SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Landesrechungshof

Sparkommissare steuern durch schwere See

15. Mai 2009 | Von Anja Werner

Medizintechnisches Beiprogramm: Bundesrechnungshofpräsident Dieter Engels, sein Stellvertreter Norbert Hauser, Nordrhein-Westfalens Landesrechnungshofchefin Ute Scholle und ihr Kieler Kollege Aloys Altmann (von rechts) im Dräger Forum in Lübeck. Foto: Ruff

Gipfeltreffen: Rechnungshofchefs beraten in Lübeck über Schadensbegrenzung in der Finanzkrise.

Lübeck. "Schon als kleiner Junge wurde ich zur Sparsamkeit erzogen", sagt Dr. Aloys Altmann. Da verwundert es nicht, dass der Präsident des Landesrechnungshofes kein Pardon kennt, wenn Steuergelder verschwendet werden. Diese Passion teilt er mit den Rechnungshofchefs der anderen Bundesländer sowie dem Präsidenten des Bundesrechnungshofs, die er allesamt zum dreitägigen Gipfeltreffen nach Lübeck eingeladen hat. "Nicht weil diese Stadt so heftig überschuldet ist, sondern weil sie ein tolles Ambiente hat", versichert Altmann.

Die Konferenz der Sparkommissare, die erstmals seit 16 Jahren in Schleswig-Holstein tagen, dient an sich dem lockeren Erfahrungsaustausch. "Das ist diesmal anders", unterstreicht Altmann schon beim Empfang im Dräger Forum am Mittwochabend. Einen Grund dafür nennt Theo Dräger in seiner Begrüßung: "Die Folgen der Wirtschaftskrise sind nicht mehr absehbar, deshalb gibt auch unser Unternehmen keine Jahresprognose mehr ab." Die Rechnungshöfe seien als Schadensbegrenzer jetzt besonders gefordert, ergänzt Altmann.

Runde bei Dräger

Bevor die Präsidenten bei ihrer heute endenden Konferenz im Roten Saal des Lübecker Rathauses gefordert sind, werden sie durch die Ausstellung der weltweit erfolgreichen Exportschlager von Dräger in der Medizin, der Sicherheitstechnik und der Raumfahrt geführt. "Ist schon besser, heute auf dem OP-Tisch zu liegen", sagt Bundesrechnungshofchef Prof. Dieter Engels beim Anblick eines alten Narkose-Geräts schmunzelnd.

Kollege Altmann kann selbst beim Gang durch das Papier freie High-Tech-Hospital und eine überdimensional nachgebaute Lunge die drückenden Finanzprobleme nicht abstreifen - auch mit Blick auf Engels. Grund: Ein neues Gesetz erlaubt es dem Bundesrechnungshof, sich deutlich in die Prüfkompetenzen der Landesrechnungshöfe einzumischen. "Dieser Konflikt muss geklärt werden, keiner darf auf dem Hof des anderen wildern", meint Altmann.

Bootstour nach Travemünde

Dringenden Handlungsbedarf gebe es auch beim Management der Finanzkrise und des Konjunkturpakets, das die Kommunen in großer Hast zur Ausgabe immenser Summen verführe. Und das, obwohl die öffentlichen Haushalte schon die größten Sorgenkinder der Steuerprüfer sind. "Sie versprechen zu sparen - und geben dann noch mehr Geld aus", beklagt Altmann.

Zum Glück gibt es auch noch eine sorgen- und konferenzfreie Zeit. Wie die Bootstour gestern bei frischem Nordostwind nach Travemünde. Dort lädt Lübecks IHK-Chef Bernd Rohwer die Präsidenten im mondänen Casino-Hotel zum Dinner ein. Und wer bezahlt den Rest? "Das Budget ist im Landeshaushalt vorgesehen", sagt Altmann.


 

Leserkommentare

 

 

SHZ.DE MOBIL

Auch unterwegs bestens informiert!

Mit der iPhone-App und dem Mobilportal von shz.de haben Sie die neuesten Nachrichten aus Schleswig-Holstein immer zur Hand.

Weitere Informationen...

 
 

BUCHVERKAUF

Ihr (Enkel-) Kind ist der Held!
Verschenken Sie ein Kinderbuch, in dem Ihr Liebling die Hauptperson spielt.
Mehr Infos finden Sie hier

 
INSTITUT50PLUS
Lebendig leben...
Angebote für eine aktive Lebensgestaltung
 
HÄUFIG GELESEN

Schwerer Schlag gegen die Rockerszene

Das Einsatzkommando überraschte den Kieler "Hells Angels"-Chef im Schlaf. Ein Insider soll sein ...mehr

 
 


KONTAKT | IMPRESSUM | AGB | DATENSCHUTZ