SCHLESWIG-HOLSTEIN
Mantelpaviane: Viel Lärm um nichts
Ein Weibchen trägt sein Junges in Saudi-Arabien auf dem Rücken. Im Tierpark Hagenbeck gibt es zurzeit nur ein Junges. Foto: Holger Schulz
Gerade war es noch ruhig und friedlich auf dem Pavianfelsen im Tierpark Hagenbeck. Plötzlich schreit einer der Affen wütend auf, Sekunden später tobt die ganze Horde. In wahrhaft affenartiger Geschwindigkeit und mit gefletschten Zähnen kommt ein großes Männchen aus einer der Höhlen geschossen. Vor ihm rast ein kleinerer Junggeselle über den Felsen, als gehe es um sein Leben. Verzweifelt umklammert er ein Stückchen Apfel, das er dem Alten stibitzt hat.
Gelassen beobachtet Tierpfleger Uwe Fischer das Affentheater. "Viel Lärm um nichts", meint er grinsend, "Paviane schreien viel rum, es wird gedroht und ein riesen Trara gemacht. Aber nur ganz selten passiert mal was". Und das, obwohl die starken Affenmänner ziemlich wehrhafte Gesellen sind. In ihrer Heimat - auf dem Horn von Afrika und in Saudi Arabien, Jemen und Oman - ist der Mensch ihr einziger Feind. Und in den ostafrikanischen Savannen haben selbst Löwen und Leoparden großen Respekt vor den gewaltigen Eckzähnen der Paviane.
50 Mantelpaviane leben im Tierpark Hagenbeck, aber nur ein einziges Baby ist zu sehen. "Unsere Affen sind fast alle im Rentenalter", erzählt Uwe Fischer. Vor etwa zehn Jahren gab es einen regelrechten Babyboom auf dem Affenfelsen. Daraufhin wurden fast alle erwachsenen Männchen sterilisiert. "Die Babys, die jetzt noch geboren werden, sind Glückstreffer von jüngeren Halbstarken", erklärt der Tierpfleger. "Die alten Patriarchen denken, es sei ihr eigener Nachwuchs und kümmern sich liebevoll um die Kleinen."
Paviane sind zwar Allesfresser, aber sie bevorzugen vegetarische Kost. Die Zoobesucher werfen Nüsse und Obst auf den Pavianfelsen. Manche Affen sind geschickt genug, die Leckerbissen aus der Luft zu fangen. Vor einigen Jahren hatten sich an der Außenmauer der Anlage kleine Risse gebildet, an denen ein paar jüngere Affen in die Freiheit klettern konnten. "Die sind dann hier oben rumspaziert und haben den Kindern die Rucksäcke geklaut", erinnert sich Uwe Fischer. Nach ein paar Tagen waren die Risse geflickt - jetzt beklauen die Affen sich wieder gegenseitig.
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