SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

HSH Nordbank-Krise

Sparkassen im Sog der HSH Nordbank

13. Dezember 2008 | Von Peter Höver

Es drohen Verluste bis zu 250 Millionen Euro: Schleswig-Holsteins Sparkassen geraten in den Sog der Krise bei der HSH Nordbank.

Kiel. Die Bittgänger aus den Vorstandsetagen schleswig-holsteinischer Sparkassen redeten gar nicht lange um den heißen Brei herum. Die Lage einiger der 15 Kassen sei "kritisch", bedeuteten sie ihren Gesprächspartnern im Landtag. Ob sie sich nicht bei der Regierung dafür verwenden könnten, den Sparkassen ihren 14,2-Prozent-Anteil an der HSH Nordbank abzukaufen und damit die Nöte zu lindern.

Das Anliegen der Kassenchefs ergibt durchaus Sinn. Gut 500 Millionen Euro haben die Sparkassen zwischen Flensburg und Lauenburg in der kriselnden HSH Nordbank stecken. Das allerdings war der Wert im Sommer. Inzwischen haben einige Vorstände nachgerechnet. Mehr als 200 Millionen Euro könnten inzwischen verloren sein, weil die HSH Nordbank Abschreibungsbedarf von über einer Milliarde, dazu Verluste von zuletzt 360 Millionen Euro gemeldet hat. Weitere 40 Millionen Euro werden in den Sparkassenbilanzen deshalb fehlen, weil erwartete Dividenden der Nordbank ausbleiben.

Sondersitzung des Kabinetts

Ob solche Summen für die in der Mehrzahl mit eher dürrem Eigenkapital ausgestatteten Sparkassen einfach wegzudrücken sind, bezweifeln Insider. Auf dem Spiel stünde damit bei den meisten Sparkassen die Fähigkeit, kleine und mittlere Betriebe zwischen Nord- und Ostsee mit Krediten zu versorgen. Hier haben die Sparkassen einen Marktanteil von rund 65 Prozent. Zum Vergleich: Die HSH Nordbank hat im regionalen Firmenkundengeschäft lediglich einen Marktanteil von rund sieben Prozent. Die Folgen einer Kreditklemme der Sparkassen für die Wirtschaft im Norden wären dramatisch.

Am Nachmittag rief Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) sein Kabinett zu einer Sondersitzung zusammen. Wirtschaftsminister Werner Marnette sowie Wirtschafts- und Finanzpolitiker der Landtagsfraktion hatten angesichts der drohenden Entwicklungen bei den Sparkassen bei Carstensen darauf gedrungen. Über Ergebnisse verlautete zunächst nichts.

Der Präsident des Sparkassen- und Giroverbandes Schleswig-Holstein, Dietrich Kamischke, bestätigte die Probleme in der Kassenfamilie indirekt. Man stelle sich "vorsorglich auf mögliche Schwierigkeiten ein," sagte Kamischke auf Anfrage. Zur Höhe möglicher Abschreibungen auf die HSH-Nordbank-Beteiligung seien Angaben erst möglich, wenn belastbare Zahlen für das Jahresergebnis 2008 vorliegen. Dessen ungeachtet seien die Kundeneinlagen bei den Sparkassen "zu 100 Prozent sicher". Dazu gebe es Sicherungseinrichtungen der Sparkassen auf Bundes und Landesebene.


 

Leserkommentare

 
RAINER TIETJEN 13.12.2008 15:53
Welche Sparkasse könnte es sein?

Welche Sparkasse, die in besonderen Schwierigkeiten ist? Die Fördesparkasse hat schon in der Segeberger Zeitung angegeben, dass sie es nicht sei. In den nächsten Tagen werden sicherlich weitere Sparkassen folgen, um diesen Verdacht aus der Welt zu räumen. Da wäre es sicherlich besser gewesen, schon jetzt den Namen der angeschlagenen Sparkasse zu nennen.

Wer könnte es sein?

