SCHLESWIG-HOLSTEIN
Mutter-Kind-Haus in Satrup
Sternipark in der Schusslinie
Das Mutter-Kind-Haus des Sterniparks in Satrup ist bekannt für die nördlichste Babyklappe Deutschlands. Foto: Grätsch
Satrup / Hamburg. Zwei ehemalige Mitarbeiterinnen von Sternipark erheben schwere Vorwürfe gegen den gemeinnützigen Hamburger Verein: Sie seien unter anderem aufgefordert worden, Berichte für das Jugendamt zu fälschen, hätten regelmäßig unbezahlte Überstunden leisten und private Fahrdienste für ihre Vorgesetzten übernehmen müssen, statt ihrer Arbeit nachzukommen.
Der Verein unterhält in Satrup (Kreis Schleswig-Flensburg) ein Mutter-Kind-Haus. Dort werden unter anderem Frauen, die Opfer von Gewalt wurden, mit ihren oft traumatisierten Kindern betreut und möglichst auf ein eigenständiges Leben vorbereitet. Die beiden Ex-Beschäftigten, deren Namen der Redaktion bekannt sind, hatten jeweils gut ein Jahr in der Einrichtung gearbeitet. Nach ihren Aussagen gegenüber shz.de mussten die Erzieherin und die Sozialpädagogin dabei "regelmäßig Berichte so verfassen oder ändern, dass das Jugendamt eine möglichst lange Unterbringung der Frauen und Kinder in dem Haus anordnet - und dementsprechend bezahlt". Den Frauen, die in Satrup untergebracht sind, bringe es jedoch "absolut nichts", dort zu sein. "Was da abläuft, ist weder dem Kindeswohl noch dem Wohl der Mütter entsprechend", sagt eine der beiden.
"Eine Mitarbeiterin kümmert sich um 30 Personen"
Besonders die Betreuung der Bewohner komme zu kurz. "Meistens ist eine Mitarbeiterin auf sich alleine gestellt, muss sich um bis zu 30 Personen kümmern", sagt eine der beiden Frauen. Zum Vergleich: Allein für die Betreuung von zehn Jugendlichen müssten laut Aussagen aus dem Jugendamt des Kreises Schleswig-Flensburg fünf ausgebildete Betreuer bereit stehen.
Unbezahlte Überstunden und Doppelschichten seien hingegen für die "völlig überforderten" Pädagogen an der Tagesordnung, sagen die beiden ehemaligen Sternipark-Mitarbeiterinnen. Das Übernehmen privater Fahrdienste für die Heimleitung habe zudem "immer mal wieder" dafür gesorgt, dass die eigentliche Arbeit vernachlässigt wurde. Hinzu kommt laut gleich lautender Aussage der beiden Frauen der "katastrophale Zustand" der Einrichtung. Unter anderem sei das Haus in Satrup stark mit Schimmel befallen. Als Folge litten sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner ungewöhnlich häufig an Husten oder Schleimhautentzündungen.
Personalschlüssel entspricht gesetzlichen Vorgaben
Leila Moysich, stellvertretende Sternipark-Geschäftsführerin, widerspricht den Vorwürfen. Moysich: "Die Berichte für das Jugendamt werden von Mitarbeitern und Heimleitung gemeinsam erstellt. Zudem werden sie mit den Müttern besprochen. Wichtig ist, dass sie nur Tatsachen enthalten, die belegbar sind." Von Unterbesetzung und Überlastung will Moysich nichts wissen. Der Personalschlüssel sei stets so, wie es der Gesetzgeber vorsehe. "Und Überstunden fallen in der Regel bei uns nicht an", sagt sie. Sternipark biete seinen Mitarbeitern sogar übertarifliche Leistungen. Schimmelbefall von Wänden habe es zwar gegeben. "Er wurde aber von Fachfirmen entfernt", sagt Moysich.
Warum die beiden ehemaligen Mitarbeiterinnen so schwere Vorwürfe erheben, darüber möchte die Geschäftsführerin "nicht spekulieren". Sie ist davon überzeugt, dass in Satrup "gute Arbeit geleistet wird".
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