SCHLESWIG-HOLSTEIN
Terrorangst
Sicherheitstechnik boomt
Lübeck / Hamburg / Itzehoe. Ob es um Flugzeuge oder Schiffe geht, um die Einsätze der Bundeswehr in Afghanistan oder auch um sensible Personen- und Firmendaten - alles, was sie sicherer macht, ist gefragt wie nie. Die Angst vor Anschlägen steigt kontinuierlich. Und auch die Angst vor Wirtschaftskriminalität und Industriespionage wächst beständig. Ein ganzer Industriezweig profitiert davon: Die Sicherheitsbranche. Und nicht selten sind es kleine und mittelständische Firmen, die Hightech-Produkte auf den Markt bringen.
So entwickelt und baut die AJ Ebiochip GmbH aus Itzehoe ein Messgerät von der Größe eines Schuhkartons, mit dem bereits geringste Konzentrationen von Biogiften aufgespürt werden können. Das Unternehmen - eine Ausgründung des Fraunhofer Instituts für Silizium Technologie - machte sich zunächst unter dem Namen Ebiochip Systems GmbH einen Namen und wurde 2007 in den Analytik Jena-Konzern eingegliedert. Der Biosensor wird von Feuerwehren und anderen Katastrophenschützern genutzt. Gemeinsam mit einem Industriepartner arbeitet AJ Ebiochip nach Informationen von Standortleiter Ralf Wörl aktuell daran, das Gerät weiterzuentwickeln und weltweit zu vermarkten.
"Der Markt für Produkte und Dienstleistungen der Sicherheitsindustrie ist von einer hohen Wachstumsdynamik, aber auch von einem ständigen Wandel gekennzeichnet", sagt Wolfgang Pflüger, der Chefvolkswirt der Berenberg Bank in Hamburg.
Viele Innovationen kommen von Start-Ups
Sein Institut brachte 2008 gemeinsam mit dem Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) eine Studie über die Sicherheitsbranche heraus. Verstand man unter der Sicherheitsbranche früher ausschließlich Gebäude- und Personenschutz, so gehören heute auch Firmen aus den Bereichen Verteidigungsindustrie, IT- und Kommunikationstechnologie, Nanotechnologie, Mikroelektronik, Biosensorik und Robotik dazu.
Ein weiteres Ergebnis der Studie: Neben einer Reihe von hochkarätigen Markttreibern gebe es eine Vielzahl von eher kleineren Firmen, die auf Nischenprodukte setzen. Auch komme es nicht selten vor, dass die Innovationen der Branche von Start-Ups kommen, die sich dann Industriepartner suchen, sagte Pflüger unserer Zeitung.
Röntgensystem im Rücksack
Und ob klein, mittelständisch oder groß - in Schleswig-Holstein gibt es nicht nur ein Unternehmen, das auf Sicherheitstechnik setzt. Die Bandbreite reicht von speziellen Scheiben für Einsatzfahrzeuge von Polizei und Sicherheitskräften bis hin zu Feuerschutztüren für Schiffe. Das Unternehmen Visiconsult aus Lübeck baut unter anderem transportable Röntgensysteme, die unter beispielsweise auf Flughäfen zur Kontrolle von herrenlosem Gepäckstücken eingesetzt werden. Die Technik ist so ausgereift, dass die mobilen so genannten XplusSecuritySysteme in einer Transportkiste Platz finden. Und: Bereits nach wenigen Augenblicken erscheint das Röntgenbild des untersuchten Objektes auf einem Notebook.
Für diese Innovation wurden die Lübecker bereits mit dem Schmidt-Römhild-Technologiepreis ausgezeichnet. Doch längst haben die Sicherheitsspezialisten ihre Röntgentechnik weiterentwickelt. Neuestes Produkt: Ein hochmobiles komplettes Röntgensystem, das in einem Rucksack ist und von einem einzelnen Menschen bedient werden kann. Und: Das Röntgenbild des Objekts steht bereits nach wenigen Sekunden zur Verfügung. Gerade erst hat die zehn Mann starke Firma einen Großauftrag von der Bundeswehr bekommen. "Zukünftig können Soldaten, die diese Röntgensysteme einsetzen, Leben retten. Ihr eigenes und auch das von Zivilisten, weil sie Sprengfallen oder andere gefährliche Objekte nach dem Röntgen unmittelbar und in einer einzigartigen Detailauflösung sehen", sagt Projektleiter Sobieski. Visconsult hat noch andere prominente Kunden. Die GSG 9 gehört dazu, die Bundespolizei und auch das Bundeskriminalamt. Nach dem 11. September ist die weltweite Nachfrage mit jedem Anschlag oder auch nur versuchten Attentat stetig gestiegen, so Sobieski. "Wir bekommen derzeit so viele Anfragen, unsere Produkte bei den Spezialeinheiten zu präsentieren, dass wir gar nicht allen Anfragen, auch international, nachkommen können."
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