SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Hamburger Kunstverein

Viele Bilder, überforderte Besucher

28. Dezember 2009 | Von Peter Comes

Unübersichtlich: Politische Bildergeschichten im Kunstverein. Foto: Comes

Bilderflut im Hamburger Kunstverein: Unter dem Titel "Wo ist der Wind, wenn er nicht weht" präsentiert Direktor Florian Waldvogel politische Bildergeschichten.

Hamburg. Werke von von mehr als 130 Künstlern sind zu sehen. Der zeitliche Bogen reicht dabei von Albrecht Dürer bis in die heutige Zeit. Neben Bildergeschichten von bildenden Künstlern wie Max Ernst, Ad Reinhardt, Jake & Dinos Chapman oder Raymond Pettibon sind vor allem populäre Bilderzählungen zu sehen, die in Form von Bilderbögen, Bilderheften und Comics unters Publikum gebracht wurden.

Das Spektrum reicht dabei vom maoistischen Underground-Comic über Art Spiegelmans aufklärerischen KZ-Comic "Maus" bis hin zu Landsergeschichten und Propagandamaterial der NPD-Jugend-Organisation.

Monitore, Leseinsel, Stellwände, Bücher und Vitrinen

Dass ein Kunstverein sich ganz andere Freiheiten als ein Museum erlauben darf, unterstreicht die Ausstellung bereits mit ihrer Architektur. Waldvogel hat dafür den jungen, in Brüssel lebenden Architekten Jochen Weber beauftragt. Im Obergeschoss hat Weber aus unbehandeltem Holz ein nichtlineares Ausstellungsdisplay aufgebaut, das den Besucher weniger führt als herumwandern lässt.

Auf schräg gestellten Holzwänden werden originale oder fotokopierte Comicseiten präsentiert. Auf Tischen und in Glasvitrinen sind Comicbücher, aber auch von der Comicästhetik beeinflusste Keramikobjekte und Porzellan zu sehen. Es gibt eine Art Leseinsel, wo Besucher auf Holzbänken Platz nehmen und in Comics blättern können. Daneben sind auch Videomonitore mit Animationsfilmen zu sehen. Außerdem ragen Holzplattformen in den Raum, die die Blickachsen durchbrechen.

Der Besucher wird zum Streuner

"Es geht nicht um lineares Lesen, sondern es geht darum, zu erkennen, wie Geschichte funktioniert", sagt Florian Waldvogel. Angesichts der Fülle ungeordneten Materials dürfte es aber fraglich sein, ob der aufklärerische Anspruch der Schau sich dem Besucher tatsächlich vermittelt. So zeigten sich die meisten Besucher, ganz egal ob jung oder alt, am Eröffnungsabend der Schau schier überfordert.

Viele der Exponate befinden sich meterhoch über den Besuchern. Ein wirkliches Hineinlesen in die Ausstellung ist so nicht möglich. Der Besucher wird zum Streuner. Angesichts fehlender Beschriftungen siegt die Materialfülle über die Lesbarkeit der Schau.

Wo ist der Wind, wenn er nicht weht? Politische Bildergeschichten, Kunstverein in Hamburg, bis 14. März 2010.


 

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