde man hier sein Kind aber nicht nennen!
Die Liste umfasst Namen aus mehr als 60.000 Länder, lese ich gleich zweimal im obigen Beitrag. Wow, dabei gibt es auf diesem Erdball nur knapp 200. Da haben die Autoren wohl fleißig Namen in Galaxien jenseits der Milchstraße gesammelt.
Lieber Herr Kullmann,
da haben Sie Recht. Bitte entschuldigen Sie den Fehler, wir haben ihn korrigiert.
Die Redaktion
lassen Sie eine im Südwesten beheimatete Mutter auch was beitragen: solange Vornamen nicht herabwürdigend, beleidigend oder sonstwie unethisch gestaltet sind, sollten doch die Leute ihre Kinder nennen dürfen, wie sie es - kreativer Weise - für richtig erachten.
Schließlich müssen diese Eltern sich eventuell später vor ihren Kindern rechtfertigen, was bei einem diskutierfreudigen Teenager Strafe genug sein kann...
Übrigens ist auch mein Vorname hier in der Gegend relativ selten, was aber nicht bedeutet, dass wir "Süddeutschen" nicht schon einmal etwas von Hauke Haien oder Birk Borkasohn gehört haben. Mag sein, dass manche noch Kopf schütteln, aber die werden dann auch Haare in ihrer Suppe finden. *g*
Lassen wir doch die Namenswelt reicher werden. 4 Lisas in einer Klasse sind schließlich auch nicht der (unkreative) Brüller!
Ida ist ein weiblicher Vorname.
Bedeutung, Herkunft und Verbreitung [Bearbeiten]Die Bedeutung des Namens Ida wird meistens auf die ursprüngliche Herkunft des Namens zurückgeführt. Ida ist eine Kurzform zu Namen, die mit Ida oder auch mit Idu beginnen, wie Iduberga (eine Heilige Iduberga ist Schutzpatronin der Schwangeren). Weiterhin stammt Ida von der althochdeutschen Silbe id, was so viel wie Arbeit, Werk bedeutet. Der Name war im Mittelalter ein sehr beliebter Vorname, später seltener geworden, dann durch die Ritterdichtung neu belebt. Vor allem in den Jahrgängen von 1880 bis 1920 wurde der Name wieder gerne in Deutschland vergeben. In Schweden und anderen nordischen Ländern ist der Name auch zu heutigen Zeiten weit verbreitet und an der Spitze der Vornamenshitlisten zu finden.
das steht im Lexikon.Den Namen gibt es schon so endliche lange,warum dürfen sich jetzt beamte darüber erheben und urteilen, ob es ein Name ist oder nicht.was machen alle die Menschen schon so heißen, werden die umbenannt??? Ich kenne übrigens auch keine Jungen der Ida heißt, ob mit einem oder zwei Namen.
was für ein Quatsch ist das eigentlich .Solange man sein Kind nicht mit Fantasienamen benennt,finde ich diese ganze Angelegenheit, ziemlich albern und unwürdig für Erwachsene Menschen.
mit freundlichem Gruß
Monika Moldt- Gebecke ( ich hoffe das Monika aussagt was für einem geschlecht ich angehöre)
Bedeutung, Herkunft und Verbreitung [Bearbeiten]Die Bedeutung des Namens Ida wird meistens auf die ursprüngliche Herkunft des Namens zurückgeführt. Ida ist eine Kurzform zu Namen, die mit Ida oder auch mit Idu beginnen, wie Iduberga (eine Heilige Iduberga ist Schutzpatronin der Schwangeren). Weiterhin stammt Ida von der althochdeutschen Silbe id, was so viel wie Arbeit, Werk bedeutet. Der Name war im Mittelalter ein sehr beliebter Vorname, später seltener geworden, dann durch die Ritterdichtung neu belebt. Vor allem in den Jahrgängen von 1880 bis 1920 wurde der Name wieder gerne in Deutschland vergeben. In Schweden und anderen nordischen Ländern ist der Name auch zu heutigen Zeiten weit verbreitet und an der Spitze der Vornamenshitlisten zu finden.
melodie-sonnschein
Auf dieses Handbuch sollte man sich meines Erachtens nicht verlassen! Zum Beispiel vermisse ich den Mädchennamen Demelza (mal bei Google eingeben). Viel schlimmer noch finde ich es jedoch, dass die französischen Vornamen Désiré (m) und Désirée (f) in allen möglichen oder vielmehr unmöglichen Varianten auftauchen. Außerdem wird behauptet, "Désiré" (ebenso wie das falsch geschriebene "Desiré") sei sowohl weiblich als auch männlich. Mit der Endung é ist der Name männlich, mit ée weiblich! Auch wenn falsche Schreibweisen verbreitet sind, sollte ein Vornamen-Handbuch ausschließlich die korrekten enthalten.
Auch wenn die Wikipedia anderes schreibt: Ida ist in der Tat auch ein Jungenname es gab um 550 n. Chr. mal einen angelsächsischen König namens Ida the Flamebearer.
