SCHLESWIG-HOLSTEIN
Primarschule
Schwarz-Grün unter Druck
Hamburg. "Ausgerechnet die! Und ausgerechnet jetzt", mag sich Hamburgs Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) geärgert haben. Ausgerechnet die Max-Brauer-Schule in Altona, an der Goetschs Ehemann lehrt und die zu den erklärten Lieblingsschulen der Senatorin zählt, liefert den Gegnern der schwarz-grünen Bildungsreform eine Steilvorlage. Das Kollegium der mit dem Deutschen Schulpreis dekorierten Gesamtschule läuft Sturm gegen die von Goetschs Behörde geplante Umwandlung in eine Stadtteilschule und hat zur Großdemonstration aufgerufen.
Die Opposition in der Bürgerschaft ließ es sich nicht nehmen, Goetsch während der Aktuellen Stunde genüsslich auf den Widerstand der Max-Brauer-Lehrer hinzuweisen. "Diese erfolgreiche Schule soll auf dem schwarz-grünen Altar geopfert werden", schimpfte Britta Ernst (SPD). In einer erneut lebhaften Schuldebatte ließ auch ihr Fraktionskollege Ties Rabe kein gutes Haar an den Plänen des Senats zur Schaffung einer Primarschule mit gemeinsamem sechsjährigen Lernen. "Eine Brachialwende mit viel zu knappem Zeitplan, die die ganze Stadt in Aufruhr bringt", ereiferte sich Rabe. Die CDU habe im Wahlkampf eine ganz andere Schulpolitik versprochen. Rabe höhnisch: "Wenn man wissen will, was die CDU denkt, muss man jetzt die GAL fragen."
Andere Wege zur Förderung von Risikoschülern
Den Wortbruch-Vorwurf wies für die Union ihr Schulexperte Wolfgang Beuß weit von sich. Von einer Preisgabe der Gymnasien könne keine Rede sein, auch wenn diese Schulform zwei Jahrgänge einbüße. Laut Beuß habe die CDU aber erkannt, dass es zur Förderung von Risikoschülern anderer Wege bedürfe als bislang. In Hamburg verlässt jeder zehnte Schüler die Schule ohne Abschluss.
Auch die grüne Senatorin gab sich gänzlich unbeirrt - auch wenn sie in der vorigen Woche einen de-facto-Aufschub der Primarschul-Einführung um ein Jahr verkündet hatte. Schulen können nun wählen, ob sie schon 2010 oder erst 2011 mit den ersten fünften Klassen in die Primarschul-Ära starten. Goetsch: "Der Vorbereitungsdruck für den Übergangsjahrgang wäre sonst zu groß geworden." Im Gegensatz zu manchem Kritiker gelte für den Senat, dass die Kinder im Mittelpunkt aller Überlegungen stünden. Ein Abrücken von der Reform sei der Aufschub nicht. Goetsch: "Zu diesem Prozess gibt es keine überzeugende Alternative." Darin seien sich beide Senatsparteien einig.
Genau daran zweifelt die Linken-Abgeordnete Christiane Schneider. Beim jüngsten CDU-Schulpapier, das die Reform nochmals unterstützt, handele es sich womöglich um eine "Danaergeschenk" - für den Empfänger unheilvoll. In Wirklichkeit, unkte die Linke, halte sich die Union allen Beteuerungen zum Trotz damit die Möglichkeit offen, die Primarschule im letzten Moment doch noch zu verhindern.
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