SCHLESWIG-HOLSTEIN
Saubere Geschäfte mit Müll
Aus dem Schaufenster blicken einem Frottee-Elefanten und Hasen entgegen. An einem Haken hängen Frottee-Handtaschen. Und auch Frottee-Kissen gibt es bei Andreas Linzner zu kaufen. Die meisten seiner Produkte schneidert er aus alten Handtüchern. Er liebt alte Handtücher. "Jedes erzählt eine Geschichte", sagt er. Linzner bekommt sie vom Recycling-Hof oder von Kunden, bei denen sie vergessen im Schrank liegen. Er lässt sie reinigen und näht etwas Neues draus.
Die Begeisterung begann während seiner Ausbildung. Linzner ist ausge bildeter Herrenschneider. Später ging er zur Kunstakademie. Eines Tages machte er aus einem alten Frottee-Handtuch ein Kissen. Er mochte den Stoff, die Farben, die Muster und nähte weiter. Ein Projekt für Existenzgründer half ihm mit Geld und Ideen. Seit einigen Jahren hat Linzner in Hamburg ein Geschäft. Inzwischen sind seine Frottee-Produkte in der ganzen Welt gefragt - egal ob London oder New York. Bis in die Washington Post hat er es mit seiner Geschäftsidee bereits gebracht. Die Nachfrage ist stetig gewachsen. Andere Firmen nähen heute für ihn, er liefert die Ideen.
Upcycling statt Recycling
Design-Produkte aus Abfall sind derzeit das Thema auf internationalen Messen. Menschen wie Andreas Linzner sprechen allerdings nicht von Müll design - sie nennen es Upcycling. Und nicht nur die Verarbeitung, auch die Vermittlung von Abfall läuft besonders in großen Städten auf Hochtouren. So hat sich in Berlin beispielsweise der Verein Kunst-Stoffe gegründet, der in der ganzen Hauptstadt Müll sammelt und an Designer und Künstler verteilt. "Material des Monats" waren im März beigefarbene Fliesen.
"Upcycling ist im Moment sehr hipp, aber die Bewegung gibt es schon länger", sagt Sybille Homann. Die Glasdesignerin weiß, wer mit Müll Geld verdienen will, muss erst einmal ein überzeugendes Produkt entwickeln und vernünftig vermarkten. "Es vergeht viel Zeit, bis man den Leuten klar gemacht hat, dass das gute handwerkliche Arbeit ist", sagt sie.
Sie selbst begann bereits vor über zehn Jahren mit alten Flaschen zu experimentieren. Schnitt ihnen den Hals ab und nutzte sie als Messbecher. Kaum jemand glaubte an ihre Ideen: "Mein Professor hat gesagt ,Die kannst du im Bioladen verkaufen'." Es ist anders gekommen. Die Hamburgerin verkauft ihre sprudelwassergrünen oder bierpullenbraunen Garderoben, Leuchten und Schalen inzwischen nicht nur in der Hansestadt sondern auch in angesagten Läden in Rom oder Paris. Mit Preisen bis über 500 Euro. Dafür ver arbeitet Sybille Homann bis zu 400 Flaschen jeden Monat. Restaurants sammeln Altglas für sie. Freunde und Nachbarn stellen ihr Flaschen vor die Tür. Und: Natürlich schmeißt die De signerin nichts weg.
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