Aber selbst den findigsten Standesbeamten werden mögliche Problemfälle durch die Lappen gehen. Ich weiß zum Beispiel von einem Mädchen namens Anke, das ihren Namen nach einem Umzug in die Schweiz geändert hat, nachdem sie von Mitschülern gehänselt wurde. Der Grund: Anke bedeutet im Schweizerdeutschen Butter.
Die Probleme mit der Namensgebung wäre man los, wenn es möglich wäre, bei Bedarf den Vornamen für eine kleine Gebühr zu ändern bzw. zu ergänzen. Eltern könnten, wenn sie weiser geworden sind, ihren Fehler wieder gutmachen. Wenn man als Erwachsener den sozial stigmatisierenden Namen Kevin nicht mehr tragen möchte, dann lässt man sich eben als Thomas registrieren, was die Berufschancen nachweislich gleich verbessert.
Aber in Deutschland, dem Bürokratenparadies, lässt so viel Liberalität wohl kaum realisieren
Selbst in der Nazizeit war es möglich, einen Vornamen zu bekommen, der in keinem Verezichnis stand. Meine Frau ist Jahrgang 1943, und erhielt den amtlich eingetragegen Vornamen "Blondy". Auch wenn der eine oder andere Klugscheißer meint, das hinge mit der Namensgleichheit zu Hitlers Schäferhündun zusammen, so muß ich darauf hinweisen, dass diese "Blondie" geschrieben wurde. Wie gut, dass sich unsere beamteten Volksdiener mit solchem Unsinn (ob eine Vorname deutlich geschlechtsspezifisch ist, oder "geschlechtsneutral") befassen können, trotz ständig verkürzter Arbeitszeiten. Offensichtlich haben wir zu viele Beamte oder diese zu wenig zu tun.
Als ich vor 15 Jahren meiner Tochter einen nicht alltäglichen Namen geben wollte, stieß ich im Flensburger Standesamt auf extremen Widerstand. Innerhalb weniger Minuten wollte man am Telefon einen geschlechtsspezifischen Zweitnamen von mir, da mir spontan keiner einfiel, bekam ich Bedenkzeit. Man rief mich an dem Tag noch sage und schreibe 6x an, bis ich kurz vor Feierabend des Standesamtes endlich einen Zweitnamen gefunden hatte. In den 6 Gesprächen davor waren meine Vorschläge abgewiesen worden, weil es die genannten Namen entweder nicht gab (obwohl meine eigene Oma so hieß) oder weil der vorgeschlagene Name nicht geschlechtsweisend war (obwohl meine Mutter so heißt). Glauben Sie mir, ich bin wirklich kurz vorm Verzweifeln gewesen. Letztendlich dürfte ich meine Tochter Shannon Pia nennen und sie ist mir heute dankbar, dass sie keinen alltäglichen Namen hat, denn in ihrer Klasse gibt es Unmengen von Lisas, Julias und so weiter.
Es gibt so schlimme Namen, die zur Massenbenennung geworden sind, da sollte man doch wirklich an Traditionsnamen und regionale Namen festhalten dürfen.
Kleiner Tipp für haarsträubende Namen: ein aktueller Babyfotowettbewerb auf www.familie.de
Einen lieben Gruß in meine Heimat!
Ich weiß nicht, ob meine Kinder aus Ihrer Sicht kuriose Namen haben:
meine Tochter heißt, wie bereits im vorangegangenen Kommentar erwähnt: Shannon Pia und mein Sohn heißt Shane Morten.
Beide haben jeweils einen englischen und einen skandinavischen Vornamen.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu schreiben. Anmelden
Warum muss ich mich anmelden/registrieren?
shz.de distanziert sich prinzipiell von allen in den Leserkommentaren geäußerten Meinungen ohne Rücksicht auf deren Inhalte. Alle Beiträge in den Leserkommentaren geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen der User wieder.
Bitte beachten Sie unsere Richtlinien für Kommentare!
Lust auf mehr? Ihre sh:z Tageszeitung jetzt
2 Wochen kostenlos testen.







Ja, Merle ist schon kurios für manche Sprachen. In Norddeutschland aber für Frauen Gang und Gäbe. Genauso wie Hauke für Männer, was aber scheinbar schon südlich der Elbe nicht mehr so eindeutig ist, wie manche Briefe an mich zeigen. Trotzdem durften mich meine Eltern so nennen und ich darf damit leben - und darüber schmunzeln.
Viele Leser haben sich darüber aufgeregt, dass in Husum der Name Merle nicht mehr als rein weiblich zugelassen wird. Ihre Kommentare lesen Sie hier:
www.shz.de/home/top-thema/article//wieder-wird-in-husum-ein-vorname-verboten.html
Diskutieren Sie auch weiterhin mit. Und sagen Sie uns hier, welche neuen, abenteuerlichen, kuriosen oder vielleicht auch absurden Vornamen Sie bereits gehört haben.
Hauke Mormann, Onlineredaktion