SCHLESWIG-HOLSTEIN
Katzenschwemme
Zwangskastration für Katzen?
"Tabs" wartet noch immer. Die kleine dunkle Katze hockt seit September in einem Käfig in der Tierauffangstelle Neumünster, sucht einen neuen Besitzer. "Tabs" ist eine von tausenden Katzen in Schleswig-Holstein, die in Tierheimen abgegeben werden - viele, weil die Besitzer zu wenig Geld für die Versorgung haben. Die Heime stoßen an Grenzen: In den nächsten Jahren droht laut Tierschutzbund rund der Hälfte der Heime im Land das finanzielle Aus.
Zum Problem werden auch frei lebende Katzen, die entweder von Menschen gefüttert werden oder wieder zu Jägern geworden sind. "Das sind Tausende", so Dr. Christine Bothmann, Vorstandsmitglied der Tierärztekammer Schleswig-Holstein, die morgen ihren ersten landesweiten Tierärztetag in Schleswig veranstaltet. "Nur die massenhafte Kastration von Katzen kann die Population wieder senken."
"Diese Länder haben kein Katzenproblem"
Die Tierärzte könnten das, doch sie verlangen Geld dafür - und zwar laut Gebührenordnung rund 100 Euro pro Kastration. Preissenkungen bei Massenkastrationen seien nicht möglich, "schon aus medizinischem Ethos und weil jedes Mal der gleiche Vorgang korrekt durchgeführt werden muss", sagt Kammerpräsident Dr. Jens-Peter Greve aus Husum. "Für viele Tierhalter, die nur Hartz IV empfangen, ist das aber zu viel Geld", meint Beatrix Urgan aus der Tierauffangstelle Neumünster. Das wissen auch die Tierärzte. Deshalb wollen sie eine Debatte anstoßen, wie man der Katzenschwemme Herr werden kann - und dass obwohl sie sich selbst nicht immer einig sind. "Einige Kollegen meinen, dass sie gegen das Tierschutzgesetz verstoßen, wenn sie eine Wohnungskatze kastrieren, die sich ja meist nicht vermehrt", sagt Greve. Denn Ärzte dürfen Tieren nur Schmerzen aus einem vernünftigen Grund zufügen - und das definiert jeder anders.
Dass die massenhafte Kastration wirksam ist, ist nicht bewiesen. Aber: Österreich und die Schweiz haben in Bundesgesetzen festgelegt, dass Hauskatzen beim Kauf kastriert werden müssen - und wilde Katzen, wenn sie gefunden werden. "Diese Länder haben kein Katzenproblem", sagt Greve. "Ein solches Gesetz wäre aber mindestens auf Landesebene nötig", ergänzt Bothmann. In Paderborn gibt es einen Modellversuch.
Unbürokratischer könnte ein Modell aus Dortmund sein. Dort bekommt jeder Katzenhalter nach der Kastration seines Tieres einen Zuschuss vom Tierschutzverein. "Wir geben bereits jetzt Hartz IV-Empfängern etwas dazu", sagt Betarix Urgan aus Neumünster. Und dennoch ist das Heim bis unters Dach mit Katzen gefüllt.
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