Da gibt es die Sparkassen in Elmshorn, Lübeck und Marne, die vor 15 Jahren Zweigstellen von der Landesbank Schleswig Holstein (gehört jetzt zur HSH) übernommen haben. Sie haben diese Zweigstellen übernommen, ohne auch gleichzeitig den Eigenkapitalanteil dafür zu erhalten (bei einer Fusion wird auch das Eigenkapital übertragen). Sie sollen teilweise sogar noch Beträge an die Landesbank gezahlt haben. Bei diesen Sparkassen musste nach der Übernahme das vorherige Eigenkapital für eine wesentlich höhere Bilanzsumme reichen, teilweise fast für eine doppelt so hohe Bilanzsumme, so dass sich die Eigenkapitalrelation dadurch halbierte. Das Eigenkapital wurde oft in mehr als hundert Jahren durch die Sparkassen bzw. deren Eigentümern angespart, so dass sich das verringerte Eigenkapital nicht kurzfristig wieder verdienen lässt.
Die Sparkasse in Marne ist vor 6 Jahren aufgrund von Fehlern des Vorstandstandes im Wertpapier- und Kreditgeschäft (fast) pleite gegangen und wurde deshalb von der Sparkasse Westholstein übernommen/fusioniert.

Ist es eine Sparkasse, die bereits stark angeschlagene Sparkassen in einer Fusion übernommen haben, wie die Sparkasse Westholstein, die die angeschlagenen Sparkassen aus Marne und Meldorf übernommen hat (mit ihr fusionierten), die Sparkasse Südholstein, die durch Fusion mit der angeschlagenen KSK Segeberg entstanden ist oder und die NOSPA, die mit der angeschlagenen Flensburger Sparkasse fusioniert wurde?
Oder hat eine andere Sparkasse ein angeschlagenes Institut übernommen, wovon im shz oder der Segeberger Zeitung nicht berichtet wurde?

Durch den wirtschaftlichen Rückgang könnten auch vermehrt Kreditkunden der Sparkassen in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Für vergebene Kredite an die Kunden müssten die Sparkassen deshalb eventuell vermehrt Wertberichtigungen zum Jahresende bilden, die zu einer weiteren Gewinnschmälerung führten könnten.

In diesem Jahr sind die Wertpapierkurse (Aktienkurse) stark gefallen, oft um über 50 %, was bei Sparkassen mit höheren Wertpapierbeständen höhere Abschreibungen erforderlich machen könnte, die den Gewinn erheblich schmälern.

Es könnte natürlich auch sein, dass eine größere Sparkasse die Papiere im Bestand hat, die schon bei der HSH zu den Verlusten geführt hat, Papiere der Immobilienkrise oder von Lehman Brothers. Wenn sie Lehman-Papiere an Kunden verkauft hat, könnten Entschädigungen an Kunden erforderlich werden, wofür Vorsorge zu treffen wäre.

Mir ist nicht bekannt, ob die Beteiligung bei der HSH bei den Sparkassen direkt gebucht ist oder nur bei dem Sparkassenverband und zu welchem Kurs sie gebucht ist. Dies könnte auch weitere Abschreibungen erforderlich machen, entweder bei den Sparkassen oder beim Verband, deren Wert sich dadurch für die Sparkassen verringern würde und entsprechend abgeschrieben werden müsste.

Im Rahmen der Bankenrettung wurde nach meiner Information jedoch beschlossen, dass für gewisse Papiere zum Jahresende auf Abschreibungen verzichtet werden kann, die deshalb vorerst nicht zu Gewinnschmälerungen führen würden. Wenn die Kurse der Wertpapiere in der Zukunft wieder steigen, könnten die Abschreibungen entfallen, ansonsten würden im Falle eines Verkaufs in späteren Jahren die realisierten Verluste den Gewinn mindern.

Die fehlende Gewinnausschüttung über 40 Mio. € der HSH wird die Sparkassen auch sehr belasten.

Die Unterstützung der HSH und deren fehlende Gewinnausschüttung wird alle Sparkassen sicherlich sehr belastet.
Es gibt in diesem Jahr jedoch auch weitere Belastungsfaktoren für die Sparkassen, die ich oben beschrieben habe.
Welche Sparkasse aus Schleswig Holstein sich in einer besonders kritischen Lage befindet, lässt sich damit jedoch nicht klären.

Sollte die Aufstockung des Eigenkapitals der HSH die Sparkassen in diesem Jahr zu stark belasten und würden die Länder nicht für die Sparkassen einspringen, d. h. ihren Anteil entsprechend mehr erhöhen, gäbe es allerdings die Möglichkeit, sich die Eigenkapitalhilfe vom Rettungsfonds des Bundes zu holen und bei der späteren Rückzahlung an den Fonds das Eigenkapital zu erhöhen. Da die Eigenkapitalhilfe mit 8,5 % zu verzinsen ist, wäre sie allerdings nicht billig.

