SCHLESWIG-HOLSTEIN
Landtagswahl
Politologe: SPD profitiert am meisten von Doppelwahl
"Bei anderen Landtagswahlen seit Bestehen der großen Koalition in Berlin hatten beide Volksparteien Probleme, ihre Wähler zu mobilisieren, die SPD mehr als die CDU", sagte Krause in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Daher könnte es sein, dass die SPD von dieser Doppelwahl am Sonntag mehr profitieren wird als die CDU und ein besseres Ergebnis erzielt als die Meinungsumfragen erkennen lassen, denn dieses Mal wird die Wahlbeteiligung höher sein."
Er habe sich deshalb auch darüber gewundert, dass die SPD im Juli so sehr gegen Neuwahlen an diesem Sonntag war und diese nicht als Chance gesehen habe. Dass die CDU den Wahlkampf nur auf die Person von Ministerpräsident Peter Harry Carstensen abgestellt hat, könnte sich aus Sicht Krauses als großer Fehler erweisen. Carstensens Bild sei wegen seines Verhaltens während der Juli-Krise im Zusammenhang mit dem Bruch der großen Koalition deutlich beschädigt worden. "Da hätte es nahe gelegen, den Wahlkampf stärker auf ein Kompetenzteam zu orientieren." Im Wahlkampf der CDU kämen deren Minister aber praktisch nicht vor.
SPD-Spitzenkandidat Ralf Stegner habe seine Strategie taktisch klug auf ein Kompetenzteam abgestellt und damit Punkte gemacht, sagte Krause. Stegner habe offenkundig auch Erfolg mit dem Versuch gehabt, sein öffentliches Image zu verbessern. "Das lassen zumindest die Umfragen erkennen."
"Viererbande" nicht ausgeschlossen
Falls CDU und FDP keine gemeinsame Mehrheit erreichen, sieht Krause in einem Bündnis aus CDU, FDP und Grünen eine realistische Möglichkeit. "Ich würde es aber nicht ausschließen, dass es eine "Viererbande" gibt, wo die Linkspartei eine Minderheitsregierung von SPD, Grünen und SSW toleriert", sagte der Politologe. "Dies könnte aber in der SPD, bei den Grünen und auch beim SSW zu internen Verwerfungen führen und dazu beitragen, dass am Schluss keine klare Ministerpräsidentenwahl möglich wird."
Dies kann Krause zufolge "hessische Verhältnisse" bedeuten - also eine Situation, in der eine linke Koalition letztendlich doch nicht zustande kommt und Neuwahlen nötig werden. Krause kritisierte, dass interne Geschäftsvorgänge der HSH Nordbank in den Wahlkampf geraten sind. "Das kann auf Dauer nur der Bank schaden und damit auch dem Land Schleswig-Holstein."
Die vielen möglichen Koalitionsvarianten nach der Landtagswahl dürften die Wähler nach Ansicht Krauses ziemlich verwirren. "Man wählt ja manchmal eine bestimmte Partei auch deshalb, weil man sich vorstellen kann, dass sie mit einer bestimmten anderen Partei koalieren könnte oder sollte. "Nun gibt es eine neue Unübersichtlichkeit, zumal die dauerhafte Anbindung an eine Partei deutlich zurückgeht", sagte Krause.
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