SCHLEI-BOTE
Breitband
Schnelles Internet auf dem Land: per Funk
Sie messen und analysieren: die Funk- und Internet-Experten Felix Jaeckle und Michael Schmidt (rechts). Im Hintergrund ist der Messwagen zu sehen, mit dem die Firma Lüttmer Mobilfunk in ganz Schleswig-Holstein unterwegs ist. Foto: Jennert
Schleswig. Schnelles Internet - lebenswichtig für die Wirtschaft und ein bedeutender werdendes Argument bei der Vermarktung neuer Wohngebiete. Doch außerhalb der Städte gibt es im Norden Schleswig-Holsteins noch viele weiße Flecken auf der Landkarte der schnellen Datenleitungen. Der Schleswiger Unternehmer Hanno Lüttmer will Abhilfe schaffen. Er klinkt seine Kunden in die schnellen Handy-Funknetze ein - selbst in Gemeinden, deren Bewohner gar nicht ahnen, dass sie beispielsweise über UMTS oder den neuen Standard LTE verfügen können.
Das funktioniert sogar in Gemeinden, in denen schnelle Handys bisher langsame Krücken sind. Denn ein langsames Handy ist kein sicherer Indikator dafür, dass es in der jeweiligen Ortschaft keine schnelle Datenverbindung gibt. Was viele nicht wissen: Würden die Handy-Besitzer auf einem Hügel stehen oder sich in den oberen Stockwerken von Gebäuden befinden, könnte die Sende- und Empfangsleistung weitaus besser sein. "Den besten UMTS-Empfang hat man in einer Höhe von acht bis zehn Metern", sagt Lüttmer.
Allerdings gibt es weiterhin Gemeinden, in denen selbst das nicht funktioniert. Um die technischen Möglichkeiten vor Ort auszuloten, hat Lüttmer zwei Messwagen angeschafft, die die Stärke des Netzes ermitteln. "Diese Fahrzeuge sind die einzigen ihrer Art in Schleswig-Holstein", so der Unternehmer. 40.000 Euro hat er investiert. Kern ist eine ausziehbare Antenne. Das System ist in wenigen Minuten aufgebaut, die Messung selbst dauert nur Sekunden. Anfangs haben Lüttmer und seine Mitarbeiter ausschließlich auf eigene Faust Messungen vorgenommen, mittlerweile gibt es Anfragen. "Sogar Bürgermeister und Amtsvorsteher bitten uns schon, in ihre Gemeinden zu kommen."
Per Funk auf DSL-Standard
Die Messung selbst kostet nichts. Lüttmer verdient sein Geld damit, dass er seinen Kunden die erforderliche Technik und den entsprechenden Internetvertrag verkauft. Wenn das Funknetz stark genug ist, reicht eine Investition in Höhe von etwa 230 Euro, um es zu nutzen. Der technische Trick ist ebenso simpel wie verblüffend: Der Kunde erhält eine Empfängerantenne, die auf dem Dach installiert wird. Diese wiederum wird gekoppelt an einen Sender (WLAN). Der verteilt das Signal über das gesamte Grundstück des Kunden. Lüttmer arbeitet zusammen mit der Firma Vodafone.
Und was konkret bringt es dem Kunden? Er kann seine Internetverbindung auf DSL-Standard bringen. Ein Vergleich: Beim alten ISDN-Standard war das Abspielen von Internet-Videos so gut wie unmöglich. DSL hingegen liefert die Bilder - im Idealfall - in Fernsehqualität. Lüttmer selbst war dabei sozusagen sein erster "eigener Kunde". Um sein Angebot publik zu machen und seine Kunden bedienen zu können, musste er zunächst den Internetanschluss seiner Firma beschleunigen. "Hier im Gewerbegebiet St. Jürgen im Norden Schleswigs haben wir streckenweise nur sehr langsame Leitungen", sagt Lüttmer. Seit er das weltweite Datennetz über Funk anzapft, sei die Verbindung dreimal schneller.
Nähere Informationen unter www.dsl-messwagen.de
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