NEGGERT 14.12.2008 18:34
Spekulationen oder Spekulatius zu den Sparkassen

Tja, Herr Tietjen, da haben Sie sich ja viel Mühe um Ihre Spekulatioen gemacht. Respekt.
Sie haben allerdings einen wesentlichen Faktor dabei vergessen und der dürte der Wahrheit näher sein.
Bestimmte Kreissparkassen haben in der Vergangenheit Kredite gewährt, die entgegen den banküblichen Gegebenheiten nicht hätten erteilt werden dürfen. Begründet durch lässiges Verhalten oder auch durch "weltmännisches" Auftreten in der Region. Dies alles hat und hatte nichts mit der HSH zu tun.
Wenn jetzt diese Sparkasse(?)n in Schwierigkeiten kommen kann nur ein "weißer Ritter" helfen. Und der wäre? Genau die HASPA, die schon seit Jahren versucht ihre Geschäftstätigkeiten in den Hamburger Umland auszuweiten. Da dies, bisher, gesetzlich verboten ist. kann natürlich so eine "Krise" dieses Kliff umwinden und alle stehen gut da.
Das hat dann zwar alles nichts mit der HSH und der Weltkreditkrise zu tun aber als Begründung kann sie zur Beruhigung dienen.

RAINER TIETJEN 14.12.2008 21:29
Kreditvergabe und HASPA-Beteiligung

Herr oder Frau Neggert,

mir ist vom shz und der Segeberger Zeitung bekannt, dass die Schwierigkeiten durch die fahrlässige Kreditvergabe und das Fehlverhalten des damaligen Vorstandes bei den Sparkassen in Marne, Bad Segeberg und Flensburg entstanden sein sollen. Auch Meldorf ist durch Kreditrisiken in Schwierigkeiten geraten. Alle wurden inzwischen durch eine Fusion „gerettet“.

Mir ist auch aus der Segeberger Zeitung bekannt, dass sich die HASPA um eine Beteiligung an der Sparkasse Südholstein bemüht, aber dass zunächst die rechtlichen Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen. Der Kreis Segeberg hatte der Sparkasse Südholstein nach den Problemen mit der ehemaligen KSK Segeberg für 15 Mio. € EON-Aktien zur Stärkung des Eigenkapitals überlassen. Nach einer Beteiligung der HASPA an der Sparkasse Südholstein soll der Kreis seine EON-Aktien zurück erhalten. Die Sparkasse Südholstein soll auch nach der Beteiligung der HASPA an ihr weiterhin als selbständige Sparkasse bestehen bleiben; so schrieb es zumindest die Segeberger Zeitung.

Es kann natürlich sein, dass auch andere Sparkassen durch leichtfertige Kreditvergaben in Schwierigkeiten geraten sind oder dass sich die HASPA um andere Sparkassen bemüht. Ich habe aus der Presse jedoch nichts darüber erfahren.
Ansonsten kann ich nur Wissen aus der Presse verwenden, da ich keine Informationen aus den einzelnen Sparkassen habe.

Wenn eine Sparkasse schon vor der Finanzkrise und den Schwierigkeiten der HSH Probleme hatte, werden die Probleme der Sparkasse durch die zusätzlichen Probleme in diesem Jahr natürlich noch wesentlich verstärkt.

Vor 20 Jahren hatten wir ca. 35 Sparkassen in Schleswig-Holstein, jetzt sind es nur noch 15 Sparkassen. Vielleicht haben wir in 30 Jahren nur noch eine Sparkasse für Schleswig-Holstein und Hamburg, keiner weiß das jetzt schon.

RAINER TIETJEN 17.12.2008 11:04
Das Geld der Kunden ist sicher

In den bisherigen Artikeln (bis 17.12.08) des shz wurde nicht mitgeteilt, welche Sparkasse sich in einer kritischen Situation befinden würde. Im obigen Artikel wurde angegeben, dass eine Sparkasse sich im kritischen Zustand befinden soll.

