SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Erfindung

Kurios: Lärm soll Krach aufheben

11. Dezember 2008 | Von Markus Lorenz

Es sendet Töne in derselben Frequenz aus wie die Lärmquelle: Dr. Thomas Kletschkowski vor seinem Gegenschallgerät. Foto: Lorenz

Hamburger Forscher haben ein Gegenschallgerät entwickelt. Die Anlage soll Lärmwellen mit eigenem Schall neutralisieren.

Hamburg. Ein bisschen ist es so, als treibe man den Teufel mit dem Beelzebub aus. Nur viel erfolgreicher. Forscher der Hamburger Helmut-Schmidt-Universität bekämpfen Lärm mit Krach - genauer gesagt mit Gegenschall. Ihr Ziel: In Schlaf- und Wohnzimmern soll endlich Ruhe herrschen vor Straßen-, Flug- und Lärm vielerlei anderer Art.

Selbstversuch im Kellergeschoss der Bundeswehr-Uni in Hamburg-Jenfeld, die seit fünf Jahren den Namen des Altkanzlers trägt: Oberingenieur Dr. Thomas Kletschkowski und sein Team vom Teilbereich Mechatronik haben dort ein Schlafzimmer nachbauen lassen. Der Reporter legt sich ins Bett, das am Kopfende von zwei Lautsprechern eingerahmt wird. Durch das auf Kipp stehende Fenster lassen die Wissenschaftler nun Lärm eindringen: eine wahrhaft unangenehme Klangmischung aus Autorauschen und Propellerdröhnen. Laut, brummend, schlafraubend.

Lästiges Dröhnen wird verschluckt

Per Mausklick aktiviert Ingenieur Kai Simanowski dann das Gegenschallsystem. Und: Es funktioniert! Dass aus den Lautsprechern ein Anti-Geräusch erklingt, hört man nicht. Wie von Geisterhand aber ist das lästige Dröhnen verschwunden. Stattdessen rauscht es nun erträglich, etwa so wie an Bord eines modernen Verkehrsjets während des Fluges. Urteil: Was vom Lärmbrei bleibt, muss niemanden am Schlafen hindern.

Um zehn bis 20 Dezibel lasse sich der Krach so reduzieren, erklärt Simanowski. Dabei gilt: Zehn Dezibel weniger nehmen Menschen schon als Halbierung wahr.

"Die Gegenschallanlage sendet Töne in derselben Frequenz aus wie die Lärmquelle", erläutert Kletschkowski. Im Ergebnis neutralisieren sich die schallerzeugenden Luftschwingungen weitgehend - das Geräusch wird deutlich leiser. Dieses schon in den 1930ern entdeckte Prinzip für den Hausgebrauch lärmgeplagter Zeitgenossen anwendbar zu machen ist das große Ziel der Hamburger Mechatroniker.

"Die Ehefrau hört man trotzdem reden"

Sie sind auf einem guten Weg. Ihre Demonstrationsanlage überzeugte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt derart, dass diese zur Weiterfinanzierung der Produktentwicklung bereit ist. Auch deshalb, weil es inzwischen gelingt, nur lästige Geräusche zu unterdrücken. Kletschkowski: "Das System lässt sich so anpassen, dass man im Bett trotz Gegenschall weiterhin den Wecker klingeln oder seine Ehefrau reden hört." Was noch fehlt, ist ein erfahrener industrieller Hersteller, der die Schritte bis zum fertigen Endprodukt mitgeht. Für um die 500 Euro, schätzt Kletschkowski, könnte der Konsument ein Gegenschallsystem später einmal im Elektronikmarkt erwerben. Dafür bekäme er dann je ein Außen- und ein Innenmikrofon, die Klangart und -stärke registrieren, einen Minikoffer mit Regeltechnik und Verstärker sowie zwei Lautsprecher.

Bleibt noch eines zu klären: Störende Geräusche im Bett - da ist doch was? "Nein, nein", winkt Simanowski ab. "Gegen Schnarchen hilft das System nicht. Das Geräusch ist zu unregelmäßig."


 

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