SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Missbrauch in Ahrensburg

Kirche zieht Konsequenzen

31. Juli 2010 | Von ge/lno

Die Nordelbische Kirche will Konsequenzen aus den Missbrauchsvorfällen in Ahrensburg ziehen. Gutachter sollen alle Vorwürfe prüfen.

Kiel / Ahrensburg. Zwischenbericht nach Missbrauchsfällen in Stormarn: Küftig sollen Gutachter alle Vorgänge, auch die aus dem Jahr 1999, untersuchen. "Wir müssen um der Opfer und um unserer eigenen Glaubwürdigkeit willen alles tun, damit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs rückhaltlos nachgegangen wird", sagte Bischof Gerhard Ulrich, Vorsitzender der Nordelbischen Kirchen leitung. Als eine sofortige Konsequenz sollen zum 1. August zwei unabhängige Ombudsfrauen in Hamburg und Schleswig-Holstein ihre Tätigkeit aufnehmen, an die sich Opfer sexueller Übergriffe im kirchlichen Raum wenden können.

In Ahrensburg laufen gegenwärtig disziplinarische Ermittlungen gegen zwei pensionierte Pastoren. Mit dem Ergebnis könne voraussichtlich Ende August gerechnet werden. Haupttäter ist Pastor Dieter K. (72). Nach Kenntnis des Opfervereins "Missbrauch in Ahrensburg" soll er in den 70er und 80er Jahren 22 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben, darunter seine drei Stiefsöhne. Einer davon ist Sebastian Kohn (42). Er sagt über seinen Vater, der auch als Religionslehrer arbeitete: "Ich habe erlebt, dass er Schüler mit nach Hause nahm. Dort hat er mit Schülerinnen und Schülern rumgeknutscht und an ihnen herumgefummelt." Ein Opfer hatte sich 1999 einer Pröpstin anvertraut; in einem Sechs-Augen-Gespräch räumte Dieter K. alle Vorwürfe ein. Die Pröpstin ließ den Pastor lediglich versetzen - weder erstattete sie eine Strafanzeige noch leitete das Kirchenamt ein Disziplinarverfahren ein. Sie will aber Bischöfin Jepsen informiert haben, ebenso wie die Schwester des Opfers die Bischöfin noch im gleichen Jahr an gesprochen haben will. Bischöfin Maria Jepsen war deswegen vor zwei Wochen zurückgetreten.

Bei dem Pastor, der derzeit mit einer 28-jährigen Frau zusammenlebt, war in der vergangenen Woche das Jugendamt: Es holte die Ehefrau und den sechsjährigen Sohn aus dem Haus. Der zweite Pastor war von zwei Frauen, die damals in seiner Jugendgruppe waren, wegen sexuellen Missbrauchs angezeigt worden. Obwohl ihm alle pastoralen Tätigkeiten in Ahrensburg untersagt wurden, hält er noch Gesprächskreise in seinen Privaträumen ab.


 

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