SCHLESWIG-HOLSTEIN

 

Sea Life Centre Timmendorf

Inventur: Kinder zählen Katzenhaie

02. Februar 2009 | Von Anja Werner

Auch am Rochen-Becken werden die Fische gezählt.

Sie sind jung, haben aber schon einen wichtigen Auftrag: Zum Zählen tausender Meeresbewohner tauchen Kinder derzeit im Timmendorfer Sea Life Centre in die Welt der Meere ab.

Timmendorfer strand. "Verflixt nochmal! Könnt ihr nicht mal stillstehen." Doch diesen Gefallen tun die mächtigen Goldbrassen in ihrem riesigen Becken dem kleinen Justus aus Malente nicht. Also fängt der Sechsjährige von vorne an, schaut gebannt ins Aquarium, das zwei Mal so hoch ist wie der Steppke selbst, und zählt erneut - mit Hilfe seiner kleinen Finger. Auch hunderte andere Kinder haben am Wochenende im Sea Life in Timmendorfer Strand einen kniffeligen Job zu erledigen. Denn erstmals ist die bis heute andauernde Fisch-Inventur in der 1500 Quadratmeter großen Unterwasserwelt fest in Kinderhand.

Alle Besucher unter 14 Jahren bekommen am Eingang als erstes eine Zähl liste und einen Bleistift überreicht. Dann öffnet sich die Tür für den spannenden Unterwasser-Spaziergang, der - einzigartig in Norddeutschland - einen nahezu kompletten Querschnitt der nordeuropäischen Gewässer bietet, inklusive des benachbarten Niendorfer Hafens. Im farbenprächtigen Kontrast dazu glänzt die exotische Welt der Tropen, in deren Mangroven die Inventur gleich mit einer schwierigen Aufgabe beginnt. Denn die dort zu zählenden Glaswelse sind nicht nur klein und zahlreich, sondern bis auf Augen und Gräten auch komplett durchsichtig. Da muss Mama schon mal helfen, auch der fünfjährigen Olivia aus Hamburg. Da fällt das Zählen der "roten Brocken" - so beschreibt Justus die mächtigen, rötlichen Knurrhähne - schon deutlich einfacher, welch' ein Erfolgserlebnis!

"Wir sind unter den Haien spaziert"


Doch die winzigen Roten Neons oder die scheuen Seepferdchen, die sich zudem noch gerne hinter den Riffen verstecken, sind dann wieder verdammt schwer auszuzählen. Gar nicht schüchtern begegnen dagegen die imposanten Rochen den Nachwuchs-Meeresbiologen. Zielstrebig steuern sie auf jeden kleinen Besucher am Rand ihres oben offenen Beckens zu, recken ihre flachen Köpfe in die Höhe und schauen die Kinder mit ihren kugeligen Augen neugierig an. Der Hinweis "Bitte nicht streicheln" ist also auch in einem Aquarium berechtigt.

Unermüdlich zählen sich die Kinder über die Nagel rochen, Katzenhaie, Seenelken schließlich bis zu den Rotfeuerfischen durch. Zur Belohnung dürfen die Lütten dann im acht Meter langen Haitunnel, der durch die 220 000 Liter Wasser fassende Hauptattraktion des Sea Life führt, ausgiebig ihre Köpfe nach oben recken. "Wir sind unter den Haien spaziert", erzählt die fünfjährige Kaja aus Thüringen danach ganz aufgeregt.

Mit so vielen, begeistert zählenden Kindern hat Sea Life-Geschäftsführer Stefan Porwoll nicht gerechnet. "Eine tolle Leistung", lobt er. Doch die Ergebnisse, die die kleinen Biologen bis heute Abend ermitteln, sind nicht die alleinige Grundlage für die neue Einkaufsliste. "Unsere Biologen zählen natürlich auch selbst mit", sagt Porwoll. Die Auswertung der Erfassung von tausenden Meeresbewohnern, die sich in den 36 Unterwasserwelten an der Lübecker Bucht tummeln, wird erst kommende Woche vorliegen. Doch Porwolls Stellvertreterin Caroline Seibert zeigte sich von den ersten Stichproben beeindruckt. "Einige Kinder haben fast eine Punktlandung geschafft."


 

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