SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Aquarium als Attraktion

Öko-Touristen sollen Helgoland entdecken

02. April 2008 | 07:48 Uhr | Von dpa

Die Sanierung des Aquariums würde sechs Millionen Euro kosten. Foto: dpa

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Das Aquarium auf Helgoland steht kurz vor der Schließung. Jetzt will die Leiterin das Projekt retten: Frisch saniert soll die Attraktion Touristen anlocken.

Helgolands Touristenattraktion, das Aquarium, steht kurz vor dem aus. Die einzige Rettung, so glaubt man in der Biologischen Anstalt Helgoland: Sanierung und Ausbau für den Öko-Tourismus.  Sonst droht die Schließung. "Zwei Jahre bleiben uns noch", sagt die Leiterin Prof. Karen Wiltshire.

Die Hindernisse sind groß, denn es fehlt an Geld. Mindestens sechs Millionen Euro muss die aus Irland stammende Wiltshire für das ehrgeizige Projekt auftreiben. Woher diese Summe kommen soll, ist unklar.

An EU-Mittel haben die Chefin des mit 170 Mitarbeitern größten Arbeitgebers auf Helgoland und ihr Aquariumsleiter Stefan Leusmann bereits gedacht. Denn die Gemeindekasse auf dem roten Nordseefelsen ist chronisch leer. Bleibt noch das Land Schleswig-Holstein. "Wirtschaftsminister Dietrich Austermann hat großes Interesse gezeigt", macht Wiltshire sich und ihren Mitstreitern Mut. Das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), zu dem die Biologische Anstalt gehört, unterstützt Wiltshire in ihren Plänen. Es kann die Finanzierung aber nicht aus eigenen Mitteln stemmen.

Faszinierende Unterwasserwelt

Immerhin rund 25.000 Besucher pro Jahr nutzen ihren Besuch auf Deutschlands einziger Hochseeinsel, um auch einen Blick unter die Oberfläche des Meeres zu werfen. Wer die kleine Anlage mit den Aquarien moderner Freizeitparks vergleicht, muss im ersten Moment allerdings enttäuscht sein. Wessen Blick sich aber an das schummerige Licht und das etwas trübe Wasser gewöhnt hat, der kann die faszinierende Unterwasserwelt eines einzigartigen Naturgebiets zum Greifen nah erleben. "Wir haben hier ein Stückchen Fels in einer Welt von Sand", sagt die blonde Wissenschaftlerin. Tatsächlich leben auf den wenigen Quadratkilometern des Helgoländer Felssockels viele Tiere wie auf einer einsamen Insel. Für den Helgoländer Hummer endet die Welt am Übergang von Felsboden zum Sand.

Das Besondere am Helgoländer Aquarium ist die direkte Verbindung zur Nordsee. Im Laufe eines Tages wird der gesamte Wasserinhalt, im größten Becker mehr als 11.000 Liter, durch frisches Meerwasser ersetzt. Leusmann zeigt auf kleine Tiere, die an der Wand eines Beckens haften. "Die Seescheiden und Seepocken haben sich auf natürlichem Weg hier angesiedelt", erklärt der Biologe. Plankton, Algen, Krebse und viele andere Lebewesen aus dem Ökosystem des Meeres finden über eine Rohrleitung ihren Weg in das Aquarium.

Hinter Glasscheiben ziehen Dorsche ihre Runden. Immer wieder taucht auch ein einsamer Stör auf. "Das ist der letzte in der Nordsee gefangene Stör", sagt Wiltshire. "Er lebt seit 1968 hier im Aquarium." Viele Tiere reagieren, wenn einer der Wissenschaftler dicht an die Glasscheibe tritt. "Fische sind intelligente Wesen", betont die Professorin.

Neues Energiekonzept

Wiltshires Pläne gehen aber über eine bloße Sanierung des Aquariums weit hinaus. Sie möchte ein Projekt schaffen, dass vorbildlich zeigt, wie Umwelt- und Klimaschutz mit Leben und Arbeiten auf Helgoland verbunden werden können. Die Gebäude sollen so saniert werden, dass eine neutrale Bilanz für das klimaschädigende Gas Kohlendioxid (CO2) entsteht. "Der Salzstock, auf dem Helgoland steht, wäre ideal für Geothermie", sagt sie als Beispiel. Aber auch Wind und Sonne sollten eine Rolle spielen.

Die Gebäude der Biologischen Anstalt müssten komplett wärmegedämmt werden. Sie stammen aus der Wiederaufbauzeit nach dem Krieg und verschwenden extrem viel Energie, die auf Helgoland auch noch besonders teuer ist. Die gelben Klinkerbauten stehen unter Denkmalschutz, und das macht jedes Bauvorhaben nicht nur zu einem bürokratischen Akt sondern auch kostspielig.

Wo sich jetzt zwischen Aquarium und Hauptgebäude ein nur wenig ansehnlicher kleiner Platz erstreckt, möchte Wiltshire einen echten Publikumsmagneten entstehen lassen. In einem großen Becken soll das Helgoländer Felswatt nachbebaut werden, so dass Besucher das Leben dieses einmaligen Ökosystems bei künstlich erzeugtem Wechsel von Ebbe und Flut ganz aus der Nähe betrachten können. "Vorstellbar wäre hier ein begeh- aber auch betauchbarer Felswatt-Mikrokosmos mit gezeitensimuliertem Wasserstand", heißt es dazu in einem Entwurf der Biologischen Anstalt. Das ganze Projekt könnte unter das Motto gestellt werden: "Grüne Energie trifft auf Blaue Meeresforschung, Helgoland stellt sich dem Klimawandel".

Seehunds-Düne als Naturerlebnis

Einen ersten Erfolg kann Wiltshire bereits verbuchen: Die im Tourismusforum zusammengeschlossenen Insulaner, darunter Bürgermeister, Hoteliers und Geschäftsleute interessieren sich für die Pläne. Tourismusdirektor Klaus Furtmeier findet das Vorhaben sehr wichtig und lobt die Idee. "Das passt sehr gut in unsere touristische Neuausrichtung." Er nennt als Beispiel die Düne mit ihren Seehunden, die als Naturerlebnis stärker betont werden soll. Inzwischen wissen fast alle auf der Insel: Was für die Biologische Anstalt gilt, gilt angesichts sinkender Besucherzahlen für ganz Helgoland. Ohne Veränderungen gibt es keine gute Zukunft.


 

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