SCHLESWIG-HOLSTEIN
Richard O'Barry
Kampfansage an die Delfin-Industrie
Husum. Diesen Mann und das Meer verbindet eine besondere Beziehung. Wie kaum ein anderer ist Richard O’Barry einer Spezies nahe gekommen, die womöglich intelligenter ist als der Mensch. Das sollte sein Leben verändern - gleich zweimal. Für die Fernsehserie "Flipper" trainierte der Amerikaner mit deutsch-irischen Wurzeln im "Seaquarium" von Miami fünf Delfine, brachte ihnen bei, wie sie kameragerecht von A nach B schwimmen und verdiente damit eine Menge Geld.
Doch dann starb Delfin Cathy in seinen Armen, hörte einfach auf zu atmen, und O’Barry wurde vom Saulus zum Paulus. Von diesem Tag an begann sein weltweiter Kampf gegen die Gefangenschaft von Walen und Delfinen. Durch den Film "Die Bucht", der beschreibt, wie im japanischen Fischerdorf Taiji jährlich Hunderte von Walen und Delfinen brutal abgeschlachtet werden, gelangte er abermals zu Weltruhm und bekam obendrein noch einen Oscar. Doch diesmal stand O’Barry bereits seit langem auf der anderen Seite.
Petition zum Schutz der Schweinswale
Mit Hilfe von Joachim Reppmann, der je zur Hälfte in Flensburg und in den USA lebt, holte sh:z-Chefredakteur Stephan Richter Richard O’Barry nach Deutschland. Im Rahmen der Wattenmeer-Expedition war der Walschützer Stargast des Leserfestes in Husum. Er warb für eine gemeinsame Petition mit der Schutzstation Wattenmeer zum Schutz der Schweinswale in Nord- und Ostsee.
Wie man Delfin-Trainer wird, wollte Moderator Reppmann wissen. "Ich war einfach nur zur rechten Zeit am rechten Ort", so O’Barry. Eine Zeit, die mit Cathys Tod endete. Von da an kämpfte der Amerikaner gegen eine Multi-Milliarden-Dollar-Industrie, die Delfinarien betreibt oder Schwimmen mit Delfinen anbietet. All dies und vieles mehr zeigt der Film "Die Bucht", der am Abend im Husumer Kino-Center gezeigt wurde und nicht nur Stephan Richter "sprachlos" machte. Gemeinsam mit dem Co-Autor des gleichnamigen Buches, Hans Peter Roth, und seiner japanischen Übersetzerin "Kiki" Tanaka stand O’Barry den Kino-Besuchern nach der Vorstellung Rede und Antwort.
"Keine Tickets für Delfin-Shows kaufen"
Was der Einzelne tun könne, um seine Arbeit zu unterstützen, wollte eine Zuschauerin wissen: "Ganz einfach - keine Tickets für Delfin-Shows kaufen", antwortete O’Barry. "Und dafür lieber das Bucht-Buch", ergänzte Roth, "denn ein Euro des Verkaufserlöses geht direkt in unsere Arbeit".
Wert legten alle drei Gäste auf die Feststellung, dass das japanische Volk an den Vorgängen in Taiji keine Schuld treffe. "Die meisten Japaner wissen gar nichts von dieser Sache und essen auch kein Walfleisch", so O’Barry. Das Husumer Kino-Center zeigt den Film "Die Bucht" noch bis einschließlich Mittwoch (täglich 20 Uhr).
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