SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Zoff um Ranglisten für Schulen

27. April 2008 | 19:00 Uhr | Von Margret Kiosz

Die Lehrer-Gewerkschaft GEW hat die Schulen aufgefordert, das Schul-Ranking des Magazins "Focus" zu boykottieren. Ranglisten seien nicht geeignet, die Wirklichkeit abzubilden.

Können Ranglisten bei der Suche nach der richtigen Bildungsstätte für die Kinder eine Hilfe darstellen? Foto: dpa

Welche Schule ist die beste für mein Kind? Diese Frage stellen sich die meisten Eltern. Helfen könnte ein Übersicht über Ausstattung, Angebot und Leistung jeder einzelnen Schule. Weil es solch eine öffentliche Datenbank nicht gibt, will das Magazin "Focus-Schule" etwas Vergleichbares herausgeben. Doch die Lehrergewerkschaft GEW läuft Sturm.

An Schleswig-Holstein Bildungsministerium appellierte sie vor wenigen Tagen: "Frau Erdsiek-Rave, unterstützen Sie den Focus nicht mit ministeriellen Daten." Sogar die im Bildungsportal des Landes eingestellten Leistungs- und Prüfungsnoten sollten wieder entfernt werden. Zugleich rief die GEW alle Schulen auf, den Fragebögen des in München ansässigen Magazins in den Papierkorb zu werfen. Darin hatte Focus nach Schülerzahlen, Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund und Durchschnittsnoten bei Vergleichsarbeiten gefragt.

"Schulen können nicht nur nach guten Noten bewertet werden", meint der GEW-Landesvorsitzende Matthias Heidn. Rankings sind nach seiner Ansicht nicht geeignet, die soziale Wirklichkeit einer Schule abzubilden. "Die örtlichen Gegebenheiten sind von Schule zu Schule so unterschiedlich, dass sie sich nicht in eine Art Bundesliga-Tabelle reinpressen lassen", so Heidn. Und: Schulrankings würden der "sowieso schon weit fortgeschrittenen Entmischung unserer Gesellschaft Vorschub leisten".

Dabei wollte das Magazin nach eigenen Angaben gar keine öffentlichen Bestenlisten der Schulen erstellen, wie sie im europäischen Ausland längst üblich sind. Mitte der Woche bestätigte das auch ein Focus-Anwalt der rebellischen Lehrergewerkschaft. Und Chefredakteurin Gaby Miketta wetterte: "Die GEW versucht zu verhindern, dass Eltern auf objektive Fakten zur Auswahl der richtigen Schule zurückgreifen können." Bislang müssten sie sich auf den Ruf der Schule verlassen und im Gespräch mit Lehrern versuchen, Informationen zu erhalten. Offizielle Daten, selbst wenn vorhanden, seien für Eltern fast nicht zugänglich. "Länder wie Brandenburg, Berlin und Sachsen stellen diese Informationen längst selbstverständlich und öffentlich zur Verfügung."

Ganz so weit ist allerdings auch Schleswig-Holstein von dieser Idee nicht entfernt. Bildungsministerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) verweist dazu auf die inzwischen standardisierten Schulportraits im Internet. Zu finden seien dort etwa Angaben über das Schulprogramm, über pädagogische Arbeit und Leistung von Schulen, über Wiederholerquoten oder Daten zum Unterrichtsausfall. All dies könne Eltern bei der Schulauswahl für ihre Kinder helfen.

Möglich, dass sich die Lehrerverbände mit ihrem Widerstand gegen öffentlich bestückte Schuldatenbanken sogar einen Bärendienst erweisen. Statt eines transparenten, wissenschaftlich fundierten Systems entstehen im Internat längst Rankings, die sich ihrer Kontrolle komplett entziehen. So wie schulradar.de, ein Ableger der umstrittenen Schülerseiten spickmich.de. Auf dieser Seite können Eltern den Schulen Noten in sechs Kategorien geben: Individuelle Förderung, Gebäude/Ausstattung, Lehrkräfte, Schulleitung, Unterrichtsbegleitende Aktivitäten und Schulklima. 180 000 Mütter und Väter nutzten diese Möglichkeit schon in der ersten Woche. Auch Schulen in Schleswig-Holstein bekamen bereits Zensuren. Und es werden täglich mehr. Damit könnte das erste bundesweite Schulranking entstehen - trotz der Proteste von GEW & Co.

Der Deutsche Lehrerverband hat schulradar.de bereits scharf kritisiert und Eltern vor der Nutzung gewarnt. Es fördere eine "Kultur der Denunziation", so Verbandspräsident Josef Kraus. Unter dem Mantel der Anonymität gebe es zahlreiche Manipulationsmöglichkeiten.

Die Betreiber des Portals sehen diese Gefahr nicht. Mit den eingebauten Sicherheitsmechanismen gelinge es, Frust- und

Spaßbewertungen aussortieren. Im übrigen komme man nur dem Wunsch vieler Eltern nach, sagt Spickmich-Initiator Manuel Weisbrod. "Denen reicht es einfach nicht, nur einmal im Jahr beim Tag der offenen Tür die Schule zu besichtigen, um dann die Schulentscheidung für ihre Kinder zu treffen."


Leserkommentare

 
JOERG WARSOW 05.07.2008 11:57
Die Dofen

Man sollte nicht dauernd Gnade walten lassen, sondern die Doofen gleich wegsperren.
Das bringt die zwar nicht zur Vernunft (geht bei Doofen selten), aber die Allgemein-
heit ist eine Zeitlang vor den geschuetzt.

BOBBY FISCHER 06.07.2008 04:31
Nazis bedrohen Richter

Das der Richter, wie auf dem Originaltext nachzulesen ist, einen Kinderschänder extrem milde davonkommen lassen hat, ist schon bedenklich. Das dies im Zeizungsartikel überhaupt nicht erwähnt wird, ist nicht nur bedenklich, sondern manipulativ.

HERBERT FREY 06.07.2008 16:31
Kinderschänder?

Ich habe mir jetzt die drei Ausrisse durchgelesen und auch den Artikel, beides je zwei Mal. Ich kann nicht einmal den Begriff "Kinderschänder" entdecken und finde nicht heraus, dass der Richter einen solchen milde davonkommen ließ. Bitte, Bobby Fischer, klären Sie mich auf, wo Sie das lasen.

MARTIN NEUMANN 10.07.2008 12:06
Gefährliche Nazi-Strategie

Bobby Fischer scheint offensichtlich selbst aus der rechten Ecke zu kommen, sonst würde er nicht populistisch vom eigentlichen Thema ablenken. Es geht in den Drohungen gegen den Richter um die übliche Strategie der extremen Rechten, die schon aus der NS-Zeit bekannt ist: durch gezielten Terror - egal ob psychisch oder physisch - sollen politische Gegner eingeschüchtert und mundtot gemacht werden. Ziel ist, ein Klima der Angst zu verbreiten. Diese Strategie der Nazis, die in diesem Beispiel offensichtlich wird und die mit Sicherheit kein Einzelfall ist (im Gegenteil) muss aufs Schärfste verurteilt und bekämpft werden.
Interessanterweise wird hier einmal mehr deutlich, welche Rolle die NPD in dieser Terror-Strategie spielt. Die Parlamente nutzt sie zur Verbreitung ihrer rückwärtsgewandten, menschenverachtenden Propaganda - sie hat aber auch keinerlei (Abgrenzungs-) Probleme gegenüber gewalttätigen Methoden wie die in diesem Artikel dargestellten.



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