SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

"Väteraufbruch für Kinder"

Sein sehnlichster Wunsch: "Ein Tag mit meinem Kind"

19. Dezember 2009 | 08:00 Uhr | Von Frank Höfer

Karl-Heinz Eckert. Foto: s:hz

Sie wohnt zwei Kilometer entfernt. Doch Karl-Heinz Eckert und seine Tochter trennen Welten. Der Kieler darf sie weder sehen noch mit ihr telefonieren. So will es die Mutter.

Kiel. Im August 2006 hat Eckert die heute neunjährige Lena (Name geändert), die bei ihrer Mutter lebt, zum letzten Mal gesehen. Auch die Festtage wird er ohne sie verbringen.

Der 53-Jährige ist Sprecher der Kreisgruppe Kiel von "Väteraufbruch für Kinder" - einer Gemeinschaft von Männern, die ihre Kinder nicht mehr oder nur unter erheblichen Schwierigkeiten besuchen dürfen. Heute machen sie aus Anlass des Weihnachtsfestes mit einem Infostand im Kieler Holstentörn (Sophienhof) auf ihre Situation aufmerksam.

Kein Anspruch auf Sorgerecht

Auch Eckert wird dort stehen - und wer es wissen will, dem erzählt er die Geschichte seiner Vaterschaft. Es ist ein zehrender Konflikt, in dem es nur Verlierer gibt. Den Vater, der mehrfach vergebens vor Gericht zog, um für das Besuchsrecht zu kämpfen. Das Kind, das ohne leiblichen Vater aufwächst und zum Spielball zwischen den Fronten wird. Und die Mutter, die der Tochter das Gezerre irgendwann erklären muss - egal ob sie es haben wollte oder nicht.

Einen Anspruch auf Sorgerecht haben unverheiratete Väter in Deutschland bisher nicht. Sie bekommen es nur, wenn die Mutter des Kindes damit einverstanden ist. Sie entscheidet, welche Rolle der Vater im Leben des Kindes spielt. Daran ändert nach Ansicht von Eckert auch der jüngste Richterspruch des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGM) nichts. Das Straßburger Gericht gab einem Vater Recht, der sich gegen die deutschen Gesetze gewehrt hatte. Die Richter sahen das Recht des Mannes auf Familienleben verletzt und monierten, dass er in Deutschland keine Chance auf eine gerichtliche Einzelfallprüfung hat. Dabei beriefen sie sich auf das Diskriminierungsverbot in der Europäischen Menschenrechtskonvention.

"Sie wollte nur das Kind von mir"

Nach Ansicht von Eckert ist das EGM-Urteil ein Papiertiger, solange es in Deutschland keine neuen Gesetze gibt. "Für mich hat sich nichts geändert", sagt er. "Ich darf nicht zu meiner Tochter. Nicht einmal Weihnachtsgeschenke darf ich ihr überbringen. Alles, was ich bisher mit der Post geschickt habe, kam zurück. Die Mutter will keinen Kontakt."

Mit ihr sei er nie zusammen gewesen, erzählt der freiberufliche Tontechniker. "Das Kind entstand aus einer Affäre. Sie wollte nur das Kind von mir." Eckert spricht immer wieder von der "Kindsmutter" - er nennt sie nie beim Namen. Er versachliche die Geschichte bewusst, sagte der unerwünschte Vater. "Gefühle sind bei diesem Konflikt nicht hilfreich." Ob er glaubt, dass Lena ihn sehen möchte? "Mein Gefühl sagt, dass sie allen sagt: Ich will nicht zu ihm. Aber wenn sie bei mir wäre, würde sich das ändern. Hoffe ich. Ich würde ihr gerne die Angst nehmen, die durch die Kindsmutter aufgebaut wurde."Väteraufbruch für Kinder e.V.: Kreisgruppen gibt es in Kiel, Flensburg und Lübeck. www.vafk.de.


 

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