Viele Sparkassen haben inzwischen Stellung bezogen zu ihrer finanziellen Lage. Die Kernaussage aller lautet: „Das Geld der Kunden ist sicher“.
Dieser Meinung bin auch ich immer gewesen, deshalb habe ich auch nie erwogen, meine Konten von einer Sparkasse zu einem anderen Kreditinstitut zu verlegen, auch nicht die Konten meiner Ehefrau, die bei einer anderen Sparkasse ihre Konten führt.
Außerdem weisen alle Sparkassen darauf hin, dass die Kreditversorgung der Wirtschaft gesichert sei.

In meinen obigen Kommentaren habe ich einige Sparkassen angesprochen, die inzwischen meist im regionalen Teil des shz eine Stellungnahme abgegeben haben:

Die NOSPA teilte mit, dass sie trotz zu verkraftender Abschreibungen im Wertpapiergeschäft für das Jahr 2008 noch einen Gewinn ausweisen werde. Außerdem habe die NOSPA genügend Liquidität und genügend Eigenkapital. Das Geld der Kunden und die Kreditversorgung der Wirtschaft sei gesichert. (s. Wirtschaftsteil vom 15.12.08)

Die Sparkasse Südholstein verwies insbesondere auf das Gute Geschäftsjahr 2007, in dem der Gewinn um 1/3 auf 6 Mio. € gesteigert werden konnte. Ansonsten sagte der Vorstandsvorsitzende: „ Was wir an eigenen Belastungen aus der Finanzkrise haben, können wir selbst schultern." (s. weiterführenden Link oben).

Die Sparkasse Westholstein verwies insbesondere darauf, dass ihr Solvabilitätskoeffizient (Eigenkapitalrelation) bei 14 liege, vorgeschrieben sei mindestens ein Koeffizient von 8. Sein Geldinstitut, so versichert der Vorstandsvorsitzende, verfüge "über so viel Liquidität, Eigenkapital und Ertragskraft, dass wir das ohne Probleme tragen können" (s. Artikel: „Sparkasse sieht sich in der Krise gut aufgestellt“).

Meine Vermutung, dass die Sparkasse Westholstein unter der Fusion mit der Sparkasse aus Marne gelitten haben könnte, hat sich deshalb also nicht bestätigt, Meldorf war nicht so stark angeschlagen wie Marne. Da die Sparkasse Westholstein zuvor durch Fusionen gesunder Sparkassen entstanden ist, hat sie die Belastungen aus Marne wohl gut verkraftet.

Über die von mir angesprochenen Sparkassen aus Lübeck und Elmshorn konnte ich im shz nichts lesen, da in deren Region andere Tageszeitungen vertreten sind.

Ansonsten konnte ich noch über die Sparkasse Holstein lesen, dass sie das Niederstwertprinzip für die Bewertung ihrer Wertpapiere anwenden wolle. (s. Ostholsteiner Anzeiger v. 16.12.08). Sie wolle also alle Abschreibungen zum Jahresende vornehmen, auch wenn das Jahresergebnis dadurch belastet würde. Damit wird die im Rahmen der Bankenrettung eingeräumte Möglichkeit nicht ausgenutzt, auf Abschreibungen zu verzichten.

Die Sparkasse Mittelholstein erwartet für 2008 trotz der Belastungen noch einen Bilanzgewinn von 3 Mio. €. (s. Artikel: „Das Geld ist bei uns sicher“.)

Ansonsten wird auch durch den Sparkassenverband eingeräumt, eventuell die Finanzspritze des Bundes (aus dem Rettungsfonds) zur Stärkung des Eigenkapitals der HSH zu beantragen (s. Artikel zu HSH: „Regionale Geschäfte zukünftig im Vordergrund“).

RAINER TIETJEN 13.07.2009 21:20
Diese Sparkasse ist es:

Im folgenden Artikel werden die Probleme, Kapitalhilfen und Ausfälle der Sparkasse Südholstein beschrieben:

www.segeberger-zeitung.de/schleswig_holstein/wirtschaft/101227_58-Millionen-an-Reserven-aufgeloest.html

RAINER TIETJEN 14.10.2009 22:48
Vorstandsvorsitzender entlassen

Im September 2009 wurde wegen der Probleme der Sparkasse Südholstein auch deren Vorstandsvorsitzender entlassen; mit einer Abfindung von 950.000 